Die Stadtmauer hält die Wärme im Ort, Tische und Stühle stehen vor den Restaurants“, schwärmt Elena Lang von Dinkelsbühls südländischem Flair im Sommer. Im Winter genießt es die 31-jährige Leiterin des Jugendhauses besonders, abends durch die beleuchteten Straßen und Gassen zu laufen. „Die Fenster sind dann liebevoll dekoriert, was der Stadt eine romantische, heimelige Atmosphäre verleiht“, sagt die im Raum Stuttgart aufgewachsene Frau, die wegen des Jobs Anfang 2021 in die Nähe von Dinkelsbühl gezogen ist.
Beim Bummeln vorbei an den Patrizier- und Fachwerkhäusern kommt Elena möglicherweise auch an dem Denkmal geschützten Altstadthäuschen aus dem Jahr 1366 vorbei, das der 33-jährige Maximilian Mattausch gekauft hat. 1989 wurde er in dem Ort geboren, studierte später Geschichte, leitet heute das Stadtarchiv und ist geschäftsführender Vorstand des Kinder- und Heimatfestes „Die Kinderzeche“. Schon sein Vater und Großvater waren bei dem Festspiel aktiv, er selbst schon als Dreijähriger der sogenannte „Lorebub“, der bei der Darbietung vom schwedischen Obristen auf das Pferd gehoben wird. „Heimatverbundenheit und ein Zusammengehörigkeitsgefühl ist in mir und in vielen Dinkelsbühlern“, sagt er. Zwei Lieblingsplätze nennt Maximilian in seinem Sehnsuchtsort. Das sei einmal der Spitalhof, der eine Oase der Ruhe bilde, auch wenn die Stadt sehr belebt ist. Der andere Ort ist das Kinderzech-Zeughaus, in dem die originalgetreuen Kostüme und die Ausstattung aus der damaligen Zeit gelagert und ausgestellt sind.
Apropos Kinderzeche: Einer Sage nach soll im Dreißigjährigen Krieg ein von der jungen Lore angeführter Zug von Kindern die Schweden um Gnade gebeten haben. Die Belagerung und Zerstörung Dinkelsbühls soll so verhindert worden sein. Das wird auch heute noch groß in Dinkelsbühl gefeiert und ist das größte traditionelle Fest im Jahr.
Eines von ganz anderem Charakter ist das Metal-Festival „Summer Breeze“, das seit 2006 in Dinkelsbühl veranstaltet wird. 45 000 Fans strömen jährlich im August in das Städtchen. Festivalchef und Gründer ist Achim Ostertag, der nach „zwei bitteren Absagen“ aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr wieder loslegen durfte. Sein persönliches Highlight dabei war der Auftritt seiner alten Band „Voodoo Kiss“ zur Eröffnung am Dienstag. „Das war ein Abenteuer, da ich seit fast 15 Jahren nicht mehr am Schlagzeug gesessen hatte.“ Natürlich sei das Festival der Hauptanziehungspunkt, aber die historische Altstadt gebe den Besuchern „ein zusätzliches Gefühl von Urlaub“, sagt er und ergänzt: „Für viele überregionalen und internationalem Gäste sind die fränkische Küche und lokale Bierspezialitäten ein besonderer Bonus“. Eine Besonderheit auf den Speisekarten ist in den Monaten mit „r“ der Dinkelsbühler Karpfen; und noch bis zum 6. November findet in diesem Jahr die Fisch-Erntewoche statt.
Dann werden die vielen Teiche, darunter auch der idyllisch gelegene Rothenburger Weiher (toller Selfie-Hotspot!), abgefischt. Und die örtliche Gastronomie verwöhnt die Gäste mit traditionellen und neuen Zubereitungsarten. Zum Essen geht Elena Lang am liebsten in die einzige Gasthausbrauerei im Ort. Besonders schön spazieren gehen kann man ihrer Meinung nach im Mutschachwald und entspannen am Aralsee. Der hat seinen Namen übrigens, weil er einst in einer Aral-Straßenkarte eingezeichnet war. Ein echtes Kuriosum in der Stadt, die laut Magazin „Focus“ mit der „schönsten Altstadt Deutschlands“ bezaubert.
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Landkreis: Ansbach
Einwohner: 12 134
Typisch Dinkelsbühl:
Altstadt mit prächtigen Patrizier- und Fachwerkhäusern, Stadtmauer, Münster St. Georg mit Brezenfenster, Knabenkapelle, Kleinstes Landestheater Deutschlands mit eigenem Ensemble
Feiern? Ja, gern!
Kinderzeche, Metal-Festival „Summer Breeze“, Lange Kulturnacht, Fisch-Erntewoche, Weihnachtsmarkt uvm.
Probier mal!
Dinkelsbühler Karpfen, Dinkelsbühler Schneckennudeln (Spezialität zur Kinderzeche)
Funfact: Die Hochzeitsszene mit Kaiser Franz in der neuen Sisi-Netflix-Serie „Die Kaiserin“ wurde im Münster St. Georg gedreht.