SGV Freiberg: „Die Physis der Kickers hat uns aufgefressen“

Freibergs Torwart Eric Gründemann grätscht in der 32. Minute Kickers-Kapitän David Braig ab.
Eibner-Pressefoto/Naman KalaDie Fußballer des SGV Freiberg hatten es nach der 0:1 (0:0)-Niederlage in der Regionalliga beim SV Stuttgarter Kickers ganz eilig. Während sich die Gastgeber noch von ihren Fans auf dem Rasen feiern ließen, weil sie dem Druck standhielten und nun aus der Poleposition im Rennen um den Meistertitel ins Saisonfinale in einer Woche gehen, flüchteten die Freiberger fast schon aus dem Gazi-Stadion auf der Stuttgarter Waldau.
Freiberger wollen schnell weg
Michael Gelt wollte so schnell wie möglich ins Krankenhaus. Der Torwart der Wasen-Elf erlitt nach einem heftigen Zusammenprall mit Innenverteidiger Yannick Osée nach rund einer Viertelstunde ein blaues Auge. inklusive Platzwunde sowie eventuell eine Gehirnerschütterung und zumindest eine Rippenprellung „Es läuft Blut in die Schwellung über dem Auge. Außerdem habe ich Schmerzen im Brustbereich und mein Kopf tut weh“, berichtet der 22-Jährige. Andere hatten private Termine. Manche wollten zum Flughafen, es stand ein Kurztrip nach Mallorca auf dem Plan. Und wieder andere waren nur bedient.
„Das war mit das schlechteste Spiel der Saison gegen einen Gegner, der nur lange Bälle gespielt hat und auf die zweiten Bälle gegangen ist. Wir haben gar nichts gezeigt“, echauffiert sich der Sportliche Leiter Dieter Gerstung und mutmaßt, dass es an der Kulisse lag. 8650 Zuschauer fanden den Weg ins Gazi-Stadion.
„Das ist absoluter Quatsch. Viele Jungs, ich auch, haben schon oft vor solchen Kulissen gespielt. Das hat gar nichts mit dem zu tun, was wir geleistet haben – null Komma null“, erklärt SGV-Kapitän Marco Kehl-Gomez, zeigt sich aber auch angefressen: „Wir haben kein gutes Spiel gemacht, nicht unseren Fußball gespielt, sondern viel mit langen Bällen operiert.“
Ballbesitzphasen waren auf der Waldau auf beiden Seiten Mangelware. Meist war das Spielgerät bereits nach zwei, maximal drei Pässen wieder beim Gegner. „Die starke physische Ausrichtung der Kickers hat uns aufgefressen. Die Stuttgarter haben unser Spiel zerstört, waren sehr aggressiv und haben uns wehgetan – und so sind wir nicht ins Spiel gekommen“, berichtet SGV-Trainer Roland Seitz. Und sein Gegenüber Mustafa Ünal ergänzt: „Wir wollten viel Intensität reinbringen und die Zuschauer hinter uns bringen. Und was sie abgezogen haben, war der Wahnsinn. Dann war es für uns auch nicht schwer, so eine Energieleistung abzurufen.“
Polauke setzt ein Zeichen
Sinnbildlich dafür war eine Szene Mitte der zweiten Halbzeit: Nachdem Paul Polauke Filimon Gerezgiher so abgegrätscht hatte, dass der Ball vom Bein des Freibergers ins Toraus prallte, baute sich der in Ingersheim aufgewachsene der Kickers-Innenverteidiger vor Gerezgiher auf (70.). „Ich wusste, dass wir positive Emotionen auf den Platz bringen mussten. Das wollte ich rüberbringen“, berichtet Polauke.
Das Tor des Tages erzielte Daniel Kalajdzic (55.). Nach einer Flanke von David Braig, setzte sich der Kickers-Stürmer geschickt etwas von Osée ab und köpfte zum 1:0 ein. Die Stuttgarter hätten allerdings noch den einen oder anderen Treffer mehr erzielen können. Bereits in der fünften Minute brannte es lichterloh im SGV-Strafraum, als Braig am kurzen Pfosten über den Ball trat und dahinter Tim Littmann Christian Mauersberger am Torschuss hinderte. Weitere Chancen hatten Lukas Kiefer (30.), Braig und Kalajdzic (32.) und Sinan Tekerci (45./60.). Dazu köpfte Ruben Reisig fast ins eigene Netz (74.).
Die Freiberger spielten ihre Angriffe dagegen oft ungenau aus. So ging eine Kopfballvorlage von Iosif Maroudis ins Niemandsland, statt Mike Feigenspan zu finden, der durch gewesen wäre (38.). Und bei einer Flanke von Neal Gibs segelte Lukas Krüger am langen Pfosten unter dem Ball durch (63.). So war ein Schuss von Feigenspan, den aber Kickers-Torwart Felix Dornebusch sicher hatte, die beste Chance für den SGV (45.+5). Michael Nachreiner