Waldbrand-Gefahr im Kreis?
: Laubwald bietet ein Stück Sicherheit

Die Situation in den Wäldern ist angespannt, aber längst nicht so bedrohlich wie in anderen Regionen von Baden-Württemberg.
Von
Michael Soltys
Ludwigsburg
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In Sachsenheim sind wegen Waldbrandgefahr alle Grillstellen im Wald gesperrt.

Martin Kalb

Es sind die bisher heißesten Tage des Jahres. Seit Wochen hat es in der Region und in großen Teilen Baden-Württembergs nicht mehr geregnet. Wegen der ausgetrockneten Böden herrscht vielerorts höchste Waldbrandgefahr. In Baden-Württemberg gilt aktuell die höchste der fünf Stufen, mit denen die Gefahr von Bränden gekennzeichnet wird. Landwirtschafts- und Forstminister Peter Hauk warnt deshalb: „Alle, die den Wald mit seiner kühlenden Wirkung in diesen Tagen besuchen, sollten sich unbedingt an die gängigen Verhaltensregeln halten.“

Nadelstreu entzündet sich leicht

Denn der Boden brennt je nach Beschaffenheit des Waldes in diesen Tagen wie der sprichwörtliche Zunder. Besonders gefährdet seien die Nadelholz-Wälder, sagt Dr. Michael Nill. Er ist beim Landratsamt in Ludwigsburg zuständig für die Forstwirtschaft. Nadelwälder fangen leichter Feuer, da die Bäume und Nadeln Harz beinhalten. Die Nadeln fallen irgendwann auf den Boden und da sie sich nur langsam zersetzen, bilden sie mit der Zeit eine dicke Schicht. Trocknet die Nadelstreu aus, reicht ein kleiner Funke, um sie in Brand zu setzen. Außerdem finden sich an den Stämmen der Nadelbäume häufig trockene Äste, die sich leicht entzünden und dem Feuer Nahrung geben.

Frisches Grün verhindert Ausbreitung

An solcher Art Wälder hat der Landkreis allerdings nur einen sehr geringen Anteil, so Nill. Deshalb sei die Situation weit weniger angespannt als in anderen Regionen des Landes Baden-Württemberg. In den Wäldern des Landkreises dominieren Laubbäume. Sie bilden kein Harz. Ihre Blätter zersetzen sich rascher als die der Nadelbäume. Dadurch findet sich in Laubwäldern weniger leicht brennbares Material auf dem Boden. Zwischen den Laubbäumen habe sich frisches Grün gebildet, dass die Ausbreitung eines Feuers zudem verhindert. „Für große Waldbrände besteht deshalb nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit.“ Vorsicht ist dennoch angebracht: Das betrifft vor allem den Umgang mit Zigaretten, Grillgeräten und auch mit Glas. Sie können auch kleinere Brände auslösen, wie am Sonntag am Ortsausgang von Bietigheim in Richtung Löchgau, wo ein Feld in Brand geriet. „Feuer dürfen im Wald nur in öffentlichen und befestigten Grillstellen entzündet werden“, macht Nill deutlich. „Dasselbe gilt in unmittelbarer Nähe zum Wald.“ Ein Mindestabstand von 100 Metern muss eingehalten werden.

Gefahr durchs Grillen

Viele Grillplätze in den Wäldern des Landkreises sind wegen der Waldbrandgefahr deshalb bereits geschlossen, angesichts der anhaltenden Hitze sei es wahrscheinlich, dass weitere Plätze folgen. Die Entscheidung liegt beim jeweiligen Besitzer. Eine pauschale Regelung, um das Grillen zu verbieten, gibt es nicht. Das werde von Fall zu Fall entschieden, so der Forstmann. In manchen Fällen sei es sogar besser, den Grillplatz offen zu halten, da sonst die Gefahr bestehe, dass „wild“ gegrillt werde.

Vielen Waldbesuchern sei auch nicht bewusst, dass das Rauchen in den baden-württembergischen Wäldern von März bis Oktober generell nicht gestattet ist. „Im Zweifelsfall reicht eine einzige unachtsam weggeworfene Zigarette, um den Wald zu entzünden, sagt Nill.“ Bei hoher Sonneneinstrahlung kann selbst eine Glasscherbe oder eine leere Flasche einen Brand auslösen.

Waldärmster Kreis im Land

Der Wald im Landkreis Ludwigsburg
Der Landkreis Ludwigsburg ist mit einem Waldanteil von ca. 18,5 Prozent, das sind etwa 12700 Hektar, der waldärmste Landkreis in Baden-Württemberg, gleichzeitig ist er dicht besiedelt. Dementsprechend wird der Wald sehr stark zur Erholung genutzt. Rund 38 Prozent der Fläche von Baden-Württemberg besteht aus Wald. Der Deutsche Wetterdienst hat aktuell für die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Berlin, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen die höchste Waldbrandstufe ausgerufen.