Neue Vorgaben des Landes, hohe Kosten für Kommunen: Das Element Phosphor und Phosphate, Salze der Phosphorsäure, sollen stärker aus dem Wasser gefiltert werden – so will es das baden-württembergische Umweltministerium. Umsetzen müssen das auch Gemeinden und Städte, denn: Kläranlagen gelten als Hauptverursacher für die hohe Phosphor-Belastung (siehe Info). Alleine im Landkreis Schwäbisch Hall müssen 45 Kläranlagen nachgerüstet werden. Gleich zwei davon stehen in Frankenhardt.

Zwei Stationen nötig

Bislang waren in den Kläranlagen in Gründelhardt und Honhardt 6 beziehungsweise 5 Milligramm Phosphateintrag pro Liter im Jahresmittel erlaubt. Künftig sind es nur noch 0,5 Milligramm, erklärte Frankenhardts Bürgermeister Jörg Schmidt während der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Deshalb müssen nun sogenannte Phosphatfällstationen installiert werden. Geschätzte Kosten laut Sebastian Bernhard vom Ingenieurbüro RBS Wave, der das Projekt vorstellte: rund 550.000 Euro. Davon entfallen 275.000 Euro auf die Nachrüstung der Kläranlage in Gründelhardt, 280.000 Euro auf die in Honhardt. Die Stationen bestehen unter anderem aus einem Kunststofftank, einer Dosierstation und einer Steuerungseinheit, so Bernhard.
Wie sie funktionieren, kann Thomas Stahl, einer der beiden Frankenhardter Klärwärter, erklären: Vereinfacht gesagt wird dem Abwasser ein Mittel hinzugefügt, beispielsweise Eisenchlorid. Dieses wandelt gelöste Phosphate in ungelöste um. Als Feststoff können die Phosphate nun über den Klärschlamm entsorgt werden.
Eine große Wahl bei der Nachrüstung habe man eigentlich nicht, so Jörg Schmidt – die müsse spätestens bis Ende des Jahres 2024 gemacht werden. Er sei froh, dass Frankenhardt als eine der ersten Gemeinden eine Bewilligung über eine 80-Prozent-Förderung des Landes erhalten habe – denn wer weiß, wie lange es die noch gebe.
An die Förderungen sind aber Auflagen geknüpft: So müssen die Arbeiten für die neuen Stationen bis Ende diesen Jahres vergeben und spätestens am 1. Oktober 2021 beendet sein.
Gemeinderat Jürgen Schumann (Freie Wähler) wollte wissen, ob die Entsorgung des Klärschlamms durch den höheren Phosphorgehalt teurer werde. Das sei nicht der Fall, so Bernhard. Allerdings steigen die Kosten für die Entsorgung generell – unter anderem, weil der Schlamm im landwirtschaftlichen Bereich nicht mehr verwertet werden kann.
Genau in die entgegengesetzte Richtung zielte die Frage von Frauke Windsheimer (Freie Wähler): Phosphor habe ja einen gewissen Wert. Könne man diesen nicht weiterverkaufen, wenn er herausgefiltert würde? Auch das verneinte Bernhard. Bei Kläranlagen dieser Größenordnung sei dies schlicht nicht wirtschaftlich.
Letztlich stimmte der Frankenhardter Gemeinderat dem Bau der Stationen und der Ausschreibung der Arbeiten einstimmig zu. Das Ingenieurbüro RBS Wave wurde weiterhin mit dem Projekt beauftragt.
Wilhelm-Sandberger-Schule in Honhardt Spatenstich für ein Zukunftsprojekt

Frankenhardt

Woher Phosphor kommt und was es bewirkt

Lange war man davon ausgegangen, dass die Landwirtschaft Hauptverursacher der Phosphor-Belastung in Gewässern ist. Neuere Studien kommen aber zu dem Schluss, dass Kläranlagen einen großen Anteil daran haben. Zu viel Phosphor in Gewässern führt zu einem verstärkten Wachstum von Pflanzen und Algen. So können Badegewässer an Qualität verlieren. luc