Sersheim
: Großes Interesse an Wärmewende in Sersheim

Fachleute erklären bei der Einwohnerversammlung den Weg in die Zukunft bei der Energieversorgung.
Von
Michaela Glemser
Sachsenheim
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Die Einwohnerversammlung in der Sport- und Kulturhalle Sersheim war gut besucht.

/Martin Kalb

Die kommunale Wärmeplanung war das zentrale Thema der Einwohnerversammlung in der gut gefüllten Sport- und Kulturhalle. „Wir erstellen eine Zukunftsplanung für die Gemeinde für die nächsten 20 bis 30 Jahre in einem sogenannten Masterplan, der alle Sparten umfasst“, erläuterte Bürgermeister Jürgen Scholz zu Beginn der Veranstaltung, bei der den Bürgern Fachleute Rede und Antwort standen für die Bereiche der künftigen Wärmeinfrastruktur, der Kanal- und Abwassersparten, der Versorgung mit Strom, Gas und Wasser sowie dem Straßenzustand und der Ladesäulenkonzeption.

Gewaltige Herausforderung

„Diese Vorhaben stellen für unsere Gemeinde gewaltige Herausforderungen dar und gehen nach dieser Veranstaltung heute Abend in die vertiefenden Planungen“, erläuterte Scholz. Er gab in diesem Zusammenhang auch die neuen Pläne für die Stromtrasse der TransnetBW bekannt, die das Strom-Übertragungsnetz in Baden-Württemberg betreibt und für die zu errichtende Trasse für Gleichstrom auch die Sersheimer Gemarkung quert.

Die Trasse soll demnach von Süden bis zum Kreisverkehr an der Oberriexinger Straße verlaufen, unter der Bahnlinie, an der Metter bis zum Häckselplatz führen, weiter bis zum Langmantel.

„Auf einem 60 Meter breiten Korridor darf nichts mehr bepflanzt werden. Der Eingriff in Landschaft, Wald und Flur ist brutal. Ich bin entsetzt“, betonte Scholz. Er verwies darauf, dass die Sersheimer auf ihre Gemarkung aufpassen müssten und der Eingriff nur so gering und verträglich wie möglich ausgeführt werden dürfe. Matthias Zeile -Lott vom Stuttgarter Büro EGS-plan erläuterte die unterschiedlichen Stufen der kommunalen Wärmeplanung, die Sersheim freiwillig im Konvoi mit den Nachbargemeinden Bietigheim-Bissingen, Ingersheim und Oberriexingen erarbeiten ließ, um die Fördermittel ausnutzen zu können.

Der Gesamtwärmebedarf in Sersheim liegt derzeit bei rund 50 Gigawatt-Stunden pro Jahr und wird zum Großteil für die Wohnnutzung aufgebraucht. Nur 22 Prozent werden für Gewerbe und Industrie verwendet. Über 80 Prozent der Wärme werden augenblicklich noch über fossile Energieträger wie Erdgas und Heizöl bereitgestellt. Das muss sich ändern, denn bis 2040 soll sich der Gesamtwärmebedarf der Mettertalgemeinde klimaneutral gestalten. Einsparpotenziale ergeben sich durch die Gebäudesanierung sowie zentrale Wärmenetze, Wärmepumpen und Solarthermieanlagen.

“Bonlanden“ soll auch ans Netz

Der Geschäftsführer der Ver- und Entsorgungsgesellschaft mbH Sersheim (VES), Lucas Reiber, erläuterte den Aufbau der geplanten und bereits im Bau befindlichen zentralen Versorgung über Fernwärme. Das Netz, das derzeit im Ortszentrum ausgebaut wird, erhält seine Energie von der bestehenden Biogas-Anlage sowie einer Heizzentrale in der Hofäckerschule.

Auch für das Neubaugebiet „Bonlanden“ sei ein Wärmenetz angedacht, das jedoch nur wirtschaftlich sei, wenn auch die Randgebiete erschlossen werden. Wärmelieferant für dieses neue Netz ist eine private vorgesehene Freiflächen-Photovoltaikanlage an der Vaihinger Straße, die Strom für eine Heizzentrale mit Wärmepumpen am Kreisverkehr neben dem Feuerwehr-Gerätehaus liefert. Ein Teil des Stromes wird auch in Erdspeichern für die dunkel Jahreszeit vorgehalten.

In der anschließenden Fragerunde interessierten sich die Besucher dafür, ob die Gebiete südlich der Bahnlinie in Sersheim irgendwann auch mit einem Wärmenetz erschlossen würden. „Momentan ist dies im Einzugsgebiet der Wärmenetze nicht vorgesehen. Aber wenn sich die Möglichkeiten für einen wirtschaftlichen Ausbau ergeben, werden wir diese nutzen“, so Reiber.

Bürgermeister Scholz berichtete, dass bei allen künftigen Straßenbau- und Infrastrukturmaßnahmen geprüft werde, ob auch die Versorgungsleitungen für die Wärmenetze eingebracht werden könnten. Ziel sei, ein zusammenhängendes Wärmenetz im gesamten Ort zu haben. „Es muss jedoch wirtschaftlich darstellbar sein“, sagte Bürgermeister Jürgen Scholz. Er verwies darauf, dass dazu auch die Verantwortlichen in der Bundespolitik klären müssten, ob künftig die Kosten für den Ausbau der Wärmenetze nur die Anschlussnehmer tragen sollten oder alle Steuerzahler. Michaela Glemser