Spanischer Weltstar bezirzt Füchse-Boss
: Hanning adelt SG-BBM Coach Romero

Der Geschäftsführer der Füchse Berlin widmet seinem einstigen Kapitän in seiner Biografie ein eigenes Kapitel. Dabei hatte Hanning den Spanier seinerzeit zunächst gar nicht verpflichten wollen.
Von
Sebastian Klaus
Bietigheim
Jetzt in der App anhören

Zwei, die sich schon lange schätzen: der Füchse-Boss Bob Hanning (links) und sein damaliger Kapitän Iker Romero – heutiger Trainer der SG BBM Bietigheim – im August 2014. ⇥

Camera 4/Imago

Als Bob Hanning vor wenigen Monaten seine Autobiografie vorstellte, erhielt der langjährige DHB-Vizepräsident und Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin genau das, was er sich erhofft hatte: Aufmerksamkeit. Dies lag nicht nur am knackigen Titel des Buches „Hanning. Macht. Handball.“ oder am Umstand, dass sich der über lange Jahre wohl mächtigste Mann im deutschen Handball für das Cover auf einem Thron ablichten ließ, sondern vor allem am Inhalt. Hanning rechnete auf 233 Seiten gnadenlos mit alten Weggefährten ab. Vor allem Weltmeister-Trainer Heiner Brand bekam ordentlich sein Fett weg.

Doch der 54-jährige Hanning kritisierte nicht nur, sondern drückte hin und wieder auch anderen Handballern seine Achtbarkeit aus. Besonderes Lob und Anerkennung erhielt dabei der heutige Trainer der SG BBM Bietigheim, Iker Romero. Ein eigenes Kapitel widmete Hanning gar seinem ehemaligen Schützling, der zwischen 2011 und 2015 seine letzte Station als Spieler in der Hauptstadt verbracht hatte und den der gebürtige Essener als besten Spieler der Klubhistorie titulierte. Darin gibt der Füchse-Macher auch Einblicke, wie es seinerzeit zum Wechsel Romeros vom großen Weltklub FC Barcelona zu den damals noch recht unbedeutenden Füchsen gekommen war. Und der war durchaus kurios: Im Herbst 2010 hatte eine unbekannte spanische Nummer Hanning auf dem Handy angerufen. Am Apparat war der Agent Romeros, der dessen Interesse bekundete, nach Berlin zu wechseln. Ein Weltstar und Champions-League-Sieger wie Romero bei den Füchsen? Hanning jedenfalls dachte an einen Scherz.

Für kritische Transfers – und Romero war aufgrund seiner langen Verletzungshistorie so einer – hatten Hanning und sein Trainer Dagur Sigurdsson das Ampelsystem erfunden. Das heißt, nur wenn Trainer und Geschäftsführer grünes Licht gäben, würde ein Wechsel zustande kommen. Bei Hanning leuchtete die Ampel im Fall Romero dunkelrot und auch von Sigurdsson gab es ein Veto. „Iker würde teuer sein, die Position im Rückraum bei uns war gut besetzt und wir hatten keinerlei Erfahrungen mit Profis aus Spanien. Auch Dagur hatte seine Zweifel, ihm war die hohe Verletzungsanfälligkeit ein Dorn im Auge“, berichtet Hanning. Also beschloss man gemeinsam, Romero abzusagen.

Da dies bei einem Spieler vom Format Romeros aber nicht am Telefon ging, vereinbarten Hanning und der heutige SG BBM-Coach im Januar 2011 im Rahmen der WM in Schweden ein Treffen. Danach griff Hanning zum Telefon und rief seinen Trainer an: „Dagur, wir haben ein Problem. Meine Ampel ist hellgrün“, erklärte Hanning dem völlig perplexen Sigurdsson. Mit seiner Art, über Handball zu sprechen, seinen Ansichten über Teamführung und seiner positiven Art hatte der Spanier den Füchse-Chef bezirzt. „Wenn er gesund ist, ist er genau der Spieler, den wir in Berlin brauchen“, schreibt Hanning.

Nun musste allerdings auch noch Sigurdsson überzeugt werden. Doch das ging nach einem persönlichen Gespräch mit Romero in Berlin schnell. „Bob, du hast recht. Den müssen wir holen.“ Eine Warnung bekam der Coach allerdings nach einem ausführlichen Medizincheck seines künftigen Rückraumshooters vom Mannschaftsarzt mit auf den Weg: „Du kannst ihn aber nicht trainieren wie einen jungen Spieler. Wenn ihr laufen geht, muss er aufs Fahrrad. Wenn du ein dosiertes Training mit ihm hinbekommst, kann er den Profisport noch ein paar Jahre machen.“

Verhandlungen ums Gehalt

Detailliert beschreibt Hanning dann die folgenden Vertragsgespräche. „Wir sind nicht Kiel oder Flensburg oder die Rhein-Neckar Löwen. Wir sind Berlin. Das ist nicht das, was du glaubst“, habe der Füchse-Boss seinem möglichen Neuzugang verklickert. „Money no problem“ soll Romero geantwortet haben. Doch als Hanning dann dem Star aus Barcelona mitteilte, dass die drei Berliner Bestverdiener lediglich zwischen 9000 und 11 000 Euro netto im Monat bekämen, musste auch Romero schlucken. „Bob, that´s not much“, soll er gesagt haben, erinnert sich Hanning. Und auch an seine Antwort: „Iker, that´s much.“ Eine Minute lang habe man sich daraufhin angeschwiegen, bis Romero schließlich mitteilte: „I will do.“ Hanning: „Für neun oder für elf?“ Romero: „Bob, please respect.“ Und das war es: Damit stand das künftige Gehalt Romeros fest.

Erstes Training läuft nicht rund

Und auch das erste Training mit seinem Hoffnungsträger hat Hanning noch im Kopf. „Beim Warmmachen lief er alles andere als rund, und seine Torwürfe waren eher Rückgaben als die erhofften Geschosse“. Hanning schwante jedenfalls Böses: „Ach du Schande, was haben wir uns da für ein Ei ins Nest legen lassen.“ Doch die ersten Ängste verflüchtigten sich schnell und Romero wurde tatsächlich der erhoffte Anführer, der mit dem Klub schließlich 2014 den DHB-Pokal sowie 2015 den Europapokal gewinnen sollte. „Ob Trainer, Mitspieler, Klubangestellte oder Fans – alle liebten Iker. Er war eine Frohnatur, immer höflich und zuvorkommend abseits des Spielfelds. Und auf dem Feld eine Maschine.“

Angesprochen auf das ihm gewidmete Kapitel muss Iker Romero im Gespräch mit der BZ erst einmal lachen. Natürlich habe er es gelesen, berichtet der 41-Jährige. Doch entsprechen die Schilderungen auch den Tatsachen? „Alles, was Bob geschrieben hat, stimmt total“, sagt Romero. „Ich bin natürlich stolz, dass er so etwas über mich schreibt. Aber die Sache mit dem besten Spieler ist relativ. Es ist nur seine Meinung“, sagt Romero. Und auch an das erste Treffen mit Hanning in Schweden kann er sich heute noch gut erinnern. „Wir hatten ein richtig gutes Gespräch“, sagt Romero über den Espresso-Marathon in einem Hotelfoyer in Kristianstad.

Und auch wenn das Füchse-Kapitel schon vor einigen Jahren beendet wurde, denkt Romero noch immer gerne an die guten alten Zeiten zurück. „Es war eine richtig tolle Zeit in Berlin. Und mit Bob bin ich immer in Kontakt geblieben. Er ist bis heute ein guter Freund.“