Nacht der Ausbildung: So lief die Ausbildungsmesse in Hall und Crailsheim
Schon in der Grundschule hören Kinder die Frage: Was willst du später einmal werden? Während sie in diesem Alter meist noch sicher sind, dass sie Tierärztin oder Polizist werden wollen, sieht das kurz vor dem Schulabschluss häufig anders aus. Es warten unzählige Berufe auf die Jugendlichen, doch welcher ist der Richtige? Um Einblicke in verschiedene Branchen zu bekommen, veranstalteten die Wirtschaftsjunioren Heilbronn–Franken (WJ) am Donnerstag die Nacht der Ausbildung in Hall und Crailsheim.
Shuttle–Busse bringen die Interessierten in drei Routen zu den Betrieben in Schwäbisch Hall. Startpunkt ist am ZOB, die Jugendlichen steigen dann einfach bei den Unternehmen aus, die sie kennenlernen wollen. „Wir haben einen sehr großen Andrang“, berichtet Jan Treffert von den Wirtschaftsjunioren nach der ersten Stunde. „Alle Busse waren bisher voll.“
An den Standorten warten unterschiedliche Angebote auf die Schülerinnen und Schüler. Was jedoch alle Unternehmen anbieten und was an diesem Tag im Fokus steht, ist der Austausch auf Augenhöhe mit jungen Mitarbeitenden. Hierfür stehen Auszubildende und duale Studierende bereit, um Fragen zu beantworten und von ihrer Arbeit zu erzählen.
Manche Firmen haben sich zudem Gewinnspiele überlegt, bei der VR–Bank Heilbronn–Schwäbisch Hall steht etwa ein Glücksrad im Foyer. Der Abend läuft gut: „Man merkt, dass das Interesse da ist“, freut sich Personalleiter Stefan Lenz. Etwas zu gewinnen gibt es auch beim Geschicklichkeitsspiel, das die Stadtverwaltung vorbereitet hat. Bei Cocktails und Snacks bietet sich zudem die Möglichkeit zum Gespräch mit den anwesenden Mitarbeitenden.
Tischkicker und Musik bei der Bausparkasse
Im Ausbildungszentrum der Bausparkasse informieren gleich drei Unternehmen über ihre Arbeit. Sie locken mit Musik, Tischkicker und Sitzsäcken, der Raum ist voll. „Wir wollen, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Zeit hier genießen“, erläutert Stefanie Klenk vom Personalmarketing der Bausparkasse. „Die Nacht der Ausbildung ist immer ganz wichtig, weil wir in direkten Kontakt mit den Jugendlichen treten können.“ HR Managerin Sandra Dietrich von der Tochterfirma Baufinex sieht das ebenfalls so: „Es kommen viele tolle Gespräche zustande.“ Eine Tochter ist auch Hall Facility Management. Laut den Personalreferentinnen Margit Wiebel und Lisa Hartmann äußern viele ihr Interesse an einem Praktikum. „Für uns ist das super, weil man uns so am besten kennenlernen kann“, meint Wiebel.
Bei Mulfinger Automobile begeistern vor allem die bereitgestellten Autos. Die Jugendlichen bekommen einen Rundgang durch Autohaus und Werkstatt. Ausbildungsverantwortlicher Mark Weidner ist „positiv überrascht“, wie er sagt. „Vor allem, weil die Schüler selber viel Interesse zeigen. Das ist echt klasse.“
Bernd Zott: „So viele Leute wie noch nie“
Bernd Zott, Betriebsratsvorsitzender bei Klafs, ist mehr als zufrieden: „Es kommen so viele Leute wie noch nie.“ Gegen 20 Uhr seien es schon mehr als 200 Schüler gewesen. Der Betrieb hat einen Stationenlauf durch zwei Etagen vorbereitet: An sieben Stopps lernen die Jugendlichen Berufe wie Holzmechaniker, Fachlagerist oder technischer Produktdesigner kennen.
„Die Sitze zum Ausprobieren sind echt cool“, findet der 15–jährige Arne Mulfinger, der sich die Firma Recaro anschaut. Auch sein Kumpel Caspar Hecht ist beeindruckt: „Die Vorstellung ist auf jeden Fall professionell gemacht.“ Es geht durch die große Halle, auch die Arbeit an der CNC–Fräsmaschine wird präsentiert.
