Schlossfestspiele Ludwigsburg: Junge Musiker spielen wie im Rausch

Violinistin Maria Duenas, Dirigentin Elim Chan und das European Union Youth Orchestra bildete im Forum Ludwigsburg eine musikalische Einheit, die das Publikum begeisterte.
/Martin KalbZweigeteilt war das Abschlusskonzert der Ludwigsburger Schlossfestspiele. Zusammengehalten von der energiegeladenen, emotionalen und einfühlsamen Dirigentin Elim Chan spielte das European Union Youth Orchestra gemeinsam mit Violinistin Maria Duenas Johannes Brahms’ Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77 und nach der Pause die Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27 von Sergei Rachmaninow. Während der Konzerte war atemberaubende Stille im Publikum, kaum ein Husten, kaum eine Bewegung. Aber nach dem letzten Takt: überbordender Applaus, Getrampel, nicht enden wollende Begeisterungsstürme. Und dies zu Recht.
Ein ergriffener Intendant
Wenn es ein Test von Intendant Lucas Reuter war, einem Jugendorchester die Ehre zuteil werden zu lassen, das Schlusskonzert zu gestalten und sich in die Zahl großer Orchester einzureihen, die die Ludwigsburger Schlossfestspiele beenden durften, dann ist dieser gelungen. Ganz sicher aber war es wohl überlegt von Reuter. Dennoch stand dieser während des zweiten Teils sichtlich ergriffen am Rande des Zuschauersaals und konnte nicht fassen, welch’ einmalige Darbietung er hier gesehen und gehört hatte.
Das Violinkonzert von Brahms gehört an sich sicher nicht zu den virtuosesten und den Solisten alles abverlangenden Kompositionen. Brahms hatte damit aber die Tradition unterbrochen, dass das Orchester alleine für die Solisten spielt und sich zurücknimmt. Es ist ein sinfonisches Werk und damit ein Zusammenspiel von Solist und Orchester. Brahms dürfte applaudiert haben, dass sein Violinkonzert so perfekt in seinem Sinne von Violinistin Maria Duenas und dem europäischen Jugendorchester umgesetzt wurde.
Alle Teile bildeten eine Einheit
Die aus Hongkong stammende Dirigentin Elim Chan war die verbindende Kraft zwischen Solistin und Orchester, mit weit ausgebreiteten Armen. Immer in Bewegung einte sie die Teile und schuf einen Ohrenschmaus ohnegleichen. War Brahms’ Komposition bei der Uraufführung noch als „Konzert gegen die Violine“ verurteilt worden, zeigt diese Umsetzung, wie wundervoll es sein kann, wenn alle Teile eine Einheit bilden. Spielte Maria Duenas vollkommen alleine, verloren die jungen Musiker aus 27 Nationen jugendlich erfrischend ihre Contenance und starrten die Solistin an – begeistert gebannt von ihrem Können.
Nach der Pause schlug dann die alleinige Stunde des jungen Orchesters, deren Mitglieder zu den besten Musikern aus den EU-Mitgliedsstaaten gehören. Rachmaninows zweite Sinfonie war für sie ein gefundenes Fressen, da sie hier alle Facetten der Musik zum Besten geben konnten. Dirigentin Elim Chan konnte aus dem Vollen schöpfen: Jeder Instrumentenbereich war zigfach besetzt. Die Komposition ist opulent, zeigt aber auch Rachmaninows Zerrissenheit und Melancholie. Die Musiker schwelgten wie im Rausch zwischen diesen Polen hin und her, versunken in die Musik. Bei temperamentvollen Passagen bildete das Orchester eine lebendige Welle, keiner der Musiker blieb sitzen.
Die letzte Zugabe war besonders: Die Musiker wanderten mit ihren Instrumenten auf der Bühne, im Rhythmus der Musik. Am Schluss umarmten sich alle, wohlwissend, dass sie die Gunst Ludwigsburgs mit diesem Auftritt gewonnen hatten.