„Hier sind wir zu Hause“ in Blaufelden
: Rita Anklam schenkt den Senioren Glücksmomente

Ehrenamtliche und FSJler stärken die Gemeinschaft im Johannes-Brenz-Haus. Hausdirektorin Agnes Adelmann sagt, was wichtig ist.
Von
Birgit Trinkle
Blaufelden
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Rita Anklam kümmert sich ehrenamtlich um die Bewohnerinnen des Johannes-Brenz-Hauses. Agnes Adelmann, Hausdirektion im Johannes-Brenz-Haus, Ostlandstraße in Blaufelden, schätzt dieses Engagement sehr.

Rita Anklam kümmert sich ehrenamtlich um die Bewohnerinnen des Johannes-Brenz-Hauses. Hausdirektorin Agnes Adelmann schätzt dieses Engagement sehr.

Birgit Trinkle
  • Rita Anklam engagiert sich ehrenamtlich im Johannes-Brenz-Haus in Blaufelden und schenkt Senioren Freude.
  • Musik und gemeinsames Singen stärken die Gemeinschaft; 139 Lieder stehen im Mittelpunkt der Treffen.
  • Corona erschwerte Kontakte, doch Anklam blieb aktiv; ihre Mutter lebte dort bis 2017 glücklich.
  • FSJler und Ehrenamtliche fördern eine lebendige Hausgemeinschaft.
  • Bürgermeister betont den Respekt für Senioren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Frau, die Klavier spielt, die mit den Seniorinnen und Senioren im Johannes-Brenz-Haus singt, spielt und lacht, ist ein Schatz. Das strahlt sie aus, das sagt auch Hausdirektorin Agnes Adelmann über die Ehrenamtliche, die die Bewohner alle zwei Wochen einen Vormittag lang unterhält. Die ihnen das Gefühl gibt, wahr- und vor allem ernst genommen zu werden, und zwar nicht in einer Pflichtübung. Rita Anklam ist von einer ansteckenden Fröhlichkeit; sie hat selbst Spaß an ihrem Programm.

„Dem will er seine Wunder weisen, in Berg und Wald und Strom und Feld.“ Als sie diese Eichendorff-Zeile rezitiert, legt sich ein halbes Dutzend Stirne in Denkfalten. Wie nur dieses Lied heißt? „Wem“, gibt Anklam schließlich eine kleine Hilfestellung, und die anderen fallen erleichtert ein, „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“.

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Das Wandern ist Thema; gemeinsam werden Wanderlieder gesungen, bis das Singen allmählich ins Erzählen übergeht. Von früheren Wanderungen ist da die Rede, von den Bergen, die man gesehen und geliebt hat, von Erinnerungen, die bleiben, auch wenn Alltagserfahrungen nur noch selten abgerufen werden können. Gemeinsamer Nenner der Vormittage sind 139 Lieder, die die evangelische Heimstiftung im Liederbuch „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder“ zusammengetragen hat. Mal sind’s Frühlingslieder, die ausgewählt werden, dann wieder Seemanns- oder Abschiedstitel oder altbekannte Schlager und Evergreens.

Nur ein Lied findet sich nicht in der Sammlung, Rita Anklams Erkennungsmelodie, die immer zu Beginn und zum Abschluss mit abgeändertem Text zu den Klängen von „Mein Vater war ein Wandersmann“, erklingt. „Wir kommen alle heute her, und sammeln Freud und Mut, die Lieder, die bewegen sehr, denn singen tut uns gut“, wird am Anfang gesungen, „falleri, fallera“.

Dass die Bewohner gerne singen, ist für alle klar zu erkennen. „Besonders schön finde ich es, wenn Bewohner, die scheinbar gar nicht dabei sind, die nicht mehr singen können, dann doch mit den Füßen wippen, in die Hände klatschen oder zumindest ein Lächeln auf dem Gesicht haben“, sagt Rita Anklam. Am morgigen Mittwoch ist sie mit dem Thema „Sommer und Sonne“ zu Gast im Johannes-Brenz-Haus; Sonnenhut, Fächer und Sonnencreme liegen bereits parat. Rita Anklam, 70 Jahre alt, geborene Gmünderin, war seit 1981 Lehrerin in der Blaufeldener Erich-Kästner-Schule. Sie hat nicht nur Musik studiert, Musik war und ist aus ihrem Leben nicht wegzudenken. Auch mit den Kindern hat sie jeden Tag ein Lied gesungen. „Ich bin immer gern in die Schule gegangen“, sagt sie. So wie sie heute gerne ins Johannes-Brenz-Haus geht. Im Herbst 2017 hat ihre damals 91 Jahre alte Mutter – der allmählich alle Freunde wegstarben, wie sie sagte – von sich aus beschlossen, in eine Senioreneinrichtung umzuziehen. Die Wahl fiel aufs Johannes-Brenz-Haus und Rita Anklam sagt, dass ihre Mutter sich dort wohlgefühlt hat und „regelrecht aufgeblüht“ sei: „Sie war wieder gesellig, hat mit anderen Bewohnern Karten gespielt, vormittags an den Aktivitäten teilgenommen, hat gebacken, gesungen.“