Die Stimmung unter den Jugendlichen ist eindeutig: „Es ist gut, dass es das Angebot gibt“, findet etwa Demian Smago. „Ich fand den Abend echt gut“, sagt auch der 15–jährige David Koch. Nach Hause kommen sie am späten Abend mit unzähligen Werbegeschenken, bunten Ballons und Flyern — und vermutlich mit vielen neuen Ideen für ihre berufliche Zukunft.
Viele freie Stellen auch in Crailsheim
Die Dämmerung setzt bereits ein, als Claudia Kilian einen frischen Schwung Schülerinnen und Schüler im Crailsheimer Klinikum begrüßt. Unter dem Motto „Hop On — Hop Off“ machen Busse am Donnerstagabend an insgesamt 16 verschiedenen Unternehmen in Crailsheim halt. Für die Pflegedienstleiterin eine gute Möglichkeit, Jugendlichen ihren Beruf genauer vorzustellen. Das Klinikum nimmt heuer erstmals an der Ausbildungsmesse der Wirtschaftsjunioren Heilbronn–Franken teil und bietet vier Führungen an. So erhalten angehende Berufseinsteiger Einblicke in Normal– und Intensivstation, Herz–Katheter–Labor und Medizinisches Versorgungszentrum.
Crailsheimer Krankenhaus zufrieden mit der Nachfrage
Auf der Intensivstation etwa können die Schüler einmal selbst ihren Blutdruck messen, im MVZ erklärt Gesundheits– und Krankenpflegerin Julia Morawietz, wie genau eine Hirnstrommessung funktioniert. „Wir haben großes Interesse an Auszubildenden, die unseren Beruf weiter voranbringen“, sagt Daniela Bär, Pflegekoordinatorin im Crailsheimer Krankenhaus. Sie sei positiv überrascht, wie groß die Nachfrage von Interessierten ausfalle. Aktuell zählt das Klinikum 37 Azubis, „da ist aber noch Platz nach oben“. Während der Ausbildung erhalten die Lehrlinge Einblicke in verschiedene Bereiche wie die ambulante Pflege oder Notaufnahme. Neben Ausbildungs– und Studienplätzen bietet das Klinikum auch Bundesfreiwilligendienste an.
So auch die Crailsheimer Stadtverwaltung. Hier empfangen überwiegend Auszubildende und Studenten selbst Interessierte. „Unser Beruf ist sehr vielseitig. In der Ausbildung sieht man alle Facetten des Rathauses“, erklärt Maike Földesi. So arbeitet man etwa in den Bereichen Digitales und Kommunen, Finanzen oder Volksfest–Planung. „Zur Stadtverwaltung gehören aber auch die Kindertagesstätten“, merkt die Auszubildende an. Bereits seit mehreren Jahren ist die Stadt Crailsheim fester Bestandteil der Nacht der Ausbildung und erhofft sich dadurch Kontakt zu potenziellen Auszubildenden und Studierenden. Vier Ausbildungsplätze werden jährlich angeboten — je zwei im Büro und der Verwaltung.
Freie Kapazitäten bei Leonhard Weiss
Die dritte Busroute führt am Bauunternehmen Leonhard Weiss in Satteldorf vorbei. Dort wartet auf die Besucher neben Infoständen auch ein Geschicklichkeitsspiel mit dem Bagger — das hörbar gut ankommt. Im Gegensatz zu den vergangenen Corona–Jahren sei die Nachfrage nach Ausbildungen und Praktika in diesem Jahr wieder deutlich größer. „Es kamen mehr, als erwartet“, so Ausbildungsreferentin Kerstin Pilz. Insgesamt rund 140 Leute habe sie gezählt.
Der Schwerpunkt liege aktuell auf kaufmännischen Berufen, dabei wünsche sich das Unternehmen besonders im gewerblichen Bereich Zuwachs: „Da suchen wir händeringend Auszubildende, der Bau boomt.“ Deshalb nehme man auch in diesem Jahr an der Crailsheimer Nacht der Ausbildung teil. Diese sei allerdings nur eine von insgesamt über 40 Ausbildungsmessen, an denen Leonhard Weiss heuer vertreten ist. „Das sind sehr wichtige Veranstaltungen für uns“, sagt Pilz. Jeder Dritte habe am Donnerstag nach einem Praktikum oder einer Ausbildung gefragt.



