Tamm: Bernhard kündigt seinen Rücktritt an

Noch bis zum 31. Januar 2027 kümmert sich Bürgermeister Martin Bernhard um die Geschicke der Stadt Tamm. Ab Februar beginnt für ihn dann der Ruhestand.
/Oliver BürkleUnter dem Tagesordnungspunkt „Bekanntgaben“ verliest der Tammer Bürgermeister Martin Bernhard für gewöhnlich hauptsächlich Beschlüsse aus den nicht öffentlichen Sitzungen. Das tat er auch am vergangenen Montag. Doch für den letzten Punkt holte er erst einmal tief Luft und sagte dann, deutlich mit den Emotionen ringend: „Ich habe meine Versetzung in den Ruhestand zum 1. Februar 2027 beantragt.“
Die Reaktion auf diese Bekanntmachung war: Stille im Ratssaal. Zu Beginn der Sitzung hatte Bürgermeister Bernhard den Zuhörern empfohlen: „Bleiben Sie ruhig noch ein Weilchen, es gibt noch einige interessante Themen heute Abend.“ Damit hatte er mit dem letzten Thema, seiner Rücktrittsankündigung, definitiv Recht.
86 Prozent der Stimmen
„Seit 1993 bin ich im Dienst der Stadt Tamm. Die Arbeit für und mit den Menschen in Tamm war immer eine Herzenssache“, sagte Bernhard, dem man anhören konnte, dass er um Fassung rang. Gemeinsam habe man viel erreicht verwies der Schultes auf die Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern im Rathaus, den Gemeinderäten und auch den Bürgern der Stadt Tamm. „Mit großer Dankbarkeit blicke ich auf die vergangenen Jahrzehnte zurück. Ich danke Ihnen von Herzen“, richtete er das Wort an das Gremium. Martin Bernhard war am 25. September 2022 mit 86,25 Prozent der Wählerstimmen erneut zum Bürgermeister von Tamm gewählt worden. Die Amtszeit hätte 2030 geendet.
„Das war ein Paukenschlag. Wir sind überrascht. Es gibt doch noch so viel zu tun. Doch der geeignete Zeitpunkt wird wohl nie kommen“, antwortete Professor Jürgen Hottmann (AWV) auf Bernhards Bekanntmachung noch unmittelbar in der Sitzung.
Die Überraschung war für alle Gemeinderäte groß und einen Tag später ordneten die Fraktionssprecher des Gemeinderats Bernhards Entscheidung ein: „Ich kann den Schritt verstehen und er ist zu akzeptieren“, sagt Wolfgang Günther (LLT). Es sei auch ein guter Zeitpunkt, da viele Projekte jetzt beendet seien oder in Kürze werden. „Der Ruhestand ist ihm von Herzen gegönnt. Herr Bernhard hat so vieles angestoßen und auch fertig gekriegt“, lobt Günther.
Das sieht Dr. Dietmar Zeh (CDU) ebenso: „Herr Bernhard treibt die Dinge gut voran. Er bringt die Menschen in Tamm zusammen. Das tut Tamm gut.“ Auch den klaren Umgang beim Thema Schanzacker lobt Zeh. Es werde schon ein Verlust, doch „im Wandel stecken neue Möglichkeiten“, blickt Zeh zuversichtlich in die Zukunft.
Ausschau nach Kandidaten
Auch Jürgen Hottmann sieht das so: „Jetzt werden wir nach Kandidaten Ausschau halten.“ Für ihn steht der gute Kontakt, den Bernhard mit dem Gremium hat, im Vordergrund. „Er hat immer nach unserer Meinung gefragt“, lobt Hottmann.
Für Janick Burk (Grüne) ist klar: Mit den Städtepartnerschaften legte Bernhard den Fokus auf das Zwischenmenschliche. „Diesen Fokus konnten wir auch in den Sitzungen des Gemeinderats spüren, auch wenn wir nicht immer eine Meinung teilten, konnten wir im Vertrauen diskutieren und nach der Sitzung gesellig zusammensitzen.“ In der verbleibenden Amtszeit gebe es noch viel zu tun. Die Arbeit von Bernhard bezeichnet Esther Krain (SPD) als „konstruktiv, vertrauensvoll und leidenschaftlich“. „Es ist bewundernswert, wie viel er in der kurzen Zeit geschafft hat“, lobt Krain den Schultes. Gerade in den vergangenen zwei Jahren sei durch viel Umbesetzungen und freie Stellen in der Verwaltung die Arbeit auch nicht immer einfach gewesen für Bernhard. Die Ankündigung kam überraschend, aber sei nachvollziehbar, so Krain.
„Das war ein sehr emotionaler Abend“, sagt Martin Bernhard im Gespräch mit der BZ am Tag nachdem er sein Ausscheiden aus dem Amt verkündet hatte. Man stecke sich im Leben Ziele und in Tamm habe er in diesem Jahr nun einige erreicht, wie den Neubau der Grundschule Hohenstange, die Fertigstellung des neuen Feuerwehrhauses, die neue Bücherei mit der Ansiedlung neuer Ärzte im Zentrum der Stadt und auch die neue Städtepartnerschaft. „Das ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um dem Nachfolger oder der Nachfolgerin einen Start so vorzubereiten, dass er mit den neuen Projekten seine eigene Duftmarke setzen kann.“
Der noch 66-Jährige hätte sich bereits 2022 in den Ruhestand versetzen lassen können, doch damals habe es für ihn noch nicht gepasst. „Ich bin dankbar, dass mich die Bürgerinnen und Bürger wiedergewählt haben. Meine Arbeit gilt immer den Tammerinnen und Tammern.“ Verantwortung zu tragen für rund 12.400 Einwohner habe ihn auch in Demut durch den Arbeitsalltag als Bürgermeister gehen lassen.
„Gold wert“
Tamm habe tolle Vereine „mit Menschen mit denen können sie Pferde stehlen“, schwärmt Bernhard. Gerade das ehrenamtliche Engagement der Bürgerschaft freue ihn besonders als Schultes von Tamm. Und der konstruktive Dialog mit dem Gemeinderat sei „Gold wert“, lobt Bernhard die Zusammenarbeit mit dem Gremium. In den kommenden Monaten werde er nun noch das Thema Stadtgarten vorbereiten, denn er ist sich sicher: „Wir sollten Pläne für die Zukunft machen, die wir dann bei Bedarf aus den Schubladen holen können“, sagt Bernhard mit Blick auf die angespannte Finanzlage der Stadt.
Und die Pläne für die private Zukunft im Ruhestand? „Die Familie steht dann im Vordergrund“, stellt er klar. Seine Frau und die Familie habe in seiner Zeit als Bürgermeister viel zurückgesteckt. Ab Februar sei dann Zeit, um sich die Fußballspiele der Enkel anzusehen und das Kindergartenfest zu besuchen.