SG BBM Bietigheim
: Befreiungsschlag im Schwaben-Derby

Nach sieben sieglosen Spielen gewinnt die SG BBM Bietigheim in Göppingen mit 29:25. Die Abwehr der Ellentäler ist am Ende der entscheidende Faktor. 
Von
Niklas Braiger
Bietigheim
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Abwehrchef Nikola Vlahovic (links) hat zwar im Derby alle Hände voll zu tun, macht seinen Job aber überragend und sorgt mit einer erstklassigen Defensivleistung für den Auswärtssieg.

Marco Wolf

Endlich. Endlich spult die SG BBM Bietigheim über 60 Minuten ihre Bestleistung ab. Endlich belohnt sich die Mannschaft für den Aufwand. Endlich brechen die Ellentäler nicht kurz vor Schluss ein. Und endlich gelingt der zweite Saisonsieg in der Handball-Bundesliga. Ausgerechnet im Schwaben-Derby bei Frisch Auf Göppingen gewinnen die Männer von Trainer Hartmut Mayerhoffer mit 29:25 und feiern nach dem Sieg mit den mitgereisten Fans im Auswärtsblock.

Hut ab vor den Fans

„Unsere Fans sind fantastisch. Es war ein kleiner Block, der einen Riesenradau gemacht hat, sich über 60 Minuten die Kehle aus dem Leib geschrien hat und wir haben das sehr gemerkt. Die Leute haben uns sehr durch dieses Spiel gebracht“, zollt der Coach der SG BBM nach dem Spiel seinem Anhang Respekt. Auch sein Gegenüber Ben Matschke lobt: „Beide Fanlager haben es heute zu etwas Besonderem gemacht.“

Denn die „Hölle Süd“, wie die EWS-Arena in Göppingen genannt wird, verleiht der Partie einen absoluten Derby-Charakter. „Ohne uns wär hier gar nichts los“, skandieren die Bietigheimer Fans phasenweise, als die Göppinger Zuschauer immer leiser und leiser werden, weil die Begegnung zu Gunsten der Gäste kippt. Doch auch die Frisch-Auf-Anhänger geben sich nicht auf und peitschen bis zum bitteren Ende ihr Team weiter an.

Der Antreiber der Defensive

Auch auf der Platte ist Feuer drin. Das Spiel ist geprägt von einer knüppelharten Abwehrreihe der Bietigheimer, immer wieder gibt es harte Fouls, die allerdings beinahe immer im Rahmen des Erlaubten sind. Nach jeder gelungenen Abwehraktion feiern sich die Spieler ab. Auch kleinere Nickeligkeiten und Schulterchecks sind an der Tagesordnung: „Das war alles sportlich und gehört im Handball auch dazu, mal eine Schulter links und rechts zu geben“, erklärt SG-Abwehrboss Nikola Vlahovic im Nachgang, dem Mayerhoffer in der Pressekonferenz ein Extralob ausspricht: „Er ist der absolute Chef bei uns in der Abwehr und er hat diese Abwehr verinnerlicht wie wenige andere. Die letzten Spiele hat man schon gemerkt, wie wichtig er für uns ist.“

Dabei kommt die Defensive in Halbzeit eins noch nicht so zum Zug, wie später in der Partie. Beide Seiten schaffen es in den ersten 20 Minuten nicht, sich mit mehr als zwei Toren abzusetzen, es ist ein ausgeglichenes Derby mit zwei gut funktionierenden Offensivreihen. Auch die Torhüter auf beiden Seiten finden kaum Stiche, auch dadurch bedingt, dass die Schützen immer wieder zu freien Abschlüssen kommen. Erst zehn Minuten vor der Pause setzen sich die Gastgeber durch Oskar Neudeck erstmals mit drei Toren ab (11:8, 21.).

Ein lange offenes Duell

Im Lager der SG befürchtet man nun, dass das Spiel wie bereits in den vergangenen Wochen zu kippen droht, doch das passiert nicht. Nach einer Mayerhoffer-Auszeit stabilisiert sich sein Team und geht mit 15:15 in die Kabine. Auch aus dieser kommen beide Seiten erst einmal ebenbürtig, doch den Filstälern wird zum Verhängnis, dass sie verletzungsgeplagt sind. Die Matschke-Sieben agiert ohne etatmäßigen Kreisläufer und setzt phasenweise auf vier Rückraumspieler. So geht ihr nach und nach die Puste aus. Die SG-Defensive zieht Göppingen den Zahn und lässt nur zehn Gegentore in Durchgang zwei zu. Zehn Minuten vor Schluss zieht Bietigheim nach und nach davon. Kreisläufer Jonathan Fischer wird in der Schlussphase zum Matchwinner, sammelt zwei Steals, erzielt zwei weitere Tore und macht mit dem 28:24 den Deckel endgültig drauf (58.).

Nach der Partie feiern die SG-Fans mit lauten „Derbysieger, Derbysieger“-Sprechchören das Team. Spürbar fällt auch der Mannschaft eine enorme Last ab, die zuvor sieben Pflichtspiele am Stück verloren hatte. „Heute hat es unglaublich viel Spaß gemacht, vor allem für mich in der Abwehr“, resümiert Vlahovic nach der Partie.