Tamm
: Investition in die nächsten Jahrzehnte

Die Stadt Tamm weihte am Freitagabend ihr neues Feuerwehrgerätehaus ein. Es soll beste Einsatzbedingungen garantieren. Die Kosten betrugen neun Millionen Euro.
Von
Jonathan Lung
Tamm
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Bei der Einweihung des Feuerwehrhauses (von links): Kreisbrandmeister Andy Dorroch, Marc-Andre Meyle, Landtagsabgeordnete Silke Gericke (Grüne), Bürgermeister Martin Bernhard, Kommandant Sebastian Richter und Landtagsabgeordneter Lukas Tietze (CDU).

Andreas Essig

Nun sind sie endlich vorbei, freute sich ein Feuerwehrmann am vergangenen Freitagabend. Vorbei die Zeiten, in denen Tammer Feuerwehrmänner und -frauen sich in den Spinden in der Fahrzeughalle umziehen mussten: eingequetscht hinter den Einsatzfahrzeugen, bei teilweise schon geöffneten Toren – und ohne Geschlechtertrennung. Vorbei, freut sich der Feuerwehrmann, und zeigt auf die blitzenden Reihen von Spinden in den beiden Umkleidesälen: Die haben sogar eine Trennwand, damit die private Kleidung nicht mit der dreckigen Einsatzmontur in Berührung kommt.

Optimierte Laufwege

Und auch sonst kann sich sehen lassen, was in den letzten beiden Jahren in der Kirschenau entstanden ist und sich nun unter der Adresse „Florianstraße 1“ findet, nach dem Schutzheiligen der Feuerwehr. „Wenn nachts um drei der Wecker piept, interessiert sich niemand dafür, ob das Gebäude gut geplant ist, sondern nur, ob es funktioniert“, formulierte Architekt Uwe Hein die Gedanken, die am Beginn der Planung standen: Optimierte Laufwege von Tür zu Umkleide zu Einsatzfahrzeug seien ebenso entscheidend wie die großzügigen Parkmöglichkeiten für die Privatfahrzeuge der herbeigeeilten Feuerwehrleute. Der Wert des Gebäudes, das Tamm sich neun Millionen Euro kosten ließ, „zeigt sich nicht in Euros, sondern in Minuten, in denen Menschenleben gerettet werden können“, sagte Hein.

Des Weiteren bietet das Gebäude einen großen Bereich für die Jugendfeuerwehr, Panoramablick, Fernseher, Kicker und Billardtisch inklusive. Und das pünktlich zum 25-jährigen Bestehen der Jugendfeuerwehr dieses Jahr: eine Würdigung des Nachwuchses, der einzigen Ressource, die man nicht kaufen könne, so Bürgermeister Martin Bernhard.

Großzügige Fahrzeughalle

Neben den zeitgemäßen Umkleiden und den optimierten Laufwegen umfasst das neue Gerätehaus auch die großzügige Fahrzeughalle – die an diesem Abend aber mit Bühne, Bierbänken und Lampions bestückt war. Optimierte Lager- und Schulungsräume gehören dazu, ebenso wie Einsatztechnik auf dem neuesten Stand. Eine Investition in die nächsten Jahrzehnte, so beschrieb es der Bürgermeister. Und auch energetisch setze das Gebäude Maßstäbe, erläuterte Architekt Hein: Kompakte Bauweise, Recyclingbeton, Holzbau mit Weißtannenfassade, begrünte Dächer und Photovoltaik machten es aus, ebenso wie der 16 Meter hohe Übungsturm, in dem 90.000 Liter Wasser lagern. Sie dienen als Pufferspeicher für die Energieversorgung, so werde das Feuerwehrgerätehaus Teil der Energieversorgung von ganz Tamm.

Es war am Freitag also ein Abend zum Feiern, nachdem der Architekt den Schlüssel an Bürgermeister und Kommandant übergeben hatte – und das mit guten Freunden: Die Partnerfeuerwehr aus Althofen brachte ein Kunstwerk mit, einen heiligen Floriani, mit beiden Gemeinden zu seinen Füßen. Ebenso hatten sie eine Medaille für verdienstvolle Zusammenarbeit des Landesfeuerwehrverbands für Kommandant Sebastian Richter dabei.

Ehrung für den Bürgermeister

Dieser dankte nicht zuletzt seiner Familie für die Unterstützung, ohne die er die heiße Planungsphase nicht bewältigt hätte. Die Architekten spendeten einen Fernseher für die Entspannung nach dem Einsatz. Und der Kommandant wiederum ehrte den Bürgermeister mit dem Ehrenzeichen des Kreisfeuerwehrverbands für Verdienste um die Feuerwehr.

Und so konnte Bürgermeister Bernhard schließlich, sichtlich gerührt, den Fassanstich vornehmen, musikalisch begleitet vom Fanfarenzug des Tammer Musikvereins, der schon den Auftakt des Abends gemacht hatte. Neben Politprominenz hatten sich Vertreter aus ganz Tamm versammelt, um das neue Haus zu feiern. Die Feierlichkeiten sollten sich nicht auf den Freitag beschränken, sondern das ganze Wochenende andauern: am Samstag etwa mit dem Feuerwehr-Duathlon.

Den habe er den Tammern vor zwei Jahren zugeschanzt, schmunzelte Kreisbrandmeister Andy Dorroch schelmisch, wissend, dass Kommandant Richter auch so schon genug zu planen haben würde. Freundschaftliche Kameradschaft blitzte auf, „gelebte Gemeinschaft“, die, so der Architekt, zusammen mit höchster Einsatzbereitschaft das Gebäude ausmache.  

  • Der Fanfarenzug des Tammer Musikvereins spielte zur Einweihung des neuen Gerätehauses am Freitagabend.

    Andreas Essig
  • Bürgermeister Martin Bernhard bei seiner Ansprache.

    Andreas Essig
  • Am Samstag fand im Rahmen der Gerätehaus-Einweihung ein Duathlon in Tamm statt.

    Oliver Bürkle
  • Feuerwehrleute aus ganz Baden-Württemberg nahmen teil.

    Oliver Bürkle
  • Radfahrer beim Bürgersaal.

    Oliver Bürkle
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