Sachsenheim
: Tigermücke ist auch in Sachsenheim

Der Biologe Volker Middel vom Gesundheitsamt Ludwigsburg berät die Gemeinderäte. Auch in Sachsenheim wurden mittlerweile Funde der asiatischen Tigermücke gemeldet. 
Von
Lisa Lorenz
Sachsenheim
Jetzt in der App anhören

Die Tigermücke verbreitet sich in Deutschland und wurde auch in Sachsenheim bereits gefunden. Ein Biologe beantwortete im Gemeinderat Fragen.

Gustavo Amador/epa efe/dpa

Als „recht hübsches Tier an sich“ beschrieb Biologe Dr. Volker Middel die asiatische Tigermücke. In der Sitzung des Sachsenheimer Gemeinderats am vergangenen Donnerstag berichtete er von der Verbreitung der invasiven Art und gab Tipps zur Vermeidung von Brutstätten. Die Tigermücke sei über Schwerlasttransporte nach Deutschland gekommen. In Baden-Württemberg gebe es sie seit 2007, so Middel. „Sie hat sich massiv breit gemacht“, sagte der Biologe; so sei die Tigermücke im Landkreis Ludwigsburg in 13 Kommunen bekannt, darunter Sachsenheim. Die Art habe einen Flugradius von 200 bis 300 Metern und sei, im Unterschied zu heimischen Mückenarten, nicht nur abends, sondern auch tagsüber aggressiv und stichfreudig.

Die Tigermücke brüte beispielsweise in Blumenuntersetzern, in denen sich Wasser gesammelt hat, oder in draußen liegen gelassenem Kinderspielzeug oder Plastikmüll. „Deshalb sind Friedhöfe häufig ein Brennpunkt“, erklärte Middel: Dort gibt es Brunnen, Gießkannen und Steinschalen. Teiche, Seen und Flüsse als lebendige Gewässer bebrüte sie jedoch nicht, sondern ausschließlich Wasseransammlungen. Tigermücken können Überträger vom Chikungunya-, Dengue-, Zika- und West-Nil-Virus sein. Die Symptome dieser Krankheiten sind laut dem Biologen ähnlich wie bei einer Grippe, können auch symptomlos sein, es sind aber auch schwere Verläufe möglich. Um die Ausbreitung der Tigermücke einzudämmen, empfahl Middel, Wasser etwa in Vogeltränken einmal pro Woche zu wechseln. Brutstätten sollen, wo es möglich ist, vermieden werden. Für unvermeidbare gebe es sogenannte BTI-Tabletten, die man ins Wasser geben kann. Für Tier und Mensch seien diese ungefährlich; sie wirken spezifisch gegen Mückenlarven. Sieht man eine Tigermücke, solle man das bei der Kabs (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage) melden.

Über diese Meldestelle habe man auch vom Fund in Sachsenheim erfahren. Michael Lohmann (FW) merkte an, dass man bei Corona gelernt habe, die Natur nicht verhindern zu können. Middel stimmte zu, dass man die Tigermücke mit diesen Maßnahmen nicht loswerde, man könne die Population jedoch eindämmen. Es mache einen Unterschied, ob man vereinzelt gestochen werde oder eine Plage im Garten habe.

Jonas Hauber (CDU) fragte, ob es natürliche Feinde gebe, deren Vorkommen man fördern könne. Middel nannte insektenfressende Vogelarten sowie Fledermäuse als Feinde der Tigermücken und Insekten als Feinde der Larven. Jasmin Braun (GLS) fragte, was getan werde, wenn man eine Mücke meldet. Middel erklärte, dann werde am Fundort nach Brennpunkten gesucht. Für die Kommune sei es auch wichtig, die genauen Standorte zu kennen. Dort könne dann Aufklärung betrieben und BTI-Tabletten verteilt werden. Auch eine „zerklatschte“ Mücke könne per Foto gemeldet werden, die Bestimmung sei oft trotzdem noch möglich. Thomas Wörner (GLS) fragte nach Impfstoffen. Der Biologe entgegnete, dass es keinen präventiven Impfstoff gegen die Tigermücke gebe, sondern erst nach einer Infektion mit einer der Viruserkrankungen diese spezifisch behandelt werde.

Infektionsrisiko gering

Bürgermeister Holger Albrich fragte, ob alle Tigermücken Erreger in sich tragen. Middel sagte, dem sei nicht so, es seien nur diejenigen Mücken Überträger, die zuvor einen Kranken gestochen haben. „Das Risiko, sich in Deutschland zu infizieren, ist noch sehr gering“, fügte er hinzu.

Karl Willig (FDP) fragte, wie lange eine BTI-Tablette wirke. Middel sagte, eine Tablette wirke für zehn Tage, dann sei eine neue nötig. Hans-Günther Neumann (CDU) fragte, ob eine Infektion im Krankenhaus ohne weiteres festgestellt werde. Middel sagte, es gebe bestimmt eