Ostern in Bartenstein: Das Programm in der barocken Altstadt
Märkte in Bartenstein sind eine Klasse für sich und stets eine Zeitreise, ganz gleich, ob zu Straßen- und Brunnenfest, Tauben- oder, wie am Wochenende, zum Ostermarkt eingeladen wird. Auch der Floh- und Trödelmarkt findet statt (Anm. d. Red: in der Printausgabe des Haller Tagblatts wurde am Samstag versehentlich eine Abgesagt-Notiz veröffentlicht).
Eine Ostertradition
Seit Menschengedenken zeigt Bartenstein am ersten Wochenende nach der Tag-und-Nacht-Gleiche, wenn in Hohenlohe alles im Zeichen des Osterfestes und des Frühlings steht, dass es ein kleines Städtchen ist, aber eine große Gemeinschaft.
Erinnert sei nur an die Corona-Pandemie, als Ortsvorsteher Johannes Strecker und Pfarrer Philipp Mayer binnen kürzester Zeit funktionierende Nachbarschaftshilfe für Bartenstein, Ettenhausen und Riedbach sowie die Teilorte organisiert haben. Dieser Geist ist auch zu spüren, wenn sich gefühlt halb Bartenstein ins Marktgeschehen einbringt.
„Das Osterwochenende in Bartenstein verspricht jede Menge spannender Aktivitäten für Einheimische und Besucher“, sagt Dennis Jackelsberger, einer der Organisatoren, mit Blick auf Oldtimer, Markttreiben und einen Abend für die Jugend.
Das Programm
Am Ostersonntag kommen Liebhaber alter Fahrzeuge auf ihre Kosten, wenn sich insbesondere der Platz an der Mehrzweckhalle zum Treffpunkt für Oldtimerfans verwandelt. Gezeigt werden originalgetreue Traktoren ebenso wie liebevoll restaurierte Autos und klassische Motorräder und Mopeds – „die faszinierende Welt der vergangenen mobilen Ära lockt Menschen jeden Alters nach Bartenstein“, so die Organisatoren.
Bis in die Nacht hinein
Bereits ab 10 Uhr rollen die historischen Fahrzeuge an, und für alle, die eine längere Anfahrt hinter sich haben oder Hunger mitbringen, gibt es ab 10.30 Uhr ein Weißwurstfrühstück. Ab 12 Uhr werden Grillspezialitäten angeboten, später Kaffee und Kuchen.
Für die Nachtschwärmer unter den Besuchern beginnt am Sonntagabend um 20 Uhr der Barbetrieb der Jugend Bartensteins im Clubraum der Mehrzweckhalle, der bis in die Nacht hinein gute Stimmung verspricht.
Der Markt vor dem Schloss
Am Ostermontag erwacht die barocke Altstadt bereits in den frühen Morgenstunden zum Leben, wenn zahlreiche Händler und Privatleute ihre Schätze und Raritäten in Bartenstein präsentieren und auf der langen Schloßstraße zum Verkauf anbieten. „Das Kopfsteinpflaster wird zum Laufsteg für Nostalgie und Kuriositäten“, heißt es in der Ankündigung. Bereits um 9 Uhr öffnet dann der große Floh- und Trödelmarkt. Die Bartensteiner Vereine bewirten Marktbesucher und Händler gleichermaßen.
Tipp für den Sonntagsspaziergang
Aber auch Bartenstein selbst lockt jederzeit zum Sonntags- oder Feiertagsspaziergang, der immer auch eine kleine Zeitreise ist. Dafür gewonnen wurde Brunhilde Bross-Burkhardt, Autorin, promovierte Agrarwissenschaftlerin und Gartenexpertin, die eine waschechte Bartensteinerin ist.
Der Schlossgarten ist geschlossen. Nur durch Tore spickeln können Neugierige, die dann Kühe sehen und alte Rosenbüsche, den barocken Pavillon, die Orangerie, die langgestreckte Terrasse, auf der die Hofgärtner früher Obst, Gemüse und nicht zuletzt Blumen anbauten – der Mensch lebt schließlich nicht vom Brot allein.
Gut gebrüllt, Löwe
Die lange Stützmauer mit der Hainbuchenalle entlang der Schloßstraße lässt die Anlage dahinter allenfalls erahnen, und auch das Löwentor an der Westseite ist nur durch Gitter zu sehen. Brunhilde Bross-Burkhardt erzählt aus ihrer Kindheit, in der sie im fürstlichen Garten ebenso daheim war wie in all den anderen Anlagen ihrer kleinen Stadt: Der Vater habe seine Kinder immer die Hand ins Löwenmaul legen lassen – wer gelogen habe, werde dann schon sehen. Sie lacht, als sie sich daran erinnert. Schon damals wusste sie, dass der Papa nur scherzte.
Bilderbuchansichten
Sie zeigt gern vor, was in Bartenstein so alles gewachsen ist. Rosensorten wie die „Rosenresli“ oder die „Märchenland“ etwa. Dann sind da Straßenbäume und Fassadenbegrünungen, Mini-Vorgärtchen, Kübelpflanzen und nur auf den ersten Blick unscheinbare Mauerritzenvegetation.
Das Land hoch über dem Ettetal ist fruchtbar. Bis heute kann ein Stück der unteren Schlossterrasse für den Obst-, Kräuter- und Gemüseanbau gepachtet werden, und was immer dort gepflanzt wird, trägt dank der Südhanglage reiche Frucht. Das zeigt sich auch in anderen Gärten, etwa dem früheren Epple-Garten, der wie ein klassischer Bauerngarten angelegt ist und mit den Kiesstreifen, dem Begrenzungsbuchs und den alten Rosen eine Augenweide ist. Herbstanemonen, Blauraute, Lavendel, Flieder, Taglilien: Was hier blüht und riecht, ist ein Fest für die Sinne.
Im Norden gibt es das Ostlandkreuz, gleich daneben eine Obstbaumallee mit uralten Sorten wie dem Wettringer Taubenapfel; im Süden locken der Blick aufs Ettetal und die steilen Stufen des „Schloßstäffele“, eine Treppenanlage, die zum erweiterten Stadtrundgang oder nach Ettenhausen führt. Mittendrin sind Stadttore und Plätze und eine Prachtstraße, die aussieht wie einer Spielzeugstadt entnommen – bis auf den Straßenknick am Marktplatz ist alles kerzengerade ausgerichtet; nichts stört die Harmonie. Das kommt nicht von ungefähr.
Barocker Baumeister
Es gibt kein Gespenst im Bartensteiner Schloss; wenn es in der zugigen Vorgängerburg eines gab, hat’s vermutlich Reißaus genommen, als Bautrupps anrückten, um dem alten Hochadelsgeschlecht von Hohenlohe, genauer der Linie Waldenburg-Bartenstein, einen in Stein gemeißelten Herrschaftsanspruch auf den Bergrücken zu stellen.
Die Bedingungen dafür waren ideal. Andernorts mussten sich die Fürsten mit bestehenden Städten und damit mit Chaos und Unordnung herumärgern. Nur wenige waren so konsequent wie der absolutistischste aller Herrscher, Ludwig IV. in Frankreich mit seinem Traumschloss Ver sailles, auf der grünen Wiese ganz neu bauen. Bartenstein aber war um 1700 nicht viel mehr als die alte Burg. Das eigentliche Dorfleben spielte sich in Ettenhausen im Tal ab. Als die Familie also dem Trend der Zeit folgend durch eine buchstäblich repräsentative Residenz ihre Macht zeigen wollte, konnte sie lehrbuchhaft vorgehen. Der von ihr engagierte, damals schon recht betagte Hofbaumeister Andreas Gallasini entwarf ab 1760 das neue Bartenstein auf dem Reißbrett, und keine störenden gewachsenen Strukturen standen im Weg. Die Häuser an der neuen Prachtstraße waren Angehörigen des Hofstaats zugewiesen, deren Rang sich noch heute an der Entfernung zum Schloss ablesen lässt.
Nun ist diese Geschichte deshalb so interessant, weil dem Aufstieg Bartensteins wenige Jahrzehnte später ein Fall ins Bodenlose folgte. Die Familie gab die Hofhaltung auf; 1806 übernahmen ohnehin die Württemberger. Das Schlosspersonal und Fachkräfte wie Perückenmacher oder Hofstrumpfstricker standen vor dem Nichts und wanderten ab.
Lebendiges Zeugnis alter Zeit
Mit gutem Grund wurde Bartenstein immer wieder das Dornröschen unter Hohenlohes Schlössern genannt: Über 150 Jahre später erwachte der Ort derart langsam zu neuem Leben, dass all die Bausünden gar nicht erst begangen werden konnten. Als nämlich die Bewohner und das Geld für einschneidende Veränderungen da gewesen wären, stand die barocke Stadt bereits unter Gesamtanlagenschutz.
Massentourismus soll und wird es nicht geben. Aber dass von sieben Gasthäusern nicht eines geblieben ist, wird bedauert. Die traumhaft schöne Schlosskirche ist nur für Gottesdienste und Führungen geöffnet. Und wer den verwilderten Garten der Fürstenfamilie gekannt hat, hofft inständig, er möge wieder freigegeben werden. Auch so lohnt Bartenstein aber in jedem Fall einen Sonntagsspaziergang.
Über Bartenstein
Bartenstein, ein Teilort Schrozbergs, liegt auf Höhe Riedbachs an der B 290 zwischen Blaufelden und Bad Mergentheim. Auf einem historischen Rundweg – vom Ortseingang die Schloßstraße entlang, durch Riedbachtor, Gütbachtor, über den Schlossplatz bis zur Wäldlesgasse – erzählen Haustafeln aus Bartensteins Geschichte. Infos gibt es unter www.ort-bartenstein.de




