Tamm: Bürgermeister Bernhard blickt zurück

Im Februar kommenden Jahres verabschiedet sich Bürgermeister Martin Bernhard in den Ruhestand. Für die Stadt Tamm hatte er während seiner Amtszeit immer Pläne in der Tasche.
/Oliver BürkleAm Tag der Bürgermeisterwahl machte sich Martin Bernhard mit seiner Frau auf den Weg ins Wahllokal. Als er all die Menschen sah, die dort hinkamen fragte seine Frau ihn, was er denke. „Ich überlege mir, was ich sage, wenn ich nicht gewählt werde“, lautete seine Antwort. Am Nachmittag beim Spaziergang durch den Forst überlegte er dann, was er sagen werde, wenn er gewählt wird. An diesen Beginn kann sich Bernhard noch sehr genau erinnern und als der damalige Vorsitzende der Kleingartenanlagen ihm zurief, „Herr Bernhard, sie sind gewählt“, und sich dieser Zuruf später dann im Wahlergebnis mit 58 Prozent der Stimmen gegen den bisherigen Bürgermeister Roland Zeller bestätigte. Da ging das „mitten ins Herz“.
Ehrenamt sichtbar machen
Die große Verantwortung, die man mit dem Amt eines Bürgermeisters trage, sollte jedem Kandidaten bewusst sein. „Demütig zu sein, das kann ich nur jedem Bürgermeister raten“, sagt Bernhard. Der Kontakt mit den Menschen habe ihm immer gefallen. „Ich setze mich beim Fest auch gerne mal neben wildfremde Leute und rede mit ihnen“, sagt der Schultes und schwärmt: „Wir haben ganz tolle Menschen hier in Tamm.“ Deshalb war ihm die Einführung des Ehrenamtsabend auch so wichtig. Auch der Bürgerbus, ein Wahlversprechen von Bernhard, wurde zügig umgesetzt. Dank der Spende eines Busses sowie viel ehrenamtlichem Engagement. Eigentlich habe er alle Wahlversprechen auch eingelöst, überlegt Bernhard. „Nur eins nicht. Beim Musikverein habe ich nie mit meiner Klarinette gespielt.“
Doch nicht immer gab es für den Schultes Unterstützung: Beim Thema Tempo 30, beziehungsweise 20, in der Hauptstraße erhielt Bernhard deutlichen Gegenwind vom Gemeinderat. Tempo 20 zog er daraufhin zurück und gemeinsam fanden sie einen Kompromiss. Mit der „konstruktiven Arbeit“ mit dem Gemeinderat sei er immer sehr zufrieden gewesen.
Auch der Schanzacker, der im Gespräch ist für eine Erstaufnahmeeinrichtung von Geflüchteten, hat ihm und seinem Kollegen aus Asperg, Christian Eiberger, einiges abverlangt. „Uns ist es immer wichtig, die Polemik da rauszuhalten. Der Schanzacker ist immer noch eine große Herausforderung“, sagt der 66-Jährige. Dieses Gelände frei von Bebauung zu halten sei wichtig, denn „Der Kulturboden mit seinen Keltengräbern und der Schanze von Wilhelm I. ist Teil der Geschichte des Kreises“, betont er.
Aufgaben für den Nachfolger
Neben dem Bürgergarten, der Entwicklung der Ortsmitte auf der Hohenstange und der Sanierung der Gustav-Sieber-Schule wird auch der Schanzacker eine Aufgabe sein, die die Nachfolgerin oder der Nachfolger fortsetzen muss. Viel konnte Bernhard in den vergangenen Amtszeiten umsetzen und dabei legt er nicht nur den Fokus auf die Gebäude, die in Tamm entstanden sind. „Dass ich gerne baue, versteht sich von allein“, sagt Bernhard, der vor seiner Zeit als Bürgermeister als Bauamtsleiter in Tamm arbeitete.
Doch auch das Zwischenmenschliche zählt für den Schultes. Besonders die Städtepartnerschaften, die er mit der französischen Stadt Pénzenas und in diesem Jahr mit der italienischen Gemeinde Castions di Strada schloss, sowie die Partnerschaftspflege mit der österreichischen Gemeinde Althofen sind eine Herzensangelegenheit für ihn. „Wir können die Leute mit in die Partnerstädte nehmen, man lernt sich kennen, entdeckt in der eigenen Stadt die Gemeinschaft und fördert den europäischen Gedanken.“ Aber auch die Erhebung zur Stadt 2022 sei ein wichtiger Meilenstein gewesen.
Kleine Projekte, große Wirkung
Auch kleine Projekte, die eine große Wirkung hatten, sind ihm gut in Erinnerung geblieben, wie zum Beispiel die Neugestaltung des Friedhofs mit dem Vordach für die Aussegnungshalle. Das habe für viele einen großen Unterschied gemacht. Manchmal wollte er aber auch einfach Denkanstöße liefern wie bei der Palme auf dem Kreisverkehr am Ortsausgang neben dem neuen Feuerwehrhaus. „Damit kann man auch mal auf das Thema Klimawandel hinweisen“, sagt Bernhard.
Für ihn hat sich seit der Ankündigung seines Rücktritts in der Arbeit nichts geändert. „Jetzt stehen noch einige schön Feste an wie die Eröffnung des neuen Feuerwehrhauses und das Brezel Race.“
Und dann? Pläne gibt es immer noch keine. „Ich arbeite, seit ich 16 bin. Schon während der Schulzeit hatte ich Jobs. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich nicht mehr arbeite.“ Doch sein Familienleben werde dann klar in den Fokus rücken. „Als Bürgermeister schwört man einen Eid, dass man für die Stadt da ist. Das kann einen schon zerreißen. Meine Frau hat da einiges abgefangen“, sagt Bernhard.
Auch wenn seine Zukunft vorerst offen bleibt, so hat er für die Zukunft der Stadt ganz klare Wünsche: „Dass jemand Qualifiziertes ins Amt kommt, der Pläne macht, die man bei Bedarf herausholen aknn und die die Stadt voranbringen.“