Fasnet in Munderkingen: Der Munderkinger Brunnensprung aus Brunnenspringer-Perspektive

Brunnenspringer Jonas Schlaich ist aus dem Marktbrunnen aufgetaucht. Jetzt wird es auch für die Zuschauer am Brunnenrand nass.
Amrei Oellermann- Brunnenspringer Jonas Schlaich springt mit Actionkamera in den Marktbrunnen.
- Aufnahmen zeigen Perspektive, die sonst nur Brunnenspringer sehen.
- Voraussetzungen: ledig und viele Jahre Trommgeselle.
- Fragen im Video: Plankenbreite, Ablauf nach dem Würfelspiel.
- Nach dem Sprung: Auftauchen aus der Stille vor jubelnden Massen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Einmal im Leben Brunnenspringer sein! Für viele Mitglieder der Trommgesellenzunft bleibt das ein Traum, denn die Vorgaben sind streng: Brunnenspringer kann nur sein, wer ledig ist – und bereits viele Jahre Trommgeselle war. Damit auch alle anderen Freunde des närrischen Treibens einen der Höhepunkte der Munderkinger Fasnet aus nächster Nähe erleben können, ist Brunnenspringer Jonas Schlaich für die SÜDWEST PRESSE beim Brunnensprung am diesjährigen Fasnetssonntag mit einer Actionkamera am Häs in den Marktbrunnen gesprungen.
Jubelnde Massen nach dem Sprung
Das Ergebnis sind Aufnahmen, die ungewohnte Einblicke in die Tradition geben: Was passiert eigentlich, nachdem der Trommmeister die Trommgesellen und Trommmaiden zum Würfelspiel aufgefordert hat? Wie schmal ist die Planke, über die die Springer auf den Brunnenrand gelangen, wirklich? Und wie beeindruckend die Kulisse, wenn die jungen Männer nach dem Sprung aus der Stille des Wassers vor den jubelnden Massen auftauchen? Der Blick ins Video lohnt.
Der historische Brunnensprung zur Fasnetszeit ist in diesen Tagen landesweit eine Besonderheit. Wie weit die Tradition tatsächlich zurückreicht, weiß nicht einmal die Trommgesellenzunft. Klar ist, dass die Stadt anno 1935 bereits 700 Jahre Brunnensprung feierte. Die Narrenzunft verweist auf ihrer Homepage auf Recherchen des Heimatforschers Lorenz Locher. Demnach existiert eine Urkunde aus dem Jahre 1235, die belegt, dass der Brunnensprung von den beiden Ortsadeligen Rudolf und Rüdiger im Jahre 1235 aus Wien mitgebracht und in Munderkingen eingeführt wurde.
„Das vorzüglichste Spektakel“
Leider scheint dieses Dokument verloren. Sichere ältere Zeugnisse für den Munderkinger Wasserbrauch, so ist es in der Historie der Zunft weiter zu lesen, stammten aus den Totenbüchern der Pfarrgemeinde. Nach einem Eintrag von 1742 war der erste Tag der Fasnet der Fasnetsmontag, an dem man „die grösste Anzahl von Törichten in der Welt sehen kann“, wie der damalige Pfarrer geringschätzig feststellte. Am Aschermittwoch desselben Jahres hält der Geistliche dann fest: nach einem „schlechten, törichten und geschmacklosen Brauch tauchen zwei Jünglinge im Brunnen unter“.
Im Jahre 1803 widmet Heimatdichter Carl Borromäus Weitzmann in seinem Gedicht „Lob des Munderkingers“ dem Brunnensprung gar eine ganze Strophe. Und merkt in einer Fußnote an: „Unter allen den uralten und wunderbarlichen Gebräuchen der Munderkinger, die noch so rühmlich das Andenken der olympischen Spiele erhalten, ist das sogenannte Brunnenspringen am Aschermittwoche das vorzüglichste Spektakel.“ Seit den 1930er Jahren findet der Brunnensprung regelmäßig am Fasnetssonntag und Fasnetsdienstag statt.
