Weltspartag im Kreis Ludwigsburg
: Gespart wird mehr denn je

Sparbuch, Festgeld, ETF: Wie genau wird das Geld angelegt? Anlässlich des Weltspartages an diesem Freitag, 30. Oktober, sprach die BZ darüber mit Kreissparkasse und VR-Bank.
Von
Michael Soltys
Ludwigsburg
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Jeweils 100.000 Sparbücher werden noch bei der Kreissparkasse und der VR-Bank in Ludwigsburg geführt.

/Imago/Niehoff

Nur die Bayern sparen mehr: Rein rechnerisch legt jeder private Haushalt in Baden-Württemberg 12,7 Prozent seines verfügbaren Einkommens für später zurück. In Bayern sind es sogar 12,9 Prozent. Diese Zahlen aus dem Jahr 2024 legte das Statistische Landesamt an diesem Donnerstag anlässlich des Weltspartages am heutigen Freitag vor. Insgesamt 46,8 Milliarden Euro bewahrten sich die Baden-Württemberger für später auf, das sind noch einmal 11,5 Prozent mehr als 2023. Rechnerisch sind das pro Einwohner rund 4160 Euro jährlich oder 11,40 Euro je Tag. Am unteren Ende der Skala liegt Sachsen-Anhalt mit einer Sparquote von 7,3 Prozent.

Sparbuch ist noch nicht tot

Doch wie genau wird das Geld angelegt? Das klassische Sparbuch ist längst nicht tot, obwohl die Zinsen kaum der Rede wert sind. Jeweils 100.000 Sparbücher werden noch bei der Kreissparkasse und der VR-Bank in Ludwigsburg geführt, teilen die beiden Banken auf BZ-Anfrage mit.

Vor allen Dingen Kunden, die das Risiko scheuen, schätzen den schnellen Blick auf das verfügbare Kapital und die Sicherheit und Transparenz, die ein Sparbuch biete, betont ein Sprecher der Kreissparkasse. Monat für Monat werden immer noch bestimmte Summen auf das Sparbuch eingezahlt, um eine Reserve aufzubauen. Im Durchschnitt 4000 bis 5000 Euro sind bei der Kreissparkasse auf Sparbüchern angelegt. Verzinst werden sie dort mit 0,25 Prozent.

Dennoch: „Das klassische Sparbuch ist grundsätzlich ein Auslaufmodell“, ist eine Sprecherin der VR-Bank überzeugt. Bestehende Sparbücher werden daher nach und nach in „zeitgemäßere Lösungen“ überführt. Dazu zählt sie Sparkonten, Tagesgeld, Festgeld und Aktienfonds, darunter ETF, die nach dem Vorbild großer Aktienindizes gebildet werden.

Lebenssituation entscheidend

Das Sparbuch ist aus Sicht der Kreissparkasse eine Art „Grundbaustein“, um schnell über sein Geld verfügen zu können. Kunden setzten es ein, um Investments zu ergänzen, die deutlich mehr Rendite bieten.

Doch egal, welche Anlageform genutzt wird: „Der Spargedanke steht dabei nach wie vor im Vordergrund“, sagte die Sprecherin der VR-Bank. Entscheidend für die Wahl seien die Lebenssituation des Kunden, der Zeitpunkt, an dem er über sein Geld verfügen will, seine Anlageziele und, falls riskante Anlageformen gewählt werden, die Bereitschaft, Kursschwankungen auszuhalten. Der „Notgroschen“ gehöre auf ein täglich verfügbares Konten wie Giro- oder Tagesgeld, fährt sie fort. Festgeld eigne sich, wenn ein Betrag für einen festen Zeitraum angelegt werden soll. Für den langfristigen Vermögensaufbau setzten immer mehr Menschen auf Wertpapiere. Sparpläne spielen dabei eine große Rolle, weil sie schon mit kleinen monatlichen Beträgen funktionierten. Mal sollen der Urlaub oder das neue Auto finanziert werden, mal wird der Grundstock für eine Immobilie zur Seite gelegt.

Intensiv bereiten sich die beiden Banken auf die neuen gesetzlichen Formen der Altersvorsorge vor, die ab 2027 gelten. Sie gehen von einem hohen Beratungsbedarf der Kunden aus. Kunden werden prüfen wollen, „ob ihre bestehende Vorsorge noch passt und welche neuen Förder- und Anlagemöglichkeiten für sie infrage kommen“, so die VR-Bank-Sprecherin.

Vorsorge durch Frühstartrente

Bei der Kreissparkasse betont man die Chance, „mit noch mehr Menschen über ihre finanzielle Zukunft ins Gespräch zu kommen“, sprich Kunden zu binden und neue Kunden zu gewinnen. Über die Dekabank, das zentrale Wertpapierinstitut der Kreissparkassen, könne bereits ein Standarddepot angeboten werden.

Ein „wichtiger Baustein“ der neuen gesetzlichen Regelungen ist für die Kreissparkasse die Frühstartrente, die Teil des Altersvorsorge-Pakets ist. Das Programm startet am 1. Januar für die Geburtsjahrgänge 2020 und 2021. Zwischen ihrem sechsten und 18. Lebensjahr erhalten die Kinder eine staatliche Zahlung von monatlich zehn Euro für ein Altersvorsorgedepot – macht insgesamt 1440 Euro. Eltern können das individuelle Depot eröffnen und freiwillig mit einer privaten Zuzahlung aufstocken. Der staatliche Zuschuss erfolgt dann automatisch und ohne weiteren Antrag über den Anbieter.

Die Kreissparkasse Ludwigsburg sieht darin die Chance, „Kinder und Familien frühzeitig für den langfristigen Vermögensaufbau zu sensibilisieren“. Der frühe Vermögensaufbau werde jetzt „wichtiger denn je“, heißt es seitens der VR-Bank.