Rita Anklam kümmert sich ehrenamtlich um die Bewohnerinnen des Johannes-Brenz-Hauses. Agnes Adelmann, Hausdirektion im Johannes-Brenz-Haus, Ostlandstraße in Blaufelden, schätzt dieses Engagement sehr.

Rita Anklam kümmert sich ehrenamtlich um die Bewohnerinnen des Johannes-Brenz-Hauses. Agnes Adelmann, Hausdirektion im Johannes-Brenz-Haus, Ostlandstraße in Blaufelden, schätzt dieses Engagement sehr.

Birgit Trinkle

Corona und die Folgen

Dann kam Corona. In der Anfangszeit, als noch niemand geimpft war, waren die Einschnitte bekanntermaßen drastisch. Rita Anklam, mittlerweile Heimbeirätin, stand – wie viele andere auch – täglich mit dem Handy in der Hand vor dem Fenster ihrer Mutter, um mit Blickkontakt zu telefonieren. Ein Ersatz für eine richtige Begegnung war das natürlich nicht. „Ich wusste aber immer: Meine Mutter war gut aufgehoben“, sagt Rita Anklam.

Auch nach dem Tod ihrer Mutter blieb sie dem Haus verbunden. Viele Gesichter dort sind ihr noch von früher bekannt – aus ihrer Zeit als Lehrerin im Ort. Als sie anbot, mit den Bewohnern zu singen, wurde das mit großer Freude angenommen.

Hausdirektorin Agnes Adelmann sagt, die Folgen der Corona-Pandemie seien leider noch lange nicht überwunden. Umso wichtiger, betont sie, seien solche Angebote. Sie dankt auch Bürgermeister Michael Dieterich, der regelmäßig zu Gast ist – unter anderem, wenn es darum geht, Jubilaren zu gratulieren.

Von entscheidender Bedeutung sind für sie die FSJler – also die jungen Menschen, die dem Haus ihr Freiwilliges Soziales Jahr schenken. Sie sind im Tagesbetrieb nicht fest verplant und können dem seit 2017 umgesetzten Prinzip der Wohngemeinschaften Leben einhauchen. „Satt und sauber reicht nicht. Wenn das jemand will, muss auch die Seele betreut werden können“, sagt Agnes Adelmann.

Die ökumenischen Gottesdienste im Haus oder im Garten sind öffentlich. Einkaufstouren und Spaziergänge werden organisiert. Auch bei Ausflügen konzentriert sich die Hausgemeinschaft mittlerweile überwiegend auf nahe Ziele – etwa auf Gemeindefeste –, um das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu stärken: „Unsere Senioren waren und sind ein Teil der Gemeinde.“

Rita Anklam kümmert sich ehrenamtlich um die Bewohnerinnen des Johannes-Brenz-Hauses. Agnes Adelmann, Hausdirektion im Johannes-Brenz-Haus, Ostlandstraße in Blaufelden, schätzt dieses Engagement sehr.

Rita Anklam kümmert sich ehrenamtlich um die Bewohnerinnen des Johannes-Brenz-Hauses. Agnes Adelmann, Hausdirektion im Johannes-Brenz-Haus, Ostlandstraße in Blaufelden, schätzt dieses Engagement sehr.

Birgit Trinkle

Was der Bürgermeister sagt

Bürgermeister Michael Dieterich sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Senioren der Gegenwart die Grundlage dessen gelegt haben, was Blaufelden heute ausmacht. „Sie verdienen genauso viel Achtung und Respekt wie die Kinder, die Jugendlichen und unsere Generation“, so Dieterich – und das nicht nur, weil sie „ihr Leben lang geschafft“ und „Blaufelden aufgebaut“ hätten. „Es ist mir ein persönliches Anliegen, alle mitzunehmen.“