Blaufeldener Familie in Not
: Mutter liegt mit Krebs im künstlichen Koma – jetzt hilft auch ihre Chefin

Chefin Agnes Adelmann und Kolleginnen im Johannes-Brenz-Haus setzen sich für die krebskranke Daniela Pascu und ihre Kinder ein. Freundin Irina Vizitiu hat eine GoFundMe-Aktion gestartet.
Von
Birgit Trinkle
Blaufelden
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Hilfe für Daniela Pascu. Bürgermeister Michael Dieterich, Irina Vizitiu, Zoi Kicirti und Agnes Adelmann (von links).

Sie wollen Daniela Pascu helfen. Bürgermeister Michael Dieterich, Irina Vizitiu, Zoi Kicirti und Agnes Adelmann (von links).

Birgit Trinkle
  • In Blaufelden sammelt ein Team im Johannes-Brenz-Haus Spenden für Daniela Pascu.
  • Die 47-Jährige erkrankte an Krebs im III. Stadium und liegt seit Kurzem im künstlichen Koma.
  • Eine 19-stündige Operation erfolgte, Komplikationen traten auf, die Organe versagten teilweise.
  • Familie gerät in Not, da Einkommen wegfällt und ein Hauskredit läuft – GoFundMe ist gestartet.
  • Bürgermeister Michael Dieterich und Kolleginnen zeigen Unterstützung, weitere Hilfe wird erhofft.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

An diesem kalten Vorfrühlingstag fällt ein Satz immer wieder. Gastgeberin Agnes Adelmann, Hausdirektorin im Blaufeldener Johannes-Brenz-Haus, sagt ihn, die Freundin, die Kollegin, der Bürgermeister. „Ja, das ist Daniela“, sagen sie und meinen Daniela Pascu – die Frau, die sich kümmert.

Wenn eine Familie strauchelt, schaut Daniela nach den Kindern. Wenn eine Übersetzerin gebraucht wird, ist ihr kein Weg zu lang, keine Mühe zu groß. Geld nimmt sie dafür nicht, freut sich höchstens über ein paar Blumen. Ihre Chefin, Agnes Adelmann, bescheinigt ihr „ein Riesenherz: Sie umsorgt jeden. Sie ist zuverlässig und ehrlich.“ Eine sehr geschätzte Mitarbeiterin, die immer gesund war. Bis vor einem Jahr. ​

Vernichtende Diagnose

Monatelang hatte Daniela Schmerzen. Es ist von falschen Diagnosen die Rede – und von ihrem Bauchgefühl. „Da stimmt etwas nicht“, hat sie immer wieder gesagt und auf den geschwollenen, viel zu harten Unterleib gedrückt: „Mein Bauch fühlt sich an, als ob er gleich platzt.“ Die Erkenntnis, dass die 47-jährige Wahl-Blaufeldenerin Krebs im III. Stadium hatte, kam für sie selbst nicht überraschend – vernichtend war die Diagnose dennoch. Der Tumor hatte sich in benachbarte Organe ausgebreitet.

Am 13. Februar folgte eine rund 19-stündige Operation, bei der ein und dasselbe Team nur kurze Pausen zur Erholung und Besprechung einlegte. Die Eierstöcke wurden entfernt, Gebärmutter, Blase und ein großer Teil des Dickdarms. Eine Thrombose kam hinzu. Daniela musste reanimiert werden. Die Tumore waren dann weg – doch die geschädigten Organe versagten. Magen und Dünndarm waren von Metastasen befallen, die Nieren setzten aus, Lunge und Bauch wurden punktiert, sie erlitt eine Lungenentzündung und wurde fortan über eine Magensonde ernährt.

