Vor 500 Jahren: Bietigheimer bringt die Reformation voran

Hornmold auf einem Wappenbild im Hornmoldhaus.
Martin KalbDie Anbringung der 95 Thesen an der Schlosskirche in Wittenberg durch Martin Luther im Jahr 1517, aber auch Luthers standhafte Haltung auf dem Reichstag zu Worms 1521, auf dem er als Ketzer verurteilt wurde, sind Meilensteine der Reformation, an die auch heute am Reformationstag wieder erinnert werden wird. In Württemberg konnte sich die von Luther angestrebte Reformation der Kirche jedoch zunächst nicht durchsetzen, denn das Land war zu der Zeit im Besitz des Hauses Habsburg, das rigoros gegen die lutherische Lehre vorging. Das änderte sich erst, als der vertriebene Herzog Ulrich 1534 sein Land zurückgewann und damit begann, die Reformation im Land einzuführen. Ein wichtiger Helfer war dabei der Bietigheimer Sebastian Hornmold (1500 bis 1581) – obwohl dieser gar kein Theologe war.
Vom Schreiber zum Vogt
Hornmold war zur Zeit der Rückkehr Ulrichs als Stadtschreiber in Bietigheim tätig. Er hatte alte Verbindungen zu dem Württemberger, der ihn nun zum Vogt der Stadt machte – mit der Bedingung, dass er zu weiteren Geschäften herangezogen werden sollte. „Diese Nebenaufgaben standen vor allem im Zusammenhang mit der nun beginnenden Reformation des Landes“, stellt Professor Hermann Ehmer, der frühere Leiter des Landeskirchlichen Archivs Stuttgart, in seinem Aufsatz über „Die Einführung der Reformation in Bietigheim und die Tätigkeit Sebastian Hornmolds“ von 1999 fest.
Unter anderem war der Bietigheimer damit beschäftigt, bei den Geistlichen vor Ort Steuern einzutreiben, die Ulrich zur Finanzierung seiner Kriegskosten brauchte. Mit dem Geld wurde laut Ehmer auch der erste evangelische Pfarrer in Bietigheim besoldet. Ebenso wirkte Hornmold an der Entfernung liturgischer Gewänder und von Messkelchen aus den früheren katholischen Gottesdiensten oder von Heiligenbildern mit.
Um Zugriff auf Wertgegenstände der Klöster zu erhalten, ließ Ulrich Inventare anfertigen. Hornmold war darin an maßgeblicher Stelle involviert. Er war Mitglied einer Kommission, die mit der Inventarisierung der Klöster Maulbronn, Herrenalb und Hirsau beauftragt war. Zudem wurde ihm die Aufsicht über mehrere Frauenklöster im Umkreis von Bietigheim übertragen, unter anderem Rechentshofen, Lauffen und Kirchbach bei Ochsenbach.
Ein Haus als Entschädigung
Im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für den Herzog steht im Übrigen auch der Bau des nach Hornmold benannten schmucken Hauses, das heute Stadtmuseum ist. Ulrich überließ seinem Vogt auf dessen Bitte das verlassene Pfründhaus der Johanneskaplanei – also ehemaligen Kirchenbesitz - als Entschädigung „für erlittene geldliche Verluste und ausgestandene Gefahr“ im Dienste des Herzogs. Hornmold ließ an der Stelle 1536/37 das heutige Hornmoldhaus als Wohnung und Amtssitz erbauen.
Einen Rückschlag brachte für die Reformation im Land und auch für den treuen Beamten Hornmold der Schmalkaldische Krieg von 1546/47. Damals siegte Kaiser Karl V. über die im Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossenen evangelischen Stände. Kaiserlich-spanische Truppen rückten in Württemberg ein, Hornmold musste vorübergehend fliehen, sein Haus wurde geplündert. Wieder zurück, musste er im Auftrag des Herzogs helfen, die neue, an den katholischen Ritus angelehnte Kirchenordnung – das sogenannte Interim –, mit der der Kaiser das Rad der Zeit zurückdrehen wollte, umzusetzen. Evangelische Pfarrer, die nicht mitmachten, wurden entlassen. Hornmold zog sich deshalb viele Anfeindungen zu, vor seinem Haus in Stuttgart fanden Katzenmusiken statt, sogar ein Schuss wurde darauf abgefeuert.
Ein Aufstand gegen Karl V. beendete schließlich 1552 das Interim, und unter Ulrichs Sohn Christoph, der mittlerweile regierte, kam die evangelische Kirche laut Ehmer rasch wieder in geordnete Bahnen. Hornmold spielte hier eine herausragende Rolle, er wurde „Direktor der Visitationsräte“ und dann Kirchenratsdirektor. Als solcher wirkte er an der Abfassung der „Großen Kirchenordnung“ mit und war nach dem Urteil Ehmers maßgeblich am Aufbau der württembergischen Kirche beteiligt.
1560 legte Hornmold altershalber sein Amt nieder, diente dem Herzog aber noch bis 1567 als Kirchenrat und bis zu seinem Tod 1581 als „Rat von Haus aus“.