Gedanken der Pfarrer zu Weihnachten: Geburt Jesu als Licht und eine helle Botschaft in dunkler Zeit

Gott wird ein Kind – verletzlich, bedürftig und angewiesen auf Liebe und Fürsorge. So beschreibt Pfarrer Gehrig das Bild von Christel Holl.
Illustration: Christel Holl, Hell wird es, wo Gott geboren, Beuroner Kunstverlag.- Pfarrer Gehring und Striebel betonen Weihnachten als Zeit der Hoffnung und Freude.
- Gott kommt in die Dunkelheit und das Unvollkommene, symbolisiert im Bild von Christel Holl.
- Weihnachten ist auch ein Auftrag, das Licht weiterzugeben.
- Hirten und Engel im Stall stehen für Gottes Nähe im Alltag.
- Weihnachten verbindet und überwindet Gräben.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wir feiern Weihnachten in einer Zeit, in der Vieles um uns herum im Dunkeln liegt. Trotz gesunkener Inflationsrate belasten die hohen Preise Familien besonders stark. Die Klimakrise bedroht nicht nur die Umwelt, sondern auch den Glauben daran, dass wir diese Welt für kommende Generationen bewahren können. Und der Krieg in der Ukraine und die Auseinandersetzungen im Heiligen Land sind eine tägliche Erinnerung daran, wie zerbrechlich doch der Friede ist.
In diese Dunkelheit hinein feiern wir die Geburt Jesu und mit ihr die Verheißung, dass es hell wird, wo Gott geboren wird. Unser diesjähriges Weihnachtsbild veranschaulicht dies. Es zeigt Maria und Josef, wie sie das neugeborene Christkind betrachten. Um sie herum ist es dunkel – sie jedoch werden vom warmen und unaufdringlichen Schein des Christkindes erhellt.
Das Bild von Christel Holl macht deutlich: Das Licht von Weihnachten zeigt sich im Kleinen und Alltäglichen. Gott wird ein Kind – verletzlich, bedürftig, angewiesen auf Liebe und Fürsorge. Sein Licht strahlt nicht durch Macht, sondern durch Nähe.
Auch heute erstrahlt das Licht von Weihnachten dort, wo Menschen einander nah sind: Wenn einer einem andern sein Ohr schenkt, wenn Menschen, die bedürftig sind, nicht übersehen werden, wenn jemand innehalten kann, um einen andern zum Zug kommen zu lassen.
Im Unvollkommenen das Licht suchen
Gott kommt nicht in eine heile Welt. Er kommt in die Dunkelheit, in den Unfrieden, in die Not. Maria und Josef fanden keinen Platz in den Herbergen, mussten in einem Stall Zuflucht suchen – und dennoch wurde hier der Himmel auf die Erde gebracht.
Auch in unserem Leben können solche „Ställe“ Orte der Hoffnung werden. Wo wir nicht im Vollkommenen, sondern im Unvollkommenen das Licht suchen, da geschieht Weihnachten.
Die Weihnachtsbotschaft ist nicht nur ein Trost, sondern auch ein Auftrag. Wenn wir das Licht empfangen, das von der Krippe ausgeht, dann sind wir aufgefordert, es weiterzugeben. Hell wird es dort, wo Menschen dieses Licht teilen. Das Licht von Weihnachten zeigt sich oft in kleinen Gesten – so klein wie das Kind in der Krippe, das dennoch die Welt verändert hat. Das Bild von Maria, Josef und dem Kind ist mehr als eine Erinnerung an die Ereignisse vor 2000 Jahren. Es ist eine Einladung an uns heute.
Weihnachten als Fest des Lichts
Interessant ist, dass Christel Holl in ihrem Weihnachtsbild keine Gesichtszüge gemalt hat. Maria, Josef und das Christkind werden so zu Platzhaltern, denen wir unser Gesicht geben können. An der Krippe versammelt, dürfen wir uns zum einen selber bescheinen lassen von dem Licht, das vom Christkind ausgeht, und zum anderen dieses Licht, das wir empfangen haben, weiterschenken an andere.
„Hell wird es, wo Gott geboren.“ Vielleicht spüren wir in diesem Jahr mehr denn je, wie sehr wir dieses Licht brauchen: in unseren Familien, in unserer Gesellschaft auf der Welt und in unserem Herzen. Machen wir Weihnachten 2024 zu einem Fest des Lichtes, nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere. Nehmen wir die Botschaft des Bildes von Christel Holl mit in ins neue Jahr: Das Licht, das von der Krippe ausgeht, wird dort heller, wo wir es teilen.
Pfarrer Harald Gehrig, Leitender Pfarrer der Seelsorgeeinheit Ehingen-Stadt
Die Hirten sind mitten in ihrem Alltag
Wenn ich an Weihnachten denke, habe ich sofort den Stall vor Augen mit dem Kind in der Krippe, Maria und Josef, Ochs und Esel, die Engel und die Hirten. Aber: Was machen eigentlich die Hirten in der Geschichte? Hätten die Engel nicht zu jedem anderen kommen können?
Die Frage lässt mich nicht los. Ich schlage in ein paar Büchern nach, suche im Internet, denke selbst darüber nach. Ganz kann ich das Geheimnis nicht lüften, aber ich habe zwei Punkte entdeckt, die mir wichtig geworden sind:
Die Hirten machen das, was Hirten so machen. Sie passen auf ihre Schafe auf. Auch mitten in der Nacht. Sie sind mitten in ihrem Alltag. Mitten hinein in diesen Alltag zeigt sich Gott den Hirten. Also dort, wo sie es vielleicht am wenigsten erwarten. Nicht im Tempel. Nein, mitten im Alltag.
Die Hirten arbeiten nachts. In der Nacht erscheinen ihnen vielleicht ihre Sorgen und Probleme besonders groß. Die Dunkelheit steht für die Schattenseiten des Lebens.
Manchmal scheint es mir, als wäre das Leben im Moment besonders dunkel. Da sind all die Kriege und gewaltsamen Auseinandersetzungen, in der Ukraine, im Nahen Osten und an vielen anderen Orten. Da ist die Ungewissheit, wie sich die Klimakrise in Zukunft auswirken wird. Da ist die zunehmende Spaltung in unserer Gesellschaft. Fast kommt es mir so vor, als stünden einander nur noch verfeindete Gruppen gegenüber. Misstrauen und Angst bestimmen die Stimmung. Dadurch werden die Gräben nur größer, die Mauern immer höher.
Von neuer Hoffnung und Freude erfüllt
Aber mitten hinein in die Dunkelheit auf dem Feld, in unsere Dunkelheit, erklingt die Botschaft des Engels: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ Gott wendet sich nicht von unserem unvollkommenen menschlichen Leben ab. Im Gegenteil, er wird selbst Mensch und nimmt Teil an diesem menschlichen Leben. Das ist die tolle Botschaft von Weihnachten. Die Botschaft, die die Engel den Hirten verkünden. Gott findet unser Leben so lebenswert, dass er selbst auf die Erde kommt. Wenn das kein Grund zur großen Freude ist.
Nach dieser Botschaft finden die Hirten das Jesuskind in der Krippe – und kehren bald wieder zurück in ihren normalen Alltag. Ihr Leben verändert sich äußerlich nicht grundlegend. Aber sie sind von neuer Hoffnung und Freude erfüllt. Und vielleicht haben sie für sich gelernt: Wenn Gott den Graben zu uns Menschen überwindet und auf uns zugeht, dann können wir auch den Graben zu anderen Menschen überwinden und auf sie zugehen. Und so entschließen sie sich dazu, ihre Freude und Hoffnung mit anderen zu teilen. Geteilte Freude ist schließlich doppelte Freude. Und so können wir bis heute unsere Weihnachtsfreude mit allen teilen. Denn Weihnachten ist ein Fest, das uns alle miteinander verbindet. Weihnachten überwindet Gräben und reißt Mauern nieder, denn das kleine Kind im Stall ist für alle Menschen geboren.
Pfarrer Samuel Striebel, Evangelisches Pfarramt Ehingen Süd
