Schauspielerin aus Ingersheim: Nina Rausch arbeitet in Hollywood an neuem Film

Vier Frauen, ein Film-Projekt (v. links): Nina Rausch, Zena Kießner, Zoé Munlyn und Azra Isakovic.
privatMit ihrem neuen Film „Ausgang, Sofie“ greift die in Ingersheim aufgewachsene Schauspielerin Nina Rausch nun auch als Produzentin ein Tabu-Thema auf. In „Ausgang, Sofie“ wird die Geschichte eines 14-jährigen afro-deutschen Mädchens erzählt, das wie all ihre Freundinnen 1936 der Hitlerjugend beitreten will, aber wegen ihrer Hautfarbe abgewiesen wird. Sie versteht langsam, was Identität bedeutet und versucht ihre eigene zu finden. Letztendlich überlebt sie Nazi-Deutschland, in dem sie in der Propaganda-Filmindustrie arbeitet. Im Kern des Films geht es um die damalige afro-deutsche Minderheit, die existierte, aber oft ignoriert wurde.
In einem vierköpfigen Produzentinnen-Team arbeitet Nina Rausch an dem zehnminütigen Proof-of-Concept-Kurzfilm, der dann in einen langen Spielfilm münden soll. „Wir drehen im Raum Los Angeles und suchen gerade nach Locations, um Deutschland nachzubauen. Dazu haben wir einen Park mit See in Beverly Hills gefunden, der wirklich wie Deutschland aussieht“, so die Ingersheimerin über die Drehortsuche.
Ein ganzes Set wird aufgebaut
Die Filmarbeit werde unter den vier Frauen so gut wie möglich aufgeteilt, auch hinter der Kamera steht eine Frau. „Unsere Aufgaben reichen von der Sicherung des Budgets, Drehorte zu finden, Schauspieler zu casten, Versicherungen abzuschließen, Finanzen für den Film zu finden, Ton, Kostüme und Make-up einzustellen, bis zum Buchen von Flügen für die Hauptdarstellerin aus Köln und das Equipment. Laut Rausch sei Aufgabe „eigentlich ein ganzes Set von Null aufzubauen.“
Zum Team zählen neben der Schauspielerin und Produzentin aus Ingersheim die Regisseurin und Autorin Zoé Munlyn von der Filmschule der Howard University. Ferner ist die Produzentin Zena Kießner, Afro-Deutsche aus Unterfranken, dabei.
Sie ist Schriftstellerin, Schauspielerin und Musikerin mit einem Background in Marketing. Das Quartett wird von der Produzentin Azra Isakovic ergänzt, die mit ihrer Familie während des Jugoslawien-Krieges nach Deutschland geflüchtet und nach fünf Jahren in die USA gezogen ist.
Spendenziel sind 40 000 Dollar
Finanziert wird der Film über Crowdfunding mit dem Spendenziel von 40 000 US-Dollar. Ein Drittel sei bereits finanziert. „Wir sind stolz darauf, es so schnell so weit gebracht zu haben“, so Nina Rausch. Der derzeitige Streik der Filmschaffenden in Amerika habe eine positive Auswirkung auf das Projekt, so die Ingersheimerin.
Man habe zum Teil Zugriff auf Leute oder Locations, die man im Normalfall nicht gehabt hätte, weil eben alles stillstehe. Nur Kurzfilme dürften gerade gedreht werden. „Der Streik hat uns zum Nachdenken gebracht und daran erinnert, wie wichtig es ist, die Leute und ihre Arbeit zu schätzen“ so Nina Rausch.
An Zusammenhalt erinnern
Es sei dem Team ganz wichtig, nicht nur um einen Gefallen zu bitten, sondern auch Leute für ihre Arbeit bezahlen zu können. „Daher haben wir unser Budget auf 30 000 bis 40 000 US-Dollar angepeilt“, erklärt die Filmproduzentin.
Es sei traurig zu sehen, dass sowohl in der Welt als auch in Deutschland eine Spaltung entstehe, die von Hass, Angst und alten Idealen angetrieben werde. Deutschland sei ein wundervolles Land, das so viel überstanden habe, so die Schauspielerin. Deshalb wolle man das Filmemachen auch dazu nutzen, um wieder an die Menschheit und an Zusammenhalt zu erinnern. So wird „Ausgang, Sofie“ im Oktober gedreht und soll Ende des Jahres oder Anfang 2024 fertig sein, um ihn an wichtige Festivals zu schicken. Anschließend soll dann der Spielfilm entwickelt werden, sagt Nina Rausch über die weiteren Schritte ihres Projekts.
Wer spenden will, kann dies über die Internetseite gofundme.com tun. Das Projekt findet man über die Suche zu „Ausgang Sofie“.