Bilanz des Sozialfonds
: Ein Bericht, der Einblick in die Armut im Raum Ehingen gibt

Jährlich hilft der Ehinger Sozialfonds Menschen aus der Region, die in Not geraten sind. Ein Bericht zeigt, woran es den Armen inmitten einer Region des Wohlstands an Gütern mangelt. Es ist ein seltener Einblick.
Von
Martin Tröster
Ehingen
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Ehinger Weihnachtsmarkt im Schnee: Im Adventsloskalender verstecken sich viele tolle Preise.

Eine wichtige Einnahmequelle des Sozialfonds ist der Adventsloskalender. Das Bündnis von Caritas, Deutschem Roten Kreuz und  SÜDWEST PRESSE hilft Menschen, die in Not geraten und durch sämtliche Maschen des sozialen Netzes gerutscht sind.

Pressebüro Emmenlauer

Der Sozialfonds ist ein Bündnis zwischen dem Ehinger Ortsverein des Roten Kreuzes und der Caritas Ulm-Alb-Donau und der SÜDWEST PRESSE Ehingen. Zusammen mit zahlreichen Unterstützern vor allem aus der regionalen Wirtschaft und Gesellschaft sammelt der Sozialfonds Spenden für Menschen, die in Not geraten sind und die dabei durch die Maschen der staatlichen Sicherung rutschen. Die bekannteste Aktion zum Spendensammeln ist beispielsweise die Aktion „Adventsloskalender“, durch die der Sozialfonds jedes Jahr kann 14.000 Euro einnimmt – dank der Käuferinnen und Käufer, die damit Menschen konkret unterstützen. Elisabeth Waibel vom Ehinger DRK hat bei der Hauptversammlung des Ortsvereins (ein weiterer Bericht folgt) Zahlen und Daten zum abgelaufenen vorgelegt, die mehr sind als eine Zusammenstellung von nüchternen Fakten: Sie zeigen, wo Menschen am unteren Ende der Einkommensverteilung im wohlhabenden Ehingen der Schuh drückt. Es sind Zahlen, die nicht zuletzt nicht nur auf Schicksale, sondern auf Krisen dieser Zeit verweisen. Ein Einblick auf Teile der Gesellschaft, wie er selten möglich ist.

Große Sorge wegen der Energiekosten

„2023 war das Jahr, auf das wir zu Beginn mit großer Sorge wegen der erwartet hohen Energiekosten-Nachzahlungen blickten“, benennt sie den Blick der Sozialfonds-Entscheider angesichts der enorm gestiegenen Energiepreise als Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und die darauffolgenden politischen Spannungen. „Doch ganz so schlimm wurde es dann doch nicht, weil viele andere Hilfetöpfe aufgelegt wurden und der Sozialfonds erst dann hilft, wenn sonst keine Hilfe mehr greift“, sagt Waibel zur sozialpolitischen Großwetterlage in Deutschland. „Außerdem erhielten wir großartige Unterstützung“ durch große Spenden, wie Waibel betonte. Zudem würdigte Waibel  „weitere Beträge von Firmen und oft langjährigen treuen Spendern“ und vergaß auch nicht, die Käuferinnen und Käufer der 2750 Adventsloskalender zu erwähnen. „Dafür ein großes und ganz herzliches Dankeschön an all die Firmen, Organisationen und Menschen, die für ihre Mitmenschen vor Ort durch finanzielle Beiträge helfen“, sage Waibel.

Ein gutes Drittel der rund 160 Anträge betrafen die Soforthilfe zum Leben, ein kleiner Geldbetrag. „Wenn Unvorhergesehenes dazwischenkam, reichte es am Ende des Monats bzw. bis zum nächsten Geldeingang manchmal nicht mehr zum Leben – und die Inflation verstärkte dies“, erklärt Waibel. 20 Mal übernahm der Sozialfonds die Zahlung von Mietschulden, dadurch konnten in 21 Fällen die Wohnungen gehalten werden – seit die Mietpreise auch in der Region gestiegen sind, liegen solche Probleme häufiger auf dem Tisch der Sozialfonds-Entscheider. Was auch für die gestiegenen Preise für die Nebenkosten gilt: 19 Strom- und Gaszahlungen verhinderten die Abschaltung der Energie. „18 Mal waren Zuzahlungen nötig, um kranken Menschen ihre Medikamente zu ermöglichen, 11 Mal konnten wir Schuhe und dringend benötigte Kleidung ermöglichen, die nicht im Second-Hand-Shop zu bekommen war“, sagte Waibel.  Gestellt wurden die Anträge von Einrichtungen wie der Caritas, Bruderhaus-Diakonie, Integrationsmanagern, Pflegestützpunkt, DRK und Tafelladen.

Auch die Umstellung der Abfallwirtschaft war zu merken

Eine neue Situation ergab sich im vergangenen Jahr laut Waibel durch die Bescheide der Abfallwirtschaft, die im vergangen Jahr von den Kommunen auf den Kreis übergegangen war. „Die Mieter hatten die Rechnung im Frühjahr oder Sommer zu begleichen, deren Kosten früher durch die Nebenkostenabrechnung erst viel später anfiel. Und mit kleiner Rente dann 98 Euro übrig zu haben, war nicht immer möglich - zumal die Preise stiegen.“ So hatte der Sozialfonds im vergangenen Jahr mehrmals die Rechnungen des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft überwiesen. „Das Thema betrifft uns auch in diesem Jahr“, sagt Waibel.

Für Menschen in Not hat der Sozialfonds im vergangenen Jahr insgesamt rund 64.000 Euro ausgegeben, bei Einnahmen von etwa 71.000 Euro. Die Einnahmen aus dem Adventsloskalender 2023 blieben somit für das Jahr 2024 übrig. Diese Ausgaben waren auch möglich dank einiger großen Spenden. So spendete der Lionsclub Munderkingen-Ehingen 4.000 Euro, über die Firma Denkinger Logistik kam 5.000 Euro vom Crailsheimer Gabelstapler-Hersteller Hanselmann. Das Benefiz-Konzert des Liebherr-Chores in der Lindenhalle brachte satte 6.000 Euro für den guten Zweck ein. Die Aktion 100.000 der SÜDWEST PRESSE spendete in diesem Jahr für den Ehinger Sozialfonds 20.000 Euro.

Womit außerdem geholfen wird

Aus den 161 Anträgen aus dem vergangenen Jahr ergaben sich für die Betroffenen insgesamt 202 einzelne Spenden, in einigen Fällen auch zinslose Darlehen, wenn zum Beispiel ein neues Auto für ein neues Arbeitsverhältnis nötig war. Weitere konkrete Ausgaben waren für Holz und Heizölbeschaffung, Fahrtkosten zur Arbeit oder zu Beisetzungen, Nebenkostennachzahlungen, Brillen, Mietkautionen, Schulsachen, Personalausweise, Kühlschränke, Waschmaschinen, Kinderbetten oder Versicherungszahlungen. Anträge können nur von Einrichtungen wie der Caritas oder Betreuern eingereicht werden, nicht von den Betroffenen selbst.