Tamm
: Amok-Alarm – Entwarnung nach Großeinsatz

Die Beamten durchsuchen am frühen Nachmittag die Real- und Grundschule, können aber keine verdächtige Person finden. Die Ermittlungen dauern.
Von
Claudia Mocek
Ludwigsburg
Jetzt in der App anhören

Zahlreiche Polizeibeamte wurden zu dem Einsatz nach Tamm geschickt.

/Martin Kalb

Ein Mädchen läuft seinem Vater entgegen und fällt ihm weinend in die Arme. „Lieber Geschichte als tot“, sagt ein anderes Mädchen zu seiner Mutter. Die Szenen, die sich am frühen Donnerstag Nachmittag rund um die Tammer Realschule abspielen, sind dramatisch und chaotisch. Gegen 13.45 Uhr erreichte den Polizeiposten in Tamm die Meldung, dass möglicherweise eine bewaffnete Person die Realschule in der Rilkestraße betreten habe.

Konkreter Hinweis

„Der Hinweis war so konkret, dass er zu einer hohen Polizeipräsenz geführt hat“, sagte Steffen Grabenstein, erster Polizeihauptkommissar und Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Die meisten der verfügbaren Polizeibeamten wurden nach Tamm geschickt, das Sondereinsatzkommandos (SEK) in Bereitschaft versetzt, auch ein Hubschrauber war laut Grabenstein im Einsatz. Die Beamten durchsuchten d

„Die Eltern waren aufgeregt“, sagte Dierk Marckwardt, der seitens der Polizei die Betreuung der Eltern vor Ort leitete. Das sei verständlich, denn in solchen Fällen seien die Informationen nicht so rasch verfügbar, wie es für alle Betroffenen gut wäre.

„Die Eltern waren fix und fertig“, sagten auch drei Betreuerinnen aus der benachbarten Grundschule. Gegen 14.30 Uhr brachten sie die Kinder ins Gebäude hinein und die Türen geschlossen. „Wir haben versucht, so ruhig wie möglich zu bleiben“, sagte Leiterin Margarete Schäfer. Bei dem Gang zur Toilette habe sie die Kinder begleitet. Die Betreuerinnen Birgit Weing-Kienle und Michaela Dietrich erzählen, dass sie die Uhren in den Klassenzimmern abgenommen haben, weil die Schulzeit um 15 Uhr normalerweise geendet hätte und sie Unruhe unter den Kindern vermeiden wollten. „Ihr habt heute alle Spätbetreuung“, hätten sie den Kindern gesagt.

Keine Verletzten

Verletzt wurde niemand. Die polizeilichen Ermittlungen dauerten am späteren Nachmittag noch an. Was genau passiert ist, ließ sich noch nicht genau sagen. Es könne sein, dass der Hinweisgeber sich vertan hat und es keine Schusswaffe gab, sagte Grabenstein. Es könne aber auch sein, dass ein Unbefugter die Schule betreten und wieder verlassen habe. Die dritte Möglichkeit ist, dass es keinen Verdächtigen gab. Auf jeden Fall werde der Hinweisgeber erneut kontaktiert.

Psychologische Betreuung

Der Tammer Bürgermeister Martin Bernhard, der an diesem Nachmittag nicht vor Ort war, erinnerte daran, dass es einen ähnlichen Fall bereits vor einem halben Jahr in Asperg gegeben habe. Schule und Polizei hätten damals wie heute „hervorragend reagiert“. Er vermutet, dass sich jemand einen zynischen Spaß erlaubt hat. Einen Spaß, der für Kinder, Eltern und Lehrkräfte schlimme Folgen haben könne. Die Stadt Tamm will daher auf die Schule zugehen und anregen, Psychologen für die Betreuung der Schüler hinzuzuziehen. „Wir werden die Schule auf jeden Fall darin unterstützen“, sagte Martin Bernhard auf BZ-Anfrage.

„Wir sind froh, dass nichts passiert ist“, sagt Polizeisprecher Grabenstein. Doch aus jedem Einsatz, ob Übung oder Ernstfall, könnten die Beamten etwas mitnehmen – für den nächsten Fall.