Tamm: Mit Porsche auf den Rennstrecken der Welt

Valentin Schäffer kann auf viele spannende Arbeitsjahre beim Sportwagenbauer Porsche zurückblicken.
/Oliver BürkleWenn in diesen Tagen der schwäbische Sportwagenbauer Porsche nach dem spektakulären Auftakt 1951 in Le Mans auf 75 Jahre Rennsportgeschichte zurückblicken kann, hat daran auch ein „Rennmotoren-Käpsele“ aus Tamm durchaus Anteil. Valentin Schäffer hat in Zuffenhausen beziehungsweise Weissach über drei Jahrzehnte hinweg geprüft, getüftelt, entwickelt, beraten, war in aller Herren Länder im Boliden-Einsatz und ist bis heute ein geschätzter Interview-Partner. Im Oktober steht sein 95. Geburtstag an.
Der Start des Experten begann nach dem Gymnasium in Freising als Motoren-Mechaniker-Lehrling bei einer Münchner Motoren-Firma, dem ein Praktikum folgte. Nach Offerten diverser Firmen entschied sich der junge Schäffer dann 1956 für einen Einstieg bei Porsche, „weil die am sympathischsten waren“.
Aufstieg zum Leiter der Rennmotoren-Abteilung
In der Zuffenhäuser Autoschmiede erkannte man schnell die Fähigkeiten Schäffers, ließ ihn in der Rennabteilung zunächst aufgebaute Rennmotoren prüfen, um ihn dann in der Entwicklung beziehungsweise Optimierung der Kraftprotze einzusetzen. Bald meisterte der Tüftler sowohl die Techniker- als auch die Meister-Prüfung und avancierte 1995 – auf ausdrücklichen Wunsch des Managers und Großaktionärs der Porsche Automobil Holding SE, Ferdinand Piëch, – aus rund 250 Bewerbern als Rennentwicklungs-Ingenieur zum Leiter der Rennmotoren-Abteilung.
Dort gehörte der Tammer laut Medienberichten zusammen mit dem führenden Motor-Konstrukteur Hans Mezger und Entwicklungs- und Rennsportchef Ferdinand Piëch zu den treibenden Kräften, die die Idee Turbo vorantrieben. In Publikationen heißt es: „Valentin Schäffer zählt zur Garde jener Porsche-Ingenieure, die Garant für die grandiosen Erfolge des Werksteams waren. Gemeinsam mit Chefkonstrukteur Mezger hat der Ingenieur von 1955 bis 1989 sämtliche Porsche-Renntriebwerke mitentwickelt.“
„Für mich war dieser Posten was ganz Großes“, sagt der Tammer Pensionär noch heute. Was Wunder, hatte er damit doch auch engste persönliche Kontakte zu den internationalen Rennpiloten wie beispielsweise Jacky Ickx oder Stirling Moss. Kontakte hatte er aber auch zu Prominenten wie König Carl Gustaf von Schweden, zu den Familien von Porsches Chefetage und Gerhard Schröder.
„Als leitender Rennwagen-Ingenieur war ich in Australien, Neuseeland, Japan, zigmal in den USA sowie in ganz Europa“, erinnert sich Schäffer. Auch an eine Notlandung im Wasser oder an unzählige Fernsehauftritte insbesondere in den Vereinigten Staaten wie zuletzt bei „Reunions USA“, zu denen er nach wie vor geschickt werde, erinnert er sich noch gut. Nicht zu vergessen Porsches „Sound Night“-Events, bei denen jüngstens der Rallye-Welt- und Europameister Walter Röhrl in Stuttgart und er, Schäffer, in Weissach die Stargäste waren.
Die Rennwagen bei 350 Stundenkilometer testen
Ab und zu hatte der Motoren-Spezialist auch selbst in einen der Flitzer einzusteigen, beispielsweise im belgischen Spa, um bei 350 „Sachen“ zu erspüren, warum die Fahrer besorgt waren, und was möglicherweise optimiert werden müsse.
Den klassischen Nervenkitzel des Rennens, die tollkühnen, ohrenbetäubenden Jagden in den Motodromen dieser Welt vermisst Valentin Schäffer nicht unbedingt. „Was zählt, ist nur der Sieg“, macht er auch keinen Hehl daraus und kommt verbal richtig in Fahrt, dass er kaum noch Formel-1-Rennen anschaue: „Heute kann sich doch auch der Dümmste reinsetzen und gewinnen. Sie müssen ja kaum noch etwas selbst machen“, spannt Schäffer den Bogen zu der technischen Perfektionierung der heutigen 1000-PS-Hightech-Rennwagen und der von ihm beobachteten schwindenden persönlichen Beziehungen untereinander.
Bis vor zwei Jahren fuhr der einstige Nachbar des früheren Sachsenheimer Rathauschefs Andreas Stein noch selbst zwei Flitzer aus Zuffenhausen; ein weiterer war sein Werksauto. Mit 92 Jahren spielte er auch noch Tennis. Den Stammtisch unter anderen mit Wendelin Wiedeking besucht er nach wie vor.