Stadtbücherei Tamm
: „Menschen brauchen einen Austauschort“

Mit flexiblen Arbeitsplätzen, erweiterten Öffnungszeiten und vielen neuen Ideen soll die Tammer Stadtbücherei ein neuer Treffpunkt im Zentrum der Stadt werden.
Von
Petra Neset-Ruppert
Tamm
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Büchereimitarbeitern Dersireé Tripi (links) und Leiterin Stefanie Uhl fühlen sich wohl in der neuen Stadtbücherei und freuen sich über viele neue Besucher.

/Oliver Bürkle

Hell, freundlich und vor allem bei heißen Außentemperaturen angenehm kühl, so empfängt einen die neue Stadtbücherei im Herzen von Tamm. Direkt gegenüber des Rathauses können Besucher die neuen Büchereiräumlichkeiten seit 4. August nun nutzen. Bei einem Rundgang wird schnell klar: Hier sitzt keine Bibliothekarin am Tresen, die „pssst“ ruft und einen strengen Blick nachwirft. Nein, hier sitzt manchmal sogar gar keine Bibliothekarin, denn die neue Bücherei hat ein Open Library Konzept (die BZ berichtete). Dadurch können Besitzer eines Büchereiausweises auch außerhalb der Öffnungszeiten die Bibliothek eigenständig nutzen.

„Die Open Library wird schon sehr gut angenommen. Seit der Eröffnung haben wir viele neue Besucher bekommen, die durch die Open-Library-Zeiten sagen ‚jetzt lohnt es sich vorbeizukommen“, sagt Stadtbüchereileiterin Stefanie Uhl. Auch die zentrale Lage habe dazu geführt, dass deutlich mehr Besucher in die Bücherei kommen und sich auch gleich einen Ausweis haben ausstellen lassen.

Erweiterte Öffnungszeiten durch Open Library Konzept

„Menschen brauchen einen Austauschort“, erklärt Uhl und zeigt damit auf wohin es mit der neuen Stadtbücherei gehen soll. Denn nicht nur zum Bücher ausleihen ist die Stadtbücherei da. Es gibt einen Arbeitsbereich, den jeder unkompliziert ohne Anmeldung nutzen kann, den man sogar mit mobilen Lärmschutzwänden ausstatten kann, eine Gemeinschaftsküche und voraussichtlich ab Herbst dann auch einen Lesegarten, in dem man Zeit verbringen kann.

Wer während der Open Library Zeiten in die Bücherei möchte, hält am Eingang einfach seinen Büchereiausweis an ein kleines Kästchen und schon öffnen sich die Türen. Momentan kann die Open Library außerhalb der Öffnungszeiten dienstags bis freitags von 8 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr genutzt werden. Für die Zukunft ist eine Erweiterung dieser Zeiten dienstags bis samstags von 8 bis 20 Uhr geplant. „Vielleicht bieten wir in Prüfungsphasen auch mal längere Zeiten an, das müssen wir dann sehen“, sagt Uhl.

Rund 12.000 Medieneinheiten galt es vor dem Umzug in die neue Bücherei vorzubereiten. Mit einem Transponder mussten diese versehen werden, damit die Medien auch während der Zeiten in denen kein Büchereipersonal zur Verfügung steht, an speziellen Terminals ausgeliehen werden können. „Wir haben uns den alten Bestand dann angeschaut und überlegt was wir von den rund 20.000 Medieneinheiten mit an den neuen Standort nehmen“, erklärt Uhl.

Noch gebe es Platz in den Regalen und auch bei er Nutzung der Räume in der Bücherei ist man flexibel: „Nur die Regale an den Wänden sind fest. Alle anderen Regale haben Rollen und können bei Bedarf auch verschoben werden.“ Denn die Stadtbücherei soll ein lebendiger Raum für alle sein, steht für Leiterin Uhl fest, die gerade nebenbei an der Uni Zürich ihre Promotion zum Thema „Bibliotheken als Orte der Menschenrechtsbewegung“ schreibt.

Ideen gibt es bereits viele, auch dank des Freundeskreises der Bücherei in dem verschiedenste Menschen zusammen gekommen sind, um zu überlegen wie die Bücherei sich entwickeln kann. „Da gab es schon so tolle Ideen“, schwärmt Uhl. So machte ein Freundeskreismitglied darauf aufmerksam, dass auch für Senioren die Bücherei ein wichtiger Ort sei. „Eine Dame wird bei uns jetzt E-Reader-Sprechstunden für Senioren anbieten“, freut sich Uhl.

„Aber der Start war schon richtig gut“

Auch die seit vielen Jahren bestehende Krabbelgruppe sowie in diesem Jahr eine neue Plätzchentauschbörse sollen den Austausch fördern. „Natürlich müssen wir jetzt erst noch sehen, wie sich alles einpendelt und das Ein oder Andere werden wir sicher noch mal nachjustieren müssen, aber der Start war schon richtig gut“, sagt Uhl und freut sich auf den Austausch mit altbekannten und neuen Besuchern der Stadtbücherei.

Lesetipps für die Sommerferien

Die Büchereileiterin Stefanie Uhl empfiehlt Leseratten ab zehn Jahren die Sommerby-Bücher von Kristen Boie, die einen in den Ferien auf Abenteuer mitnehmen können.

Wer entschleunigen will, dem empfiehlt Uhl die Bücher des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami. Auch die Bücher von Dora Heldt seien immer ein guter Lesestoff.

Wer im Sommernachts Open Air Kino Glennkill anschauen will, dem empfiehlt Uhl auch die Krimireihe rund um Agnes Sharp, die mit ihrer Senioren-WG Kriminalfälle löst.

Wer gerne Bestseller liest, sollte auch in Tamm vorbeischauen „denn die Bestseller waren häufig kein Thema“ bei den Lesern und stehen daher meist zum Ausleihen bereit, verrät Uhl.