Mit einem weiteren Gutachten zur künftigen Wasserversorgungsstruktur soll der Konflikt zwischen Gemeinderat und Bürgerinitiative (BI) in Lauterach befriedet werden. Das ist das Ergebnis der Gemeinderatssitzung am Freitag im Vereinsraum der Lautertalhalle. Rund 50 interessierte Zuhörer waren gekommen.
Die Emotionen kochten in der Sitzung hoch. Der Sprecher der BI, Horst Wimmer, machte seinem Ärger Luft: Er warf dem Gemeinderat Geheimnistuerei vor, sprach von Lügen und persönlichen Beleidigungen durch einzelne Gemeinderäte. Bürgermeister Bernhard Ritzler versuchte zu schlichten, dies wollte aber zunächst nicht gelingen. Erst nachdem Günter Lumpp, Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Tübingen (RP), einen Fachvortrag über die Situation der Lauteracher Wasserversorgung gehalten hatte, kam Ruhe in die Auseinandersetzung. Auf seinen Vorschlag soll das RP einen weiteren unabhängigen Gutachter einschalten. Die BI zeigte sich mit dieser Lösung zufrieden.

BI wünscht Bürgerbegehren

Ursprünglich hatte die BI ein Bürgerbegehren gegen den Anschluss an die Bussenwasserversorgungsgruppe (Buwag) erreichen wollen. Dies hatte der Gemeinderat allerdings mit der Begründung abgelehnt, dass die Voraussetzungen für ein Bürgerbegehren nicht gegeben seien. Gegen diesen Beschluss legte die Bürgerinitiative Widerspruch ein und musste sich in der Sitzung von Bürgermeister Ritzler sagen lassen, dass bezüglich des Anschlusses an die Buwag der Gemeinderat noch gar nicht entschieden habe.
Die BI hob allerdings auf eine gemeinsame Sitzung mit den Rechtensteiner Räten ab. In dieser sollen laut BI die Weichen zugunsten der Buwag gestellt worden sein. Der Schultes stellte dies am Freitag in Abrede. Es sei lediglich darum gegangen, mit einem Förderantrag auszuloten, wie hoch der Zuschuss für den Buwag-Anschluss ausfiele. Dies bestätigte in seiner Darstellung der RP-Mitarbeiter Lumpp der mit seinen Ausführungen wesentlich zu Versachlichung der Debatte beitrug.
Bürgermeister Ritzler verdeutlichte, dass das Thema „Wasserversorgung in Lauterach“ schon lange auf der Tagesordnung stehe. Bei seinem Amtsantritt vor 14 Jahren habe er das Problem von seinem Vorgänger Gebhard Jörg schon übernommen. Der Gemeinderat wolle wie die BI die Lauteracher Quellen weiterhin nutzen, aber für eine Sanierung der bestehenden Wasserversorgung gebe es keinen Zuschuss.
Dies sagte auch Lumpp. Er lobte die Qualität des Buwag-Wassers, obwohl dies laut BI höhere Nitratwerte aufweise als das Lauteracher Wasser. BI-Sprecher Wimmer indes blickte auf vergangene Zeiten zurück: Schon in seiner Jugend habe er beim Pflügen mit dem Gespann auf den „Boschäckern“ von der dortigen Quelle getrunken. Dies mache er im Sommer noch immer, und dies sei für ihn ein Genuss. Lumpp hielt allerdings dagegen, dass die Wolfstal-Quelle hygienische Mängel aufweise. Wimmer blieb hart: „Wir wollen das Lauteracher Wasser behalten.“

BI soll am Tisch bleiben

Er drängte zunächst darauf, eine Entscheidung über den Widerspruch der BI gegen die Ablehnung des Bürgerbegehrens zu treffen, stieß damit aber auf die Gegenrede des Bürgermeisters. „Es bringt nichts, wenn wir auf eine knappe Entscheidung in einem Bürgerbegehren hinarbeiten“, sagte Ritzler. Für eine tragfähige Entscheidung brauche es das Gros der Einwohner. Ritzler möchte die BI bei weiteren Gesprächen nach dem zusätzlichen Gutachten am Tisch haben. Wimmer war damit einverstanden.
Indes soll das bisher schon eingebundene Ingenieurbüro Schranz das bestehende Wasserleitungsnetz untersuchen. Den Auftrag vergab der Gemeinderat einstimmig für 5000 bis 10 000 Euro. Die Arbeiten für mögliche Leitungssanierungen sollen im Sommer oder Herbst ausgeschrieben und Ende des Jahres vergeben werden. Die Arbeiten könnten in zwei Jahren nach einer Prioritätenliste für 150 000 bis 160 000 Euro über die Bühne gehen. Der Bürgermeister wies auf aktuell relativ hohe Wasserverluste hin. Insbesondere sei das Netz bei Talheim anfällig.

Gemeinde Lauterach investiert 1,5 Millionen Euro in das schnelle Internet

Breitband Für den Ausbau des Breitbands fürs schnelle Internet gibt die Gemeinde 1,5 Millionen Euro brutto aus. Der Anschluss soll von Mochental her nach Lauterach erfolgen. Dann soll die Leitung künftig nach Talheim führen, von dort nach Rechtenstein, dann wieder zurück nach Reichenstein und schließlich nach Erbstetten. Ein Förderantrag über 540 000 Euro ist bereits bewilligt, vom Ausgleichsstock kommen 70 000 Euro; der Rest wird als Darlehen finanziert, wobei die Nettosumme maßgebend ist. Bei der Ausschreibung hatten zwei Firmen Angebote mit mehr als 3,5 Millionen Euro abgegeben werden. Deshalb kam das dritte Angebot mit 1,5 Millionen Euro zum Zuge. „Baubeginn ist so bald wie möglich“, sagte Bürgermeister Ritzler, „wir wollen die Lücke zwischen Mochental und Rechtenstein schließen. Das bringt uns allerdings finanziell an die Leistungsgrenze.“
Sonnenschirme Die Sonnenschirme beim Biosphären-Infozentrum sollen nicht für 700 Euro gereinigt, sondern vom Bauhof-Mitarbeiter von Schmutz befreit werden. Die Anschaffung von über 2000 Euro war gesponsert worden, erinnerte sich der Bürgermeister.
Beurteilung Der örtliche Bauhof soll für 1800 Euro einer Gefährdungsbeurteilung unterzogen werden. „Das ist Pflicht“, betonte der Schultes. Die jährliche Fortschreibung dieser Maßnahme kostet einschließlich der Schulung des Mitarbeiters im Frühjahr und im Herbst rund 800 Euro.
Investitionsvolumen Landrat Heiner Scheffold hat die Gesetzmäßigkeit der Haushaltssatzung per Schreiben an die Gemeindeverwaltung festgestellt. Er merkte darin an, dass das Investitionsvolumen kritisch zu begleiten sei.
Kommunalwahl Für die Kommunal- und Europawahl hat der Bürgermeister den Vorsitz des Wahlausschusses inne, sein Stellvertreter ist Hubert Munding.
Komm.Pakt.Net Bei Beitritten zum Breitband-Verband Komm.Pakt.Net entscheidet künftig die Gemeindeverwaltung über die Aufnahme von neuen Mitgliedern. Dazu ermächtigte der Gemeinderat den Schultes. bur