„Steingrube“ Oberriexingen: Investor sagt Supermarkt-Projekt ab

Am nördlichen Rand von Oberriexingen sollten ein Supermarkt, eine Bäckerei und Räume für medizinische Praxen entstehen. Jetzt hat die Wohnbau Oberriexingen das Projekt gestoppt.
/KüppersEnde Februar vorigen Jahres hatten sich die Oberriexinger in einem Bürgerentscheid mehrheitlich für den Bau eines Supermarkts am nördlichen Ortsrand Richtung Sersheim ausgesprochen. Ein Penny-Markt mit einer bis zu 800 Quadratmeter großen Verkaufsfläche soll entstehen; im Obergeschoss sind Praxisräume vorgesehen und dazu ein Neubau für die Oberriexinger Bäckerei Laier mit Café und Drive-in-Konzept. Doch daraus wird wohl vorerst nichts. Der Investor, das lokale Bauunternehmen Wohnbau Oberriexingen (WO), hat das Vorhaben „Steingrube“ eigenen Angaben nach gestoppt. Bürgermeister Ron Keller und den Gemeinderat habe man über die Entscheidung informiert.
Es sei ein schwerer Schritt am eigenen Firmensitz, heißt es in der Pressemitteilung der WO. Grund dafür, dass man das Projekt an der Sersheimer Straße nicht weiterverfolge, seien die Kosten. Im Verlauf des Verfahrens seien die Aufwendungen für die Erschließung um rund 100 Prozent gestiegen. „Damit ist das Vorhaben für die WO wirtschaftlich nicht mehr darstellbar.“
Seit dem Start des Verfahrens hätten sich die Rahmenbedingungen für das Projekt deutlich verschlechtert, schildert das Unternehmen weiter. Für die Verdopplung der Kosten binnen nicht einmal zwei Jahren habe nicht ein einzelner, sondern die Summe vieler Faktoren gesorgt. Die WO nennt zusätzliche und umfangreichere Gutachten, gestiegene Bau- und Erschließungskosten, höhere Finanzierungskosten und zusätzliche Aufwendungen, etwa für den ökologischen Ausgleich. Damit trage die ursprüngliche Kalkulation wirtschaftlich nicht mehr. Auf der Einnahmenseite lasse sich die Steigerung nicht ausgleichen, denn die Mieten für einen Lebensmittelmarkt und einen Handwerksbetrieb seien eng kalkuliert und könnten nicht beliebig angehoben werden. Auch eine Anfrage bei der Stadt Oberriexingen, ob sie sich an den Mehrkosten beteiligen kann, habe zu keiner Lösung geführt.
Planungskosten trägt die WO
„Wir haben an allen Stellschrauben gedreht. Am Ende blieb eine Lücke, die wir nicht schließen konnten“, sagt WO-Geschäftsführer Kim Hasenhündl. „Dass auch die Stadt hier keinen Spielraum hat, respektieren wir.“ Die bisher angefallenen Kosten für Planung und Gutachten in Höhe von rund 150.000 Euro müsse sein Unternehmen selbst tragen. Ob eine Fortführung unter anderen Vorzeichen möglich wäre, will die WO nicht gänzlich ausschließen. Sollten sich die wirtschaftlichen oder strukturellen Rahmenbedingungen grundlegend verändern, beispielsweise durch eine andere Verteilung der Erschließungskosten oder andere Beteiligungsmodelle, wäre grundsätzlich auch eine andere Konstellation für das Projekt denkbar, heißt es auf Nachfrage. Aktuell gibt es dafür aber keine Chance, wie Bürgermeister Keller erläutert.
„Wir dürfen gar kein Geld dazugeben“, sagt er. Der Kommune sei das gemäß EU-Beihilferecht nicht erlaubt, weil sie kein einzelnes Unternehmen finanziell besserstellen dürfe. Außerdem handele es sich bei dem laufenden Verfahren, das kurz vor dem Abschluss gestanden habe, um einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Deshalb könne man nicht einfach einen anderen Investor finden und weitermachen. Zunächst müsse das Bebauungsplanverfahren „Steingrube“ für den geplanten Penny-Markt aufgehoben werden. „Das ist eine notwendige Formalie“, sagt Keller. Das wird am kommenden Dienstag, 20. Oktober, in der Gemeinderatssitzung thematisiert. Was danach folge, sei noch offen. „Wir sind ja frei zu entscheiden, wie wir weitermachen“, sagt der Bürgermeister.
Das Vorhaben sei an den Kosten gescheitert – ein Punkt, an dem die Kommune wenig ändern könne. Zumal die Verwaltung vor dem Bürgerentscheid damit geworben habe, das Projekt bleibe für die Kommune kostenneutral. Keller: „Im Hintergrund glühen bei uns aber schon die Köpfe, wie es weitergehen kann.“ Dem Gemeinderat dürfte es ähnlich gehen. „Ich bedauere es sehr, dass das Projekt jetzt gestoppt wurde“, sagt Gemeinderat Erich Bannert. Die Vorbereitungen dafür hätten lange gedauert, auch angesichts bürokratischer Vorgaben.
Mit der Entscheidung des Investors müsse man nun leben. Nichtsdestotrotz habe die Mehrheit der Bürger für den Lebensmittelmarkt gestimmt. Er gehe daher davon aus, dass „wir Oberriexinger im Gemeinderat weiterhin eine Bebauung dort anstreben“, damit die Einwohner dort eine Einkaufsmöglichkeit hätten.
Erster Bürgerentscheid der Stadt
Die Frage, ob und wie ein Supermarkt am Rand von Oberriexingen entstehen könnte, hatte Einwohner lange bewegt. Für und Wider waren unter anderem bei einer Einwohnerversammlung zur Sprache gekommen. Gegner des Bauvorhabens kritisierten dabei unter anderem, dass für das Projekt eine große Fläche versiegelt werden würde anstatt diese für die Regenrückhaltung zu nutzen. Außerdem gehe eine Frischluftschneise verloren und der Ort sei bereits gut mit Einkaufsmöglichkeiten versorgt.
Beim Bürgerentscheid am 23. Februar 2025, dem ersten in der Geschichte der Stadt, hatten sich schließlich 69 Prozent der Beteiligten für das Projekt ausgesprochen. „Dieses Votum war für uns Auftrag und Ansporn zugleich. Umso mehr bedauern wir, dass wir das Projekt nicht realisieren können“, sagt WO-Chef Hasenhündl. „Zugleich bedeutet Verlässlichkeit für uns auch, ehrlich zu sagen, wenn eine Rechnung nicht mehr aufgeht. Wir können nur für Vorhaben einstehen, die wir sicher und wirtschaftlich zu Ende bauen können.“