Wengerter-Serie: Viel Aufwand für die beste Qualität

Jörg Reichert in seinem Weinberg im Gewann Steinbruch in Bönnigheim. Der Weinberg wurde 2014 mit Carbernet Dorsa bepflanzt. Der recht trockene Boden muss in diesen Tagen bewässert werden.
/Oliver BürkleIn seinem acht Ar großen Weinberg im Gewann Steinbruch in Bönnigheim erklärt der Erligheimer Wengerter Jörg Reichert im dritten Teil der BZ-Serie die notwendigen Aufgaben, die in diesen Wochen zu bewältigen sind. Reben der Sorte Cabernet Dorsa stehen dort „auf recht trockenem Boden“ seit 2014. Die Rebe ist eine Kreuzung aus Lemberger und Dornfeld, wurde 1971 von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg vorgestellt und 33 Jahre später in die Sortenliste eingetragen. „Mit diesen Traube können wir jeden Italiener oder Spanier links liegen lassen“, sagt Reichert selbstbewusst, muss allerdings einschränken: „Es ist eben ein Württemberger, und damit haben wir ein Imageproblem.“
Einen hochwertigen Wein will der Erligheimer Wengerter aus diesen Trauben ausbauen. Einen Ertrag von 50 bis 60 Liter strebt er in diesem Weinberg an, „die Hälfte der gesetzlichen Höchstmenge“, merkt Reichert an. Er plant, den Wein später mindestens 18 Monate im Holzfass reifen zu lassen.
Ab Mitte Mai wurden die Triebe ausgebrochen, sodass sechs bis sieben Stock übrig geblieben sind. „Für jeden Weinberg und je nach Rebsorte wird definiert, wie viele Triebe pro Rebstock wachsen sollen“, erklärt Reichert. Doppeltriebe und überflüssige Triebe werden von Hand entfernt, damit die Rebe ihre ganze Kraft in die verbleibenden Triebe stecken kann.
Bis Mitte Juli ist die Hauptwachstumsphase der Reben. Nach dem Ausbrechen folgt das sogenannte Reinschleifen in den Drahtrahmen beziehungsweise das maschinelle Heften. Nach den anschließenden Laubarbeiten bleiben lediglich ein Drittel der Blätter im oberen Drittel des Rebstocks übrig, um die Trauben optimal mit Licht und Luft zu versorgen. „Das Laub muss locker hängen“, so der Erligheimer Wengerter. Die Beerenschale wird durch die Sonne dicker, was letztendlich auch mehr Farbe bringe. Darüber hinaus trägt eine stabile Beerenhaut dazu bei, die Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten zu erhöhen, und auch die Kirschessigfliege kann es sich „nicht zu gemütlich machen“. Wichtig sei jedoch, dass das Verhältnis Blatt zu Trauben stimme.
Diese Monate waren und sind sehr arbeitsintensiv. Reichert: „Da ist der Wengerter mehr im Weinberg, als zu Hause.“ Jeder Wochentag sei nun ein Arbeitstag im Wengert, oft bis spät in die Nacht.
Auf dem Arbeitsplan stehen das Ausbrechen, die Unterstockbodenbearbeitung, das Reinschleifen und Heften, der Pflanzenschutz, die Teilentblätterung und die Ertragsreduktion. Nur gesunde Trauben ergeben einen guten Wein. „Wir haben das Ziel, die Trauben bis zur Lese gesund zu erhalten“, sagt der 38-jähriger Wengerter.