„Hier sind wir zu Hause“ in Blaufelden: Kinder leiden unter Therapie-Engpässen

Monika Hotel-Kosmalla und Isabell Mager stellen die Schulsozialarbeit im Schulzentrum Blaufelden vor.
Birgit Trinkle- In Blaufelden gibt es seit Mai eine zweite Schulsozialarbeiterin.
- Kinder leiden unter sozialen Ängsten, Therapieplätze fehlen oft über ein Jahr.
- Medieninhalte und familiäre Belastungen belasten Grundschüler, spielerische Ansätze helfen.
- Präventionsprojekte wie „Klarsicht“ fördern Aufklärung über Suchtgefahren.
- Gemeinde stärkt Schulsozialarbeit, Bürgermeister investiert in Prävention.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Isabell Mager und Monika Hotel-Kosmalla mögen Kinder. Das mag im Beruf der Schulsozialarbeiterin naheliegen – selbstverständlich ist es dennoch nicht. Aber es hilft enorm. „In jedem jungen Menschen gibt es einen Schatz“ – dieser Satz bedeutet Isabell Mager viel. Sie versteht sich selbst als Schatzsucherin. Manchmal müsse man lange graben, manchmal sei der Schatz tief vergraben: „Aber jeder junge Mensch hat Talente und Besonderheiten. Sie zu entdecken, ist sinnstiftend.“
Die Zielgruppen der beiden sind sehr unterschiedlich, ebenso wie die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert werden. Dennoch gibt es auch hier Überschneidungen. Beide sehen Entwicklungen, die ihnen Sorgen bereiten – zum Beispiel die Nachwirkungen der Corona-Pandemie. Besonders Kinder sind davon stark betroffen, darüber sind sich die beiden Fachfrauen einig. So seien soziale Ängste deutlich ausgeprägter als früher. Wer sich früher in Gruppen mit mehr als acht Personen unwohl fühlte, musste dies in der Schule überwinden. Heute haben viele Kinder Angst, sich zu äußern – aus Furcht, ausgelacht zu werden. Mit solchen Situationen waren sie lange nicht konfrontiert.
Zwei große Anliegen
Beide beklagen insbesondere, dass „der Unterstützungsbedarf vom Hilfesystem seit Langem nicht mehr gedeckt“ werden könne – „nicht bei Wartezeiten von über einem Jahr für einen Termin in der Psychotherapie“. In manchen Praxen herrscht bereits ein Aufnahmestopp. Beim Pressegespräch berichten sie von Fällen, in denen es „im ganzen Landkreis keinen Diagnosetermin“ gegeben habe. Die Schulpflicht gilt trotzdem. „Wenn sich keine Therapeuten finden, setzt das uns in die Pflicht, die betroffenen Kinder und Jugendlichen dennoch zu unterstützen“, sagt Isabell Mager. Über die AWO könne zumindest kurzfristig Beratung, sprich niedrigschwelligere, nicht-therapeutische Unterstützung organisiert werden. „Das brennt uns auf dem Herzen: Kinder und Jugendliche haben ein effizientes Hilfesystem verdient.“ Diese Entwicklung steuere gesamtgesellschaftlich auf eine Katastrophe zu, warnt auch Monika Hotel-Kosmalla: „Kinder werden nicht von alleine gesund.“ Sie berichtet von Neurodivergenzen – also Abweichungen in der Gehirnfunktion und Informationsverarbeitung –, die unbehandelt in Form von ADHS, Autismus, posttraumatischer Belastungsstörung oder Depression ins Erwachsenenalter mitgenommen werden können – mit potenziell lebensbedrohlichen Folgen. Ein weiteres großes Thema, das beiden Sorgen bereitet: „krasse Medieninhalte“. Kindern werde der Zugang zu Bildern und Videos ermöglicht, „die sie nie wieder aus dem Kopf bekommen“. Verbunden damit sind zum Teil vollkommen unrealistische Vorstellungen von erster Liebe und Sexualität.
Schulsozialarbeit in Blaufelden
Isabell Mager betreut im Schulsozialzentrum Blaufelden die Klassen 5 bis 10. Zuvor war sie als Jugendreferentin bei der AWO tätig. Die Entscheidung für ein Fernstudium in „Sozialer Arbeit“ und den Schuldienst traf sie, weil sie dort alle Kinder und Jugendlichen erreichen kann: „Da sind alle.“
In der Schule begegnet die 43-Jährige – wie sie sagt – nahezu allen jungen Menschen mit Unterstützungsbedarf, unabhängig davon, ob sie von ihrer Familie aufgefangen werden oder nicht.
Schon als Teenager leitete Isabell Mager ehrenamtlich einen Chor und nahm gern an Freizeiten teil. Die Inhalte und Werte, die sie dort vermittelt bekam, fließen bis heute in ihre Arbeit ein.
Monika Hotel-Kosmalla, 45 Jahre alt, hat ebenfalls Soziale Arbeit studiert und zunächst im Bereich der beruflichen Bildung gearbeitet, wo sie versuchte, junge Menschen in Ausbildung und Arbeit zu bringen. Anschließend war sie vier Jahre lang in der sozialpädagogischen Familienhilfe des Landkreises Schwäbisch Hall tätig. Seit Mai dieses Jahres verstärkt sie als zweite Schulsozialarbeiterin mit einer 50-Prozent-Stelle das Blaufeldener Team.
Ihr Schwerpunkt liegt bei den Grundschulkindern.
„Das ist ein ganz anderer Fachbereich – Kinder in dem Alter denken anders“, erklärt sie.
Die Themen seien ähnlich – insbesondere Ausgrenzung und familiäre Belastungen –, doch sie erforderten andere Methoden. So sage etwa ein Viertklässler „zwischen Tür und Angel“, dass sich die Eltern scheiden lassen. „Was wirklich belastet, kommt oft ganz unerwartet – und zu einem anderen Zeitpunkt.“ Auch der spielerische Zugang sei entscheidend. Wäre die Zeitungsfrau in der Grundschule, erfährt sie, würden längst Schleichtiere auf dem Tisch liegen.
Lob für die Gemeinde
Den gegenseitigen Austausch schätzen beide Fachfrauen sehr. Sie verfolgen dabei eigene Ansätze, die nicht immer mit den Vorstellungen der Lehrkräfte am Schulzentrum Blaufelden übereinstimmen.
Mager: „Wenn sie nach durchzockter Nacht zu müde sind, biete ich ihnen an, ein bisschen zu schlafen. Das machen sie nie, aber die Option ist da.“
Dass die Gemeinde Blaufelden den Bedarf erkannt und die Schulsozialarbeit von einer 75-Prozent-Stelle auf zwei halbe Stellen aufgestockt hat – und das in kommunalpolitisch schwierigen Zeiten –, rechnen sie dem Gemeinderat und der Verwaltung hoch an. Besonders Bürgermeister Michael Dieterich sei es wichtig, in Prävention zu investieren.
Isabell Mager etwa engagiert sich stark in der Suchtprävention. Gemeinsam mit der Suchthilfe des Landkreises hat sie das Projekt „Klarsicht“ begleitet, in dem sich Achtklässler interaktiv und altersgerecht mit den Risiken und Suchtpotenzialen von Alkohol und Tabak auseinandersetzen. Für sie ist klar: Prävention funktioniert am besten, wenn sich junge Menschen ehrlich und aktiv mit den Folgen ihres Handelns auseinandersetzen – und genau das ermöglicht ihr Ansatz.
Auch die Kollegien des Schulzentrums werden von den beiden Schulsozialarbeiterinnen sehr geschätzt. Sie ermöglichen jederzeit eine Freistellung vom Unterricht: „Die Mathelehrer wissen, dass ihr Fach wichtig ist – aber dass es auch andere, ebenso wichtige Dinge im Leben der Schüler gibt.“
Und nicht zuletzt ist es Isabell Mager und Monika Hotel-Kosmalla trotz aller Sorgen, Probleme, Defizite und Fehlentwicklungen wichtig, die Erziehungsarbeit und Fürsorge der meisten Eltern wertzuschätzen: „Die Eltern machen einen tollen Job“, so die beiden.: Selbst in schwierigen Fällen finde sich fast immer ein Ansatzpunkt: „Sie wollen das Beste für ihre Kinder.“
Leser bewerten die Gemeinde Blaufelden
Leserbefragung: Beteiligen Sie sich aktiv an der Aktion „Hier sind wir zu Hause“ und bewerten Sie die Gemeinde Blaufelden auf dem Frage-Coupon im Hohenloher Tagblatt oder online. Geben Sie Ihrer Gemeinde Schulnoten von 1 bis 6: Wie lebenswert ist Blaufelden? Wie sind die medizinische Versorgung, die Situation an den Schulen und Kindergärten, das kulturelle Angebot? Sind Sie zufrieden mit der Verkehrssituation? Hier können Sie auch eine Frage vorschlagen, die wir Ihrem Bürgermeister stellen sollen.
Verzehrgutschein: Auf dem Flyer im Hohenloher Tagblatt finden Sie nicht nur den Frage-Coupon, sondern auch einen Verzehrgutschein: Bitte ausschneiden, zum Leserfest in Blaufelden am Dienstag, 1. Juli 2025, um 18 Uhr auf dem Hindenburgplatz, mitbringen und von vergünstigten Preisen profitieren.

Monika Hotel-Kosmalla und Isabell Mager stellen die Schulsozialarbeit im Schulzentrum Blaufelden vor.
Birgit Trinkle