Tamm
: Ein Jahr durch Südamerika: „Ich bin jemand anderes geworden“

Das Ehepaar Saskia Veyhl und Dominik Ebinger aus Tamm ist von seiner einjährigen Reise durch Südamerika zurück und hat der BZ erzählt, wie es war.
Von
Petra Neset-Ruppert
Tamm
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Auch auf die alte Inkastätte Macchu Picchu in Peru führte die Südamerikareise das Tammer Ehepaar Saskia Veyhl und Dominik Ebinger.

/Dominik Ebinger

Ich habe mich tatsächlich auch ein bisschen auf den Alltag in Deutschland gefreut“, erzählt Dominik Ebinger aus Tamm. Gemeinsam mit seiner Frau Saskia Veyhl war er mit einem Wohnmobil ein Jahr lang durch Südamerika gereist (die BZ berichtete). Die Reise führte sie von Uruguay, über Argentinien, Chile, Bolivien, Peru und Ecuador bis nach Kolumbien, bevor es dann wieder zurück nach Chile ging. Nun sind sie seit eineinhalb Monaten zurück im Kreis und haben der BZ erzählt wie das Ankommen war und was die Reise mit ihnen gemacht hat.

„Für mich war es deutlich schwerer, wieder anzukommen“, sagt Saskia Veyhl. Die Realschullehrerin hatte im Gegensatz zu ihrem Mann noch zwei Wochen Verschnaufpause, bevor der Schulalltag sie wieder voll einnahm. „Hier ist alles gleich geblieben, aber ich bin jemand anderes geworden“, erklärt sie.

Die Reise habe definitiv etwas mit ihnen gemacht. Jeden Tag gab es Programm, sie nahmen sich kaum Auszeiten, wollten so viel wie möglich aus dem Sabbatjahr herausholen. Das sei anstrengend gewesen, aber auch wunderschön, sagen die beiden. „Das Tempo hätten wir ein weiteres Jahr aber nicht durchgehalten“, gesteht Ebinger.

Mehr Zeit für Bolivien

Doch das Erlebte hat sie neu geprägt und auch geerdet. „Wir haben gesehen, mit wie wenig die Menschen so glücklich sind und dass sie das Wenige auch noch so offen mit anderen teilen“, berichtet Veyhl. Bolivien hat die Realschullehrerin besonders begeistert. „Dort hätte ich mir gerne mehr angesehen, das Land war so vielseitig“, sagt sie. Politisch sei es während ihrer Reisezeit in Bolivien recht schwierig gewesen. Es gab eine Dieselknappheit. „Dadurch waren wir nur auf der Hauptroute unterwegs und konnten nicht so viele Schlenker machen“, erklärt Veyhl.

Überrascht waren beide von der Tatsache, dass Südamerika ein echtes „Wohnmobilparadies“ ist. „Sogar in Großstädten haben wir tolle Lösungen gefunden“, sagt Veyhl. So stellte einen Familie in Guayaquil (Ecuador) ihren Parkplatz kostenlos an Reisende zur Verfügung, auf dem das Ehepaar sein Wohnmobil, liebevoll Bernie genannt, parken konnte. „Wir durften im Haus alles mitbenutzen und wurden dort herzlich empfangen“, erzählt die Tammerin. Die Familie habe mit der Parkplatzvermietung begonnen, um Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen, weil sie sich größere Reisen einfach nicht leisten können. Diese Offenheit und unkomplizierte Problemlösung ist das, was Veyhl nach der Reise nun sehr deutlich in Deutschland vermisst.

Neun-Tage-Wanderung

Auf ihrer Kreuzfahrt durch die Antarktis, die für sie ein Highlight der Reise war, trafen sie ein Paar aus Kanada, das wie sie ein Jahr herumreiste, allerdings ohne Wohnmobil und nicht nur durch Südamerika. „Das hat sofort gepasst und da wir durch Bernie sogar Gäste mitnehmen konnten, sind wir für mehrere Wochen zusammen mit ihnen in Chile unterwegs gewesen“, erzählt Ebinger begeistert. Durch sie habe sich das Tammer Ehepaar auch an Wanderungen herangetraut, die sie sonst wahrscheinlich so nicht gemacht hätten. Wandern war eine ihrer Hauptaktivitäten auf der Reise.

„Wir haben uns da an mehrtägige Touren rangewagt. In Peru haben wir den Huayhuash-Trek gemacht. Da waren wir neun Tage in 4000 und 5000 Metern Höhe unterwegs“, erzählt Ebinger. Das bedeutete: 1,2 Kilogramm Essen pro Tag und ein Zelt mussten geschultert werden.

„Das war echt knüppelhart. Am ersten Tag haben wir keine Pause gemacht, weil es nur geregnet hat. Der Rücken tat weh und wir waren nah dran, aufzugeben“, erzählt der Tammer. Aber die Rucksäcke wurden leichter und die Schritte sicherer und sie schafften den Trek.

Viele „tolle Freundschaften“ seien auf der Reise entstanden und genau das habe sie bei ihrer Rückkehr auch gerettet. Denn sie standen nach ihrer Reise nicht nur mit fünf Koffern und zwei Handgepäckstrolleys am Flughafen, sondern auch mit einer ordentlichen Portion Fernweh. So nutzte das Paar auch gleich freie Wochenenden, um sich mit ehemaligen Reisefreunden in Deutschland zu treffen. „Wenn der Gesprächspartner auch so eine Reise hinter sich hat, kann man einfach ganz anders miteinander reden. Da versteht man sich“, sagt Saskia Veyhl.

Südamerika in Tamm

Und irgendwie haben sich die beiden so auch ein Stück Südamerika wieder nach Tamm geholt. Vor allem der Besuch der kanadischen Freunde, die nun auch ihre Reise beendet haben, sei schön gewesen. „Es war gleich wieder wie in Südamerika mit ihnen. Und sie haben uns auch schon nach Kanada eingeladen“, verrät Veyhl.

Denn eins steht für das Tammer Ehepaar fest. Die nächste Reise kommt bestimmt. Wohin? Das steht noch nicht fest. „Die Welt ist so groß und es gibt noch so viele spannende Ziele“, sagt Dominik Ebinger. Und seine Ehefrau ergänzt: „Ich empfehle jedem eine solche Reise. Es ist unglaublich was das mit einem macht.“ 

Reiseabenteuer aus Südamerika

Wer noch tiefer in die Reise des Ehepaars eintauchen will, kann das auf ihrem Reiseblog unter www.durchsuniversum.de.