Wälder im Kreis Ludwigsburg
: Wie geht es den heimischen Wäldern?

Ein vergleichsweise nasser Sommer geht zu Ende. Für den Wald bot der Regen ein Stück weit Erholung nach vielen trockenen Jahren.
Von
Yannik Schuster
Ludwigsburg
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Ein Blick in den Bietigheimer Forst: Mit der Gesamtmenge an Niederschlag bisher in diesem Jahr zeigt sich Revierleiter Kim Kühn von ForstBW zufrieden.

/Martin Kalb

Es war ein wechselhafter Sommer: Immer wieder wechselten sich sehr heiße und trockene Perioden mit längeren Regenphasen ab. Was für die Freizeitplanung nicht immer förderlich war, ist für den Wald jedoch eine gute Nachricht. Trotzdem warnt Revierleiter Burkhard Böer, im Landkreis verantwortlich für die Wälder von Bönnigheim bis Sachsenheim, vor zu früher Euphorie: „Im langfristigen Mittel betrachtet steuern wir auf ein relativ normales Jahr hin.“ Bedeutet: Der Niederschlag im Jahr 2025 reiche zwar – Stand jetzt – aus, damit sich die Situation in den Wäldern nicht weiter verschlechtert. Von einer Regeneration nach zahlreichen trockenen Jahren sei man jedoch noch weit entfernt.

Dabei sah im Frühjahr noch alles danach aus, dass der Wald erneut ein Wasserdefizit zu verzeichnen hätte. Gerade noch rechtzeitig – Anfang Juli – habe der Regen die düsteren Vorzeichen ausgeglichen, sagt Böer. „Wir sind mit einem hellblauen Auge davongekommen.“ Grundsätzlich gelte im Wald, dass sich Veränderungen langsamer bemerkbar machen, als beispielsweise in der Landwirtschaft – bis es dann irgendwann kein Zurück mehr gibt. Für Laien sei dabei kaum zu erkennen, wo sich Probleme anbahnen. Böer gibt einen Tipp: Kann man durch die Krone einer Eiche diagonal hindurchschauen, deutet das darauf hin, dass der Baum mit angezogener Handbremse arbeitet. Fehlt es an Wasser, werden die Blätter kleiner, die Kronen lichter. So spart der Baum Kraft, allerdings auf Kosten seiner eigenen Vitalität und Abwehrkräfte.

Eiche gegen Eichenprachtkäfer

Dabei spielt die Eiche in den heimischen Wäldern eine ganz besondere Rolle: In Sachsenheim und Bönnigheim verzeichne man bei der Eichenquote landesweite Spitzenwerte. Doch ein Schädling sorgt immer wieder für Probleme: Der Eichenprachtkäfer. Dieser ist besonders für bereits geschwächte Bäume eine Gefahr. Große Mühen fließen deshalb in die Naturverjüngung des Eichenbestands, die aus dem Samenabwurf der örtlich vorhandenen, optimal angepassten Altbäume stammt. Denn deren schier unermesslicher Genpool sorge dafür, dass sich junge Bäume durchsetzen, die besser mit den Standortfaktoren zurechtkommen, erklärt Böer. Die Waldbesitzer seien sich ihrer Verantwortung dahingehend bewusst.

Der Revierleiter bleibt Realist: Der Wald als Wasserspeicher sei nach wie vor nicht ansatzweise gefüllt. Der Niederschlag in diesem Sommer gebe zwar einen Hoffnungsschimmer, eine Umkehr der zuletzt acht Jahre langen Trockenheit bezweifle er aber. Für eine Erholung des Waldes müssten schließlich auch der kommende Herbst und Winter mitspielen. Heißt im Klartext: „Der Wald wünscht sich ein möglich nasses Jahr.“

Im Bietigheimer Forst sieht die Lage ähnlich aus: Der zuständige Revierleiter Kim Kühn von ForstBW berichtet von einem Sommer, der dazu beigetragen habe, die Böden wieder ein Stück weit aufzufüllen. Die zwischenzeitlichen Trockenphasen habe man gut überstanden, auch wenn Schäden häufig erst im kommenden Jahr sichtbar würden. „Dieses Jahr sieht der Wald recht vital aus“, konstatiert Kühn.

Mit der Gesamtmenge an Niederschlag zeigt er sich grundsätzlich zufrieden, auch wenn man regional teilweise deutliche Unterschiede zu verzeichnen habe: „Immer wenn man dachte ‚Jetzt müsste es mal wieder regnen’, kam der Regen kurz darauf auch.“

Trockener Frühling

Der trockene Frühling hingegen sei schlecht für das Anwachsen der Bäume gewesen. Das Spektrum jener Baumarten, die mit der Trockenheit zurechtkommen, werde immer kleiner, sagt Kühn. Auch Käferschäden habe es gegeben, wenn auch nur in geringem Ausmaß. Auch er hofft darauf, dass nachfolgende Generationen von Bäumen sich besser an die Standortfaktoren anpassen können. Allerdings sei unklar, inwiefern sich die Hitze und Trockenheit in der Zukunft noch weiter intensivieren werde.

Zunächst einmal wäre für den Wald ein möglichst nasser Herbst und Winter vorteilhaft, sagt der Revierleiter, auch wenn das für die Holzernte wiederum kein optimales Wetter sei.