Steillagen
: Mundelsheim wird Weingut

Rettung für spektakuläre Steillage: Die Gemeinde pachtet die Weinberge der Hofkammer Württemberg am Käsberg und bewirtschaftet sie selbst.
Von
Michael Soltys
Besigheim
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Die Gemeinde betreibt künftig selbst die Weinberge der Hofkammer Württemberg am Käsberg.

/ Martin Kalb

Wie groß die Not im Weinbau der Region ist, zeigte eine Nachricht von Anfang September: Die Hofkammer Württemberg kündigte an, ihren Weinberg am Mundelsheimer Käsberg aufzugeben. Eine der bekanntesten Weinlagen Württembergs drohte zur Brache zu verkommen.

Im Königshäusle von 1819, mitten zwischen den oberen Rebzeilen, soll Wilhelm I. von Württemberg entspannte Tage verbracht und die Aussicht auf den Neckar genossen haben. Heute dient die frühere Weinberghütte als Ziel für Wanderer und Ausflügler.

2,6 Hektar Fläche für nur vier Euro pro Jahr

Dass dort die Reben ausgerissen werden, war vielen Mundelsheimern ein unvorstellbarer Gedanke. Zu viele Erinnerungen hängen daran und zu bedeutend ist der Weinberg auch für den Tagestourismus der Gemeinde. Das ist Bürgermeister Boris Seitz ebenso klar wie seinem Gemeinderat. An diesem Donnerstag beschloss das Gremium deshalb einstimmig, selbst in den Weinbau einzusteigen und den rund 2,6 Hektar großen Weinberg zu pachten.

Lediglich vier Euro Pachtzins muss die Gemeinde jährlich an die Hofkammer überweisen, sieht der Vertrag vor. Steillagen-Weinberge sind für Wengerter nicht attraktiv. Sie sind deshalb so günstig zu haben, weil sie Handarbeit erfordern und der Arbeitsaufwand sehr hoch ist.

In Zeiten eines sinkenden Weinkonsums rechnet sich dieser Aufwand nicht. Viele Wengerter haben bereits aufgegeben. Immer sichtbarer werden die Brachen entlang des Neckars zwischen Besigheim und Pleidelsheim. Seitz und dem Gemeinderat geht es darum, ein Zeichen zu setzen, dass Mundelsheim hinter dem Weinbau steht. Die Wengerter im Ort, die ebenfalls Besitz in den steilen Lagen haben, sollen motiviert werden, „bei der Stange zu bleiben“, sagte Seitz im Gespräch mit der BZ. Wengertern, die hoffen, jetzt selbst ihren Weinberg an die Gemeinde abgeben zu können, machte der Bürgermeister allerdings eine Absage. „Wir wollen uns auf die Weinberge der Hofkammer konzentrieren.“

Mundelsheim geht mit der Pacht der Weinberge bewusst ins Risiko, fuhr Seitz fort. Alle Kosten sind noch nicht berechnet. Doch es droht ein jährliches Defizit von rund 30.000 Euro, das aus der Kasse der Gemeinde gedeckt werden muss. „Weinbau ist keine originäre Aufgabe einer Gemeinde“, sagte Seitz, „niemand hat wirklich Lust darauf“.

Doch der Weinberg der Hofkammer liegt mitten im Käsberg und prägt entscheidend das Ortsbild, begründet er das Engagement. Läge er am Ortsrand, hätte die Gemeinde womöglich anders entschieden, machte Seitz deutlich.

Neuer Mitarbeiter soll sich um die Weinberge kümmern

Mit der Pacht ist es nicht getan. Die Gemeinde will einen eigenen Mitarbeiter in Vollzeit einstellen, der sich um die Weinberge kümmert. Für drei Jahre wird Mundelsheim laut dem Beschluss in die Bewirtschaftung des Weinberges einsteigen. Die Trauben der Sorten Spätburgunder, Trollinger, Syrah und Cabernet Sauvignon werden an die Genossenschaft der Lauffener Weingärtner verkauft. Ihr gehören fast alle Wengerter in Mundelsheim an. Schon seit dem vergangenen Jahr ist auch die Gemeinde selbst Mitglied. Nach Ablauf der drei Jahre soll der Vertrag auf seinen Nutzen überprüft werden.

Rebschnitt und Pflanzenschutz, Laubarbeiten und Bewässerung - das alles sind die Aufgaben des neuen Mitarbeiters. Doch er soll auch die Lese organisieren und freiwillige Helfer gewinnen und neue Veranstaltungen rund um den Wein organisieren. Die Bewirtschaftung von Weinbergen, die schon bisher im Besitz der Gemeinde sind, gehört ebenfalls zu seinen Aufgaben. Das sind laut Seitz rund 50 Ar, verstreut auf der Gemarkung.

Bei der Lese werden der Bauhof und das Rathaus auch selbst aktiv werden müssen. „Wir haben die Rebscheren schon auf Lager“, sagte Seitz.