Muswiese 2025: Ein Schmerz und ein Trost: Wir leben nicht ewig, aber vorher ist Muswiese


Wenn die Muswiese ruft, kommen die Hohenloher – mindestens seit 1434.
Ufuk ArslanDas tut jetzt kurz weh, liebe Leserinnen und Leser, aber es muss sein. Und der Trost folgt auf dem Fuß. Versprochen. Also, zunächst zum Schmerz: Auch im Jahre des Herrn 2125 wird es mit großer Wahrscheinlichkeit eine Muswiese geben, aber mit absoluter Sicherheit wird sie keiner von uns besuchen. Wir sind dann nämlich nicht mehr da, und würde einer der unseren aus unerfindlichen Gründen vom Himmel zurück in eine Musdorfer Budengasse purzeln, bekäme er rund um die Michaelskirche kein einziges freudiges „Sou, bisch ah a weng doa!?“ zu hören. Er wäre ein Fremder unter Fremden.
Wir sind halt nur zu Gast auf Erden und auf der Muswiese. Dieser Jahrmarkt ist älter und größer und zeitloser als wir. So viele, die seit 1434 in Musdorf gelebt, geliebt, gefeiert, gebummelt, gekauft, gelacht, genossen und geschwätzt haben, sind lange vergessen.
Es wäre nicht ohne die Vergessenen gegangen
Und doch, jetzt kommt der Trost: Es wäre nicht ohne diese Vergessenen gegangen. Es ginge nicht ohne uns. Wir brauchen die Muswiese, aber die Muswiese braucht uns auch. Es waren Menschen, Gribbl, Händler, Schausteller, Besucher, Marktmeister, Bauern, Knechte, Mägde, Bürgermeister, Artisten, Musiker, die die Energie dieses wahrsten aller Volksfeste von Generation zu Generation durch die Jahrhunderte getragen haben. Jede aufrichtige Freude an der Muswiese, jedes Hinfiebern und Dabeisein, jeder Geldschein, den die Oma dem Enkele fürs Karussellfahren zusteckt, jeder lange Einkaufszettel, der übers Jahr hinweg für den Oktober geschrieben wird, ist ein Funke, der das Muswiesen-Leuchtfeuer weiterbrennen lässt. Und wir alle sind die Fackelträger. Ist das nicht ganz wunderbar?
In diesem Sinne: Lassen wir die Funken sprühen – im Gewerbezelt und in den Wirtschaften, an den Ständen und zwischen den Landmaschinen, mit einem Kaffee oder einem Likörle in der Hand, im Krautdampf und im Nieselregen, beim Jungvieh und am Karussell, auf der Bierbank, über dem Kuttelteller – und auf jeden Fall immer unter Freunden.