Drückende Sorgen

Vor einer Woche lag Daniela Pascu auf der Intensivstation – bei vollem Bewusstsein, aber voller Angst und mit drückenden Sorgen. Sie konnte nicht sprechen, verständigte sich mit mühsam geschriebenen Worten: Wie peinlich es ihr sei, so viele Umstände zu machen, teilte sie mit. Dass sie ihrer kranken Mutter in Rumänien keinen Kummer machen wolle. Dass ihre Familie alles verlieren würde. Dann riss sie sich in einer Panikattacke die Schläuche aus dem Körper. Seither liegt sie im künstlichen Koma.​

Und dann ist da die Hündin

Hündin Bella, die nicht aufhört, an den Händen derer zu schnüffeln, die Daniela besucht haben, musste eine Woche nach ihrer Menschenfrau ebenfalls wegen eines Tumors operiert werden. Auch das Tier kommt überhaupt nicht damit klar, dass nichts mehr ist, wie es war.​

Auf die Frage, wie man ihr helfen kann, sagt Daniela Pascu: Bete für mich.

Auf die Frage, wie man ihr helfen kann, sagt Daniela Pascu: Bete für mich.

privat

In diesen Wochen hat sich gezeigt, was es bedeutet, wenn jemand wie Daniela Pascu selbst zur Hilfsbedürftigen wird. Ihre Schwester in Rumänien hat unbezahlten Urlaub genommen. Ihr Mann, der als Busfahrer arbeitet, ist öfter zu Hause – für die Kinder, für seine Frau. Aus zwei Einkommen wurde dabei aber weniger als eines. Der Kredit für den Kauf und die Sanierung des alten Hauses kann so nicht mehr bedient werden.

Freundlichkeit wird selten vergessen. Danielas Art, anderen ein gutes Gefühl zu vermitteln, ist nicht nur im Johannes-Brenz-Haus unvergessen. Irina Vizitiu, eine 35-jährige Freundin, erzählt, dass sie in ihrer ersten Zeit in Deutschland hilflos war – als alles noch fremd war, die Sprache ihr Angst machte und sie nicht wusste, wie sie zurechtkommen sollte. „Daniela hat mir von Anfang an mit der Sprache geholfen“, erzählt sie. „Sie gab mir Unterlagen, vermittelte mir einen Minijob in Langenburg, suchte mit mir die Schule aus und übersetzte alles.“ Diese Hilfe habe ihr die Ausbildung zur Pflegefachkraft überhaupt erst ermöglicht. „Ja, das ist Daniela“, wird eingeworfen.

Kennengelernt hatten sich die beiden auf dem Spielplatz – über die Kinder. Daraus ist eine enge Freundschaft entstanden, und nun ist es für Vizitiu selbstverständlich, für Daniela da zu sein. Sie hat mit Hilfe ihrer Familie eine GoFundMe-Aktion gestartet, um die erste Not zu überbrücken und den Kindern in dieser Situation das Daheim zu erhalten.

Allianz der Helfer

An diesem Vorfrühlingsabend sitzen bei Agnes Adelmann auch Zoi Kicirti, eine gemeinsame Kollegin, und Blaufeldens Bürgermeister Michael Dieterich. Dieterich betont, dass er nicht offiziell gekommen sei: „In der Gemeinde gibt es immer Härtefälle, Schwerstkranke und schlimme Schicksale. Die Verwaltung kann nicht überall aktiv werden.“ Aber er kennt Daniela Pascu persönlich als Kollegin seiner Frau Carina und mag sich nicht damit abfinden, dass die Familie „auch noch ihr Nest verliert“. Er ist zuversichtlich: „So wie ich die Blaufeldener kennengelernt habe, gibt es weitere Hilfsangebote.“

Auf der Costa Concordia

Die Eheleute Pascu lernten sich auf einem Kreuzfahrtschiff kennen: der Costa Concordia – die später Schlagzeilen machte, als sie von Kapitän Francesco „Hasenfuß“ Schettino an Felsen entlang gesteuert wurde und sank. Daniela, heute im Blaufel­dener Seniorenzentrum Betreuungskraft in der Alltagsbegleitung, arbeitete als Frontdeskmanagerin – Rezeptionsleiterin – an Bord; ihr Mann ist ein erfahrener Seemann.

Vor acht Jahren sind die beiden nach Blaufelden gezogen und haben sich dort eine Existenz aufgebaut. Sie haben vieles gestemmt. Mit dem Krebs haben sie nicht gerechnet.

Wer helfen will, kann das über GoFundMe und „Daniela Pascu“ tun.

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