Wengerter Serie
: Kreieren und viel Arbeit am Jahresende

Zwölf Monate hat die BZ den Wengerter Jörg Reichert durch das Weinjahr begleitet. Jetzt werden der Sekt-Grundwein zusammengestellt, die Weine ausgebaut und die Gerätschaften gereinigt.
Von
Jürgen Kunz
Bönnigheim
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Auf ein ebenso spannendes wie erfolgreiches Weinjahr können Julia und Jörg Reichert anstoßen. Mit der Fertigstellung ihrer Vinothek, deren Bau 2022 begann, ist in diesem Jahr für das Erligheimer Weingut ein wichtiger Baustein ihres Unternehmens abgeschlossen worden. Die BZ begleitete den Wengerter mit Leidenschaft ein Jahr lang.

/Martin Kalb

Ende November kommt es auf einen feinen Gaumen an. Der Erligheimer Wengerter Jörg Reichert, den die Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung durch das Weinjahr begleitet hat, stellt den Grundwein für seinen Sekt zusammen. „Das anteilige Grundrezept ist vorhanden, die Details variieren dann von Jahr zu Jahr“, erklärt er. Nachdem sich durch die Schwefelung die Hefe abgesetzt hat, sind Pinot Meunier, Pinot Noir, Chardonnay und Weißburgunder die Sorten, die der leidenschaftliche Wengerter zu seiner Sekt-Cuvée zusammenführt. Zusammen mit seiner Ehefrau Julia und seinem Vater Siegfried Reichert wird nach der idealen Aroma-Kombination für den Sektgrundwein gesucht – und nach rund einer halben Stunde intensiven Probierens gefunden. „Die restlichen Weine des Jahrgangs 2023 bleiben noch bis Januar und Februar im Stahlfass“, so Reichert.

Bis zu 25 Tage per Hand gerüttelt

Zunächst wird der Sektgrundwein im Freien bei den jetzt herrschenden kühlen Temperaturen im Fass bis Januar gelagert. Damit werde der Wein weinsteinstabil, da der Weinstein bei Minusgraden ausfällt, erklärt der Erligheimer Wengerter. Reichert: „Im Januar kommt er dann zum Versekter.“ Dort wird der Grundwein auf Flaschen aufgezogen. „Sekt muss neun Monate Flaschenreife haben“, erklärt er weiter. Die Flaschen kommen danach aufs sogenannte Rüttelpult und werden 20 bis 25 Tage zweimal täglich gedreht – einen Tag im Uhrzeigersinn, am nächsten gegen den Uhrzeigersinn.

Abschließend wird der Flaschenhals gefroren und so der Hefepropf entfernt. „Die Flaschengärung ist zeitlich sehr aufwendig“, sagt Reichert und ist froh, dass es dafür spezialisierte Sektkellereien gibt, mit denen er zusammenarbeitet. Insgesamt dauert es rund ein Jahr, bis der Sekt vermarktet werden kann.

Ein Jahr im Holzfass

Die Rotweine in den Edelstahlfässern sind jetzt in der Phase, in der die biologische Säure abgebaut wird. „Insgesamt gibt es drei Säuren im Wein: Weinsäure, Äpfelsäure und Milchsäurebakterien“, erklärt Reichert. Die Äpfelsäure wird in Milchsäure umgewandelt, die den Wein bekömmlicher macht. „Diese Kulturen arbeiten nur ab zehn bis zwölf Grad Celsius“, so der Wengerter. In seinem Weingut bleiben die Weine komplett im Edelstahlfass, damit die komplette Charge in Milchsäure umgewandelt wird. Danach kommen Lemberger, Pinot Meunier und Pinot Noir für ein Jahr ins Holzfass. „Jedes zweite Jahr wird ein Lemberger in einem neuen Barriquefass ausgebaut“, verrät er.

Anfang November hat Reichert einen 15 Ar großen, 1973 angelegten Wengert mit Müller-Thurgau-Reben gerodet. Der wird mit Erdreich aufgefüllt, mit Luzerne eingesät und wird dann zwei bis drei Jahre brach liegen. Vermutlich wird er dort Weißburgunder pflanzen: „Der Weinmarkt ist allerdings sehr dynamisch – das ist eben im Augenblick der Plan.“

Nicht nur die Kreativität und der Ausbau der Weine stehen im November und Dezember auf dem Arbeitsplan, es ist für den Betrieb auch die Zeit des großen Reinemachens. Abbeermaschine und Weinpresse werden ebenso gereinigt wie die Eimer und Scheren der Weinlese. „Alles wird gründlich geputzt, dabei leichte Farbablagerungen entfernt“, so Reichert, „es ist der Anspruch an mich selbst – und es macht doch viel mehr Spaß, im kommenden Herbst mit sauberen Geräten zu arbeiten.“ Hinzu kommen viele administrative Aufgaben wie die Prüfung aller Qualitätsweine in einem externen Labor und die Bereitstellung der Weine zur sensorischen Beurteilung in der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) in Weinsberg. Fast „nebenher“ lief in den vergangenen Wochen die Glühweinproduktion für die Adventszeit. „Als Selbstvermarkter lassen uns das ganze Jahr der Wein, der Ausbau und die Planungen nicht los“, zieht Reichert ein Fazit und freut sich auf den Silvesterausschank im „Weinreich“ in Metterzimmern.