Hotspot Crailsheim: Was tun gegen Corona? OB Grimmer spricht sich für Tübinger Weg aus

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (links) hat zusammen mit seiner Stadtverwaltung im Kampf gegen Corona den Schutz von Risikogruppen intensiviert. Crailsheims Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer (rechts) kann sich dies auch für Crailsheim vorstellen.
dpa/Stadtverwaltung CrailsheimDie Corona-Lage in Crailsheim ist ernst. Mit wenigen Ausnahmen steigt die Infektionszahl seit Wochen kontinuierlich, in den vergangenen Tagen besonders stark. Mittlerweile hat die Kreisstadt bei der 7-Tage-Inzidenz die 300er-Schwelle übertreten. Was kann getan werden? Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer hat sich am Donnerstag auf Facebook an einer Analyse versucht. „Es stimmt, dass der Teil-Lockdown nicht den durchschlagenden Erfolg zeigt, den sich die Politik erhofft hat“, schreibt Grimmer. „Aber wer kann sagen, wo wir stehen würden und wie die Zahlen wären, wenn Kanzlerin Merkel und die Länderchefs nicht so reagiert hätten?“
Wie die Stadtverwaltung zu härteren Maßnahmen, wie beispielsweise einer Ausgangssperre, steht, hat sie bereits bekannt gegeben. In seinem Facebook-Post bringt der Oberbürgermeister nun aber noch eine in den vergangenen Tagen häufig genannte Alternative ins Gespräch: das Modell, das seit einiger Zeit in Tübingen praktiziert wird und sich besonders auf Schutzmaßnahmen für Corona-Risikogruppen konzentriert. Diese beinhalten unter anderem Schnelltests für soziale Einrichtungen, bestimmte Zeitfenster für Einkäufe oder kostenlose FFP2-Masken für Menschen über 65 Jahre.
Oberbürgermeister hätte sich mehr Unterstützung der Landesregierung für den Tübinger Weg gewünscht
Tübingen scheint damit verhältnismäßig gut zu fahren - und hat damit die Blicke vieler anderer Städte und Gemeinden auf sich gezogen. „Ja, vielleicht hätten wir in Crailsheim früher diesem Vorbild folgen sollen“, meint Grimmer. Doch er betont: „Es bedeutet nicht, andere Gruppen nicht zu schützen oder dass Personen, die sich keiner Risikogruppe zurechnen, sich uneingeschränkt bewegen können. Sondern es soll diejenigen beschützen, die oft auch gerade erst durch andere unbeabsichtigt gefährdet werden.“
Als eine der Maßnahmen in diese Richtung appelliert die Stadtverwaltung an jüngere Bürger, zwischen 8 und 12 Uhr auf Einkäufe zu verzichten, um Menschen in diesem Zeitkorridor wiederum zu ermöglichen, ohne größeres Gedränge einkaufen zu gehen.
Der Oberbürgermeister beklagt, dass das Modell des Tübinger OB’s Boris Palmer bei der baden-württembergischen Landesregierung lange kein Gehör gefunden habe sowie Schnelltests für Alten- und Pflegeheime sowie FFP2-Masken für Risikogruppen zu lange auf sich hätten warten lassen bzw. nach wie vor auf sich warten ließen.
Crailsheim ist nicht die einzige Kommune im Kreis Schwäbisch Hall, die aktuell als Corona-Hotspot gilt. Die höchste 7-Tages-Inzidenz hat momentan Oberrot (über 500), zudem liegen Kreßberg, Stimpfach und Wallhausen jeweils über 200. Die Inzidenz des gesamten Landkreises liegt bei 133,2.
In Tübingen ist die Infektionszahl seit einiger Zeit kontinuierlich zurückgegangen, stieg jüngst aber wieder an - zuletzt wurden in einem Pflegeheim zwei Corona-Fälle gemeldet.
