SG BBM Bietigheim
: Herbe Klatsche im Schwaben-Derby

Wie so oft in dieser Saison verliert die SG BBM in der Handball-Bundesliga, weil sie nach der Halbzeit einbricht. So gibt es die deutliche 29:39-Pleite gegen den TVB Stuttgart.
Von
Niklas Braiger
Bietigheim
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Lange Gesichter bei der SG BBM Bietigheim. Trainer Hartmut Mayerhoffer (rechts) und seine Spieler bekommen vom TVB Stuttgart eine Abreibung.

/Marco Wolf

Eigentlich sollte es bekannt sein, dass Misha Kaufmann als Trainer des TVB Stuttgart ein großer Fan des taktischen Systems ist, im Angriff mit vier Rückraumspielern zu spielen. Doch scheint die SG BBM Bietigheim am zehnten Spieltag in der Handball-Bundesliga insbesondere in der zweiten Halbzeit nicht mit der Aufstellung der Gastgeber klarzukommen. Über 90 Prozent aller Würfe des TVB finden daher in Durchgang zwei den Weg ins Netz, so verlieren die Ellentäler krachend mit 29:39.

„In der Abwehr kriegen wir den Zugriff nicht. Am Ende kann es nicht sein, dass wir in der Vorwärtsbewegung den Ball so leicht herschenken. Es ist okay, wenn man ein Spiel verliert. Aber am Ende mit Minus zehn rauszugehen kann nicht der Anspruch sein“, ist SG-Coach Hartmut Mayerhoffer nach dem Schwaben-Derby, das sich für seinen Gegenüber Kaufmann „nicht richtig wie ein Derby“ angefühlt, bedient.

Bietigheim erwischt einen guten Start in die Begegnung

Dabei kommt Bietigheim besser in die Partie. Mathias Larson setzt nach zweieinhalb Minuten den ersten Stich für die Ellentäler, die den Gastgeber erst nach vier Minuten zum ersten Tor kommen lassen. HBL-Top-Torschütze Kai Häfner erzielt seinen ersten von am Ende elf Treffern zum zwischenzeitlichen 1:2. Nun sind beide Teams aufgewacht, leisten sich offensiv aber zu viele Fehler. Auch dadurch gelingt es dem TVB beim 6:4 durch Malte Donker erstmals mit zwei Toren in Führung zu gehen.

Beeindrucken lassen sich die Bietigheimer davon aber nicht. In einem defensivgeprägten Spiel mit vielen Stoppfouls und noch mehr Siebenmeter-Würfen (am Ende sieben pro Seite) findet die SG BBM in der ersten Überzahl wieder in die Spur und geht in Front. Von 7:9 drehen sie die Partie auf 11:10. Auch Torhüter Martin Tomovski ist von einem harten Gesichtstreffer nach rund 20 Minuten nicht eingeschüchtert.

Doch Bietigheim kommt offensiv nach und nach ins Stocken. Sechs Minuten ohne eigenen Treffer kurz vor der Pause überstehen sie immerhin einigermaßen schadlos, dennoch geht es mit einem 15:16-Rückstand in die Kabine. Nach dem Seitenwechsel ist es dann bei den Männern von der Enz ein eigentlich typisches Stuttgarter Phänomen – zumindest im Fußball. Da war es in den vergangenen Wochen so, dass der VfB in der Bundesliga zumeist die Phase nach der Halbzeitpause verschlief und wackelte. Dieses Mal scheint die SG vom nur wenige Meter von der Porsche-Arena entfernten Neckarstadion angesteckt zu sein. Drei schnelle Treffer der Landeshauptstädter sorgen für ein Vier-Tore-Poster (19:15, 32.).

„Wir kommen ganz schlecht aus der Halbzeit raus und spielen eine sehr schlechte zweite Halbzeit“, resümiert Mayerhoffer, der nach 38 Minuten zur Auszeit greifen, seine Männer liegen da mit 19:25 hinten, Bietigheim ist vor allem im Angriff weiterhin zu fehleranfällig und scheitert nun immer wieder an Mohamed El-Tayar im Stuttgarter Kasten. Wieder sind es über achteinhalb Minuten ohne Treffer aus dem Spiel heraus, einzig Alexander Pfeifer versenkt sicher die Siebenmeter, die seine Mitspieler herausholen. Lukas Wucherpfennig beendet die Dürre in der 43. Minute mit dem 20:25.

Mangelhafte Abwehrleistung und kaum Paraden

Während die SG um jeden Treffer hart kämpfen muss und sich gegen die 6-0-Deckung der Stuttgarter enorm schwer tut, scheint es für die Hausherren beinahe mit Leichtigkeit zu gehen, die Bietigheimer Defensive auseinanderzuziehen und zu freien Abschlüssen zu kommen. So sind auch die Keeper der Ellentäler größtenteils machtlos. Nur sechs Paraden sammeln Tomovski (vier) und Jan Hrdlicka (zwei) gemeinsam insgesamt.

Daher greift Mayerhoffer nur zehn Minuten nach der ersten Auszeit direkt zur zweiten. Es scheint aber weiterhin wie verhext, selbst in doppelter Überzahl bekommt es die SG nicht sauber ausgespielt und verbucht einen technischen Fehler. Der TVB ist einfach wacher und steht Defensiv stabil. So bleibt eine Aufholjagd des Aufsteigers aus, Amine Darmoul sorgt fünf Minuten vor Schluss mit dem 34:27 für die Vorentscheidung. Am Ende wird es sogar noch eine deutliche Angelegenheit für die SG BBM, die mit 29:39 nach Hause fahren muss.