Es hatte sich schon lange abgezeichnet, jetzt ist es offiziell: Das Fränkische Volksfest in Crailsheim kann 2020 nicht stattfinden. Damit gerechnet hatte die Stadtverwaltung zwar schon, den endgültigen Schlussstrich konnte sie aber erst am Mittwochabend ziehen - mit dem Beschluss der Länderchefs zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, keine Großveranstaltungen bis Ende Oktober 2020 zuzulassen. Unter dieses Verbot fällt freilich nicht nur das Volksfest sondern auch die Sichelhenket und der Hammeltanz. Das Lichterfest in Goldbach war schon kürzlich abgesagt worden.
Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer bedauerte die Absage der Veranstaltungen: „Nach den vielen Wochen des Verzichts und der Einschränkungen ist die Sehnsucht nach diesen für uns Horaffen liebgewonnenen Traditionsfesten wohl größer denn je.“ Dennoch betonte er, dass die Entscheidung alternativlos war. So könnten die notwendigen Abstände bei diesen Festen nicht sichergestellt werden, auch die Nachverfolgung möglicher Infektionsketten sei nahezu unmöglich.

Rot am See

Bürger zeigen Trauer, aber auch Verständnis für die Absage des Volksfestes

Im Netz sorgte die Absage der Veranstaltungen, insbesondere des Volksfestes, zwar für Enttäuschung, wie die Organisatoren hatten aber auch die Besucher schon damit gerechnet. „Auf die Ankündigung hab ich ehrlich gesagt schon vor Wochen gewartet“, schrieb eine Bürgerin auf Facebook zur Mitteilung der Stadtverwaltung. „Eine klare und wohl notwendige Entscheidung, die zu erwarten war“, kommentierten die Veranstalter des Volksfeststadls. „Für unser Team und uns ist dies eine traurige Nachricht.“
Auch viele andere Nutzer drückten ihre Trauer aus, neben dem Schmerz zeigten die meisten Kommentatoren aber auch Verständnis für die Entscheidung der Stadtverwaltung sowie für das verlängerte Verbot von Großveranstaltungen. „Sehr schade, dass unser Volksfest dieses Jahr nicht stattfinden kann. Aber Sicherheit geht vor! Ich hoffe sehr, dass wir nächstes Jahr wieder feiern können“, fasste eine FB-Nutzerin die Meinung vieler anderer zusammen. Manche gingen gar einen Schritt weiter und schlugen vor, beim nächsten Volksfest für den diesjährigen Ausfall zu kompensieren: „Dafür nächstes Jahr bitte mindestens zehn Tage Volksfest!“

Bürger sorgen sich um die Schausteller

Ein findiger Nutzer fragte zudem, ob es am Volksfestmontag dieses Jahr trotzdem schulfrei geben würde - worauf die Stadtverwaltung noch keine richtige Antwort wusste: „Nachdem am Wochenende keiner feiern geht, könnte man am Montag auch die Schule besuchen. Tatsächlich sind solche Details jedoch noch nicht geklärt.“
Dass der Wegfall der Veranstaltung ihnen zumindest Geld sparen wird, bezeichneten manche Kommentatoren zähneknirschend als positive Nachricht und vergaßen auch nicht, wen die Absage der Volksfeste im Land in Wirklichkeit am meisten treffen wird: die Schausteller, die bereits in den vergangenen Monaten stark von Corona gebeutelt worden sind. „Die armen Schausteller, die so ihren Lebensunterhalt verdienen, haben es gerade echt nicht leicht“, schrieb eine Nutzerin. „Viele sind an ihrem Existenzminimum angekommen.“ Eine andere Nutzerin pflichtete ihr bei: „Ich hoffe, dass die Schausteller vom Staat unterstützt werden!“