Sachsenheimer Markus Dolch berät Stars: Der Meister der Einlegesohle
Hidden Champions – das sind kleine, weniger bekannte Unternehmen, die in ihrer Branche aber zu den Marktführern zählen. Eine Art Hidden Champion ist auch Markus Dolch aus Sachsenheim. Der ehemalige Fußballer und Skirennfahrer hat seine Idee „Fußverletzungen mit optimierten Sportschuhen und Skistiefel-Innenschuhen vorbeugen“ über Jahrzehnte hinweg weiterentwickelt. Der 59-Jährige genießt das Vertrauen zahlreicher Profis aus verschiedenen Sportarten – vom für Fulham spielenden, aus Bietigheim-Bissingen stammenden Fußball-Torhüter Bernd Leno über die Schweizer Ski-Asse Martina Wyss (Telemark-Weltcupsiegerin 2022/23) und Ryan Regez (Skicross-Olympiasieger 2022) bis hin zur Handball-Ikone Johannes „Jogi“ Bitter.
Einsatz bei Fußball-EM 2004
Im Europameisterschaftsfinale 2004 wechselte Portugals Superstar Luis Figo während des Spiels seine Schuhe. Die ganze Welt schaute zu, wie er aus dem zunächst benutzten Paar die Einlegesohlen herausnahm und vor laufenden Kameras sorgfältig in die neuen Kickstiefel steckte. Was kaum jemand ahnte: Das Fußbett hatte ihm während des EM-Turniers Dolch in Portugal angepasst. Auch die einstigen Tennis-Asse Martina Navratilova und Ivan Lendl profitierten von den Sohlen aus Sachsenheim. Ganz aktuell ist er in Leipzig und verpasst den Bundesliga-Handballern des SC DHfK seine Einlegesohlen.
Start bei Ski-WM für Brasilien
Dolchs sportliche Vita ist ungewöhnlich. Das Fußball-ABC lernte er bei den Sportfreunde Großsachsenheim, spielte auch für die Stuttgarter Kickers. Noch mehr als für das runde Leder begeisterte er sich für die damals noch langen Latten. In Abfahrt und SuperG mischte er sich unter die sogenannten Exoten: Hubertus Rudolph Prinz von Hohenlohe startete bei der Ski-WM 1985 in Bormio für Mexiko, Markus Dolch gleichzeitig für Brasilien. „Markus Wasmeier gewann“, erinnert sich der auch sechsmal im Weltcup eingesetzte Schwabe, „mein Rückstand auf ihn betrug etwas mehr als drei Sekunden.“
Auch sein Berufsleben richtete der Betriebswirt auf den Sport aus. „Mehrere Jahre lang nutzte ich jede Gelegenheit, mich fortzubilden. In Italien wurde ich zum Skistiefel-Modelleur, in Frankreich Orthopädie-Techniker und an der Universität Hildesheim wirkte ich an verschiedenen Masterarbeiten mit.“
Langer Prozess
„Es war ein langer Prozess, um von der zunächst vor allem handwerklichen Anpassung und Fertigung der Sohlen und Ski-Innenschuhe bis hin zum heutigen 3-Standard zu kommen“, blickt der überall nur „Doni“ gerufene Experte zurück. „Die optimale Einlegesohle für Skistiefel kann die Industrie nicht liefern. Daher habe ich mich mit einem Kanadier zusammengetan: Unsere Intention: Innenschuhe für Skistiefel für Weltklasseläufer bis hin zu den Problemfüßen von Freizeitsportlern bereitzustellen.“ Dabei hilft ein enormer Erfahrungsschatz: „Heute ist mir vermutlich kein Fußproblem mehr fremd. Mit sportartspezifischen, orthopädischen Sohlenkorrekturen kann fast jedem – vom Profi bis zum Amateur – geholfen werden.“
Expeditionsleiter im Himalaja
In seinem Sachsenheimer Fachgeschäft „Sport Doni“ tauchen immer wieder prominente Sportler auf, die sich Hilfe für ihre Fußprobleme erhoffen. Den persönlichen Kick holt sich Dolch in unzugänglichen Regionen. Als Ski-Expeditionsleiter führte er Gruppen unter anderem im Himalaya, im Kaukasus, Alaska und auf der Kamtschatka-Halbinsel in Nordostasien. Nächste Ziele: „Wenn es die politische Situation und der Weltfrieden zulässt, stehen Freeride-Abenteuer in Swanetien (Georgien), Turkmenistan und Afghanistan ganz oben auf der Agenda.“ bzh