Ehinger Weihnachtsmarkt: Entscheidung gefallen: So geht die Stadt Ehingen mit dem Weihnachtsmarkt um

Der Ehinger Weihnachtsmarkt 2018. ⇥
EmmenlauerDer Ehinger Weihnachtsmarkt findet in diesem Jahr nicht statt. Das hat die Stadtverwaltung am Donnerstag mitgeteilt. Keine Hütten, kein Bühnenprogramm, keine Kindertage. „Alles was den Ehinger Weihnachtsmarkt ausmacht, wäre in diesem Jahr nicht darstellbar gewesen“, bedauert Oberbürgermeister Alexander Baumann. „Die Gesundheit von Besuchern und Marktbeschickern steht für uns an oberster Stelle und hätte nicht gewährleistet werden können.“
Auch die anderen Märkte fallen aus
Der Ehinger Weihnachtsmarkt findet in diesem Jahr nicht statt. Das hat die Stadtverwaltung am Donnerstag mitgeteilt. Keine Hütten, kein Bühnenprogramm, keine Kindertage. Einige wenige Veranstaltungen in der Vorweihnachtszeit sollen zumindest ein bisschen Feststimmung schaffen, so der Plan im Rathaus. Abgesagt sind auch die kleinen Advents– und Weihnachtsangebote in den Teilorten, auch die großen Jahrmärkte am 3. November („Allerseelenmarkt“) und am 1. Dezember (Nikolausmarkt) fallen aus.
„Alles, was den Ehinger Weihnachtsmarkt ausmacht, wäre in diesem Jahr nicht darstellbar gewesen“, sagt Oberbürgermeister Alexander Baumann. „Die Gesundheit von Besuchern und Marktbeschickern steht für uns an oberster Stelle und hätte nicht gewährleistet werden können.“ Bereits die jährlich im September stattfindende Kirbe hat Baumann in einer Sitzung des Gemeinderats abgesagt, auch mit dem Argument, die Besucherströme seien nicht zu kontrollieren.
„Alle Alternativen geprägt“
Ludwig Griener, der für die Organisation des Weihnachtsmarktes verantwortlich ist, teilt mit, man habe alle denkbaren Alternativen wie etwa eine Streuung auf verschiedene Straßen, die Beschränkung der Besucherzahl, die Einschränkung des Angebots und vieles mehr geprüft, aber letztendlich verworfen. „So etwas wollen wir nicht, daran hätte niemand eine Freude“, teilt Griener mit. Details zu den Gründen, wegen derer diese konkreten Möglichkeiten verworfen wurden, nannte er nicht.
Warum nicht dezentral?
Warum ist ein dezentraler Weihnachtsmarkt, wie er derzeit in Ulm zumindest geplant wird, in Ehingen nicht möglich? Bettina Gihr, Sprecherin der Verwaltung, sagt: „Der Ehinger Weihnachtsmarkt hat einen anderen Charakter als zahlreiche andere Weihnachtsmärkte. Er lebt von seinem Flair, von dem Zusammensein und von seiner zentralen Lage auf dem Marktplatz.“
Das allerdings trifft auf fast jeden Weihnachtsmarkt zu. Doch Gihr sagt: „Ein Stand am Viehmarkt, ein anderer am Glockenplatz und einer am Groggensee — das wolle niemand, auch nicht der Marktbeirat.“ Das wäre von vornherein auch in finanzieller Hinsicht für die Händler nicht darstellbar, sagt die Sprecherin der Stadtverwaltung.
Herber Einschnitt für Händler
Die Absage des Marktes bedeutet einen herben Einschnitt für die Betreiber von Ständen und Hütten — das gilt auch für die Absage des Allerseelen– und des Nikolausmarktes. Diesen Dienstag haben beispielsweise Händler auf dem Justinger Krämermarkt ihre Hoffnung ausgedrückt, der Allerseelenmarkt in Ehingen möge stattfinden. Wie berichtet, sind die Händler derzeit froh um jeden Krämermarkt. Schelklingen hat kürzlich einen Krämermarkt abgehalten. Und Städte wie Laupheim und Riedlingen erlauben einigen Händlern, regelmäßig ihre Stände in den Innenstädten zu öffnen.
„Stimmt zu 90 Prozent“
In der Mitteilung der Ehinger Stadtverwaltung heißt es, die Marktbeschicker des Ehinger Weihnachtsmarktes würden bei allem Bedauern „großes Verstandnis“ zeigen für die Entscheidung der Stadtverwaltung: „Wir sind alle traurig, aber der Gesundheitsschutz der Marktbeschicker und Marktbesucher geht vor“, wird Marktsprecher Winfried Herrmann aus Illerrieden von, der Verwaltung zitiert.
Fragt man in Marktbeschickerkreisen nach, heißt es, diese Schilderung der Stadt stimme „zu 90 Prozent“. Es habe durchaus Marktbeschicker gegeben, die gerne gekommen wären. Doch betonten alle Marktbeschicker, die von der SÜDWEST PRESSE befragt wurden: Die Unwägbarkeiten sind in der Tat sehr groß. Auch würde es sich beispielsweise nicht lohnen, wenn lediglich 100 Besucher auf den Marktplatz kämen und wenn wegen der Abstandsregeln nur zwei Besucher an einer Hütte zeitgleich einen Glühwein hätten trinken dürfen.
Aus dem Rathaus betont man dagegen: „Die frühe Absage schafft Planungssicherheit bei den Händlern und den zahlreichen Akteuren des Showprogramms.“ Alle würden nun zuversichtlich in das nächste Jahr blicken, „auf einen tollen Weihnachtsmarkt 2021 in Ehingen“.
Auf die Frage an die Verwaltung, was gegen digitale Messzähler spricht, die die Menschenmengen zählen und die derzeit in Ulm angedacht werden, sagt Stadtsprecherin Gihr: „Messzähler setzen umschlossene Flächen mit Zugangskontrolle voraus. Sie verhindern aber nicht die Besucherzahl an sich, diese verlagert sich allenfalls vor die Eingänge.“ Und dort, wo es eng zugehe, breite sich das Virus rasant aus.