Tamm
: Kaffeeklatsch gegen die Einsamkeit

Das Bürgercafé Hohenstange lädt regelmäßig zu einem unkomplizierten Kaffeeklatsch ein. Die Organisatorinnen wollen so Menschen in Tamm zusammenbringen.
Von
Petra Neset-Ruppert
Tamm
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Christa Fröhlich (links) undSonja Jüttner-Hanselmann haben das Bürgercafé Hohenstange vor einem Jahr ins Leben gerufen. Nun treffen sich regelmäßig bis zu 100 Menschen im Café.

/Werner Kuhnle

Die Kuchengabel klappert auf dem schönen Serviceteller, aus der dazu passenden Tasse dampft der Kaffee und überall werden Gespräche geführt. Entspannt ist die Atmosphäre beim Bürgercafé und es wirkt wie ein altes Caféhaus. Doch die meist um die 100, manchmal sogar noch mehr Besucher befinden sich in den Räumlichkeiten des Ökumenischen Gemeindezentrums auf der Hohenstange in Tamm. Dort findet bereits seit einem Jahr das ehrenamtlich organisierte Bürgercafé Hohenstange statt.

„Das Problem ist die Alterspyramide“, sagt Christa Fröhlich. Gemeinsam mit Sonja Jüttner-Hanselmann organisiert und veranstaltet sie das Bürgercafé Hohenstange. Im in den 1970er Jahren entstandenen Teilort leben mittlerweile viele ältere Menschen. „Da ist Einsamkeit natürlich auch ein Thema. Das ist mit Scham behaftet und das gibt man natürlich nicht gerne zu“, sagt Fröhlich. Gemeinsam mit anderen Tammern kamen die beiden Frauen zusammen, um zu überlegen wie sie einsame Menschen möglichst niederschwellig zusammenbringen können.

So entstand die Idee eines Cafés in das man ohne Anmeldung vorbeischauen kann. Das Ökumenische Gemeindezentrum bot sich als zentraler und allen bekannter Ort an, den sie nach einer Anfrage für dieses Angebot auch nutzen können. „Jeder kann so lang bleiben wie er möchte“, sagt Sonja Jüttner-Hanselmann. In ein Sparschwein können Geldspenden geworfen werden – jeder so wie er kann und möchte. Davon kaufen die Organisatoren Kaffee, Tee, Brezeln und andere Leckerein.

Bis zu zwölf Kuchen

„Die Kuchen werden uns gespendet. Wir haben zum Beispiel einen 90-Jährigen, der uns zu jedem Bürgercafé einen Träubleskuchen backt“, sagt Fröhlich. Mittlerweile habe sich ein fester Stamm an Kuchenspenderinnen und -spendern zusammengefunden, die das Bürgercafé bestücken. Zwischen zehn und zwölf Kuchen stehen jedes Mal auf den Tischen des Büffets. Für eine 85-Jährige sei die regelmäßige Kuchenspende bereits so zur Gewohnheit geworden, dass sie sich nur noch melde, wenn sie mal keinen Kuchen vorbeibringen könne, erzählen die Organisatorinnen.

Und so wird aus einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen für viele ältere Menschen in Tamm eine Möglichkeit zusammenzukommen, sich auszutauschen und der Einsamkeit die kalte Schulter zu zeigen. „Wir haben zum Beispiel eine Dame, die ihre Nachbarin beim Café getroffen hat und nun der Kontakt wieder neu aufgelebt ist“, erzählt Sonja Jüttner-Hanselmann. Auch als ein Herr im Rollstuhl anmerkte, dass es für ihn schwierig sei in das Café zum kommen, fand sich ein anderer Besucher, der ihn nun regelmäßig mitnimmt.

„Nach dem ersten Bürgercafé waren wir überrascht von der positiven Resonanz und haben das Angebot weiterentwickelt“, erklärt Jüttner-Hanselmann. Mithilfe von Wunschzetteln fragten die Organisatorinnen ab, was sich die Besucher wünschen. „Eigentlich waren alle zufrieden mit dem Angebot, wie es war. Es stand höchstens mal Sahne oder Himbeermarmelade als Wunsch darauf“, sagt Fröhlich. Und eben diese Rückmeldung zeigte den Organisatorinnen, dass es das richtige Angebot ist.

„Miteinander schwätzen“

Sie bieten den Menschen die Möglichkeit „einfach mal miteinander zu schwätzen“. Das 15-köpfige Team baut ein Mal im Monat an einem Freitagnachmittag im Gemeindezentrum Kaffeetische mit schönem alten Kaffeeservicen und bunten Servietten auf. Dann werden Kuchen ausgegeben und Kaffee und Tee eingeschenkt. „Wenn wir jemanden sehen, der unschlüssig am Rand steht, holen wir ihn an den Tisch“, sagt Fröhlich.

Sie möchten mit dem Bürgercafé Hohenstange einen Ort für alle anbieten. „Einsamkeit betrifft nicht nur ältere Menschen, uns ist wirklich jeder willkommen“, sagt Fröhlich, die auch betont, dass das Angebot keine kirchliche Veranstaltung sei. Die beiden Organisatorinnen wissen von früher, dass man sich auch als Mutter mal einsam fühlen kann. „Wir würden uns freuen, wenn sich der Personenkreis auch auf jüngere Besucher ausweitet“, sagt Jüttner-Hanselmann. Mal- und Spielsachen liegen im Bürgercafé auch bereit. Auch Helfer sind jederzeit herzlich willkommen, die beim Auf- und Abbau oder bei der Bewirtung helfen.

„Und das nächste Mal gibt es auf jeden Fall auch Sahne“, verspricht Fröhlich und lacht.

Bürgercafé Hohenstange

Die nächsten Termine des Bürgercafés Hohenstange sind am 16. Oktober, 13. November und 11. Dezember jeweils von 15 bis 17.30 Uhr im Ökumenischen Gemeindezentrum, Ulmer Straße 14. Wer mithelfen möchte kann sich per E-Mail an: buergercafe-hohenstange@gmx.de melden oder einfach vorbeischauen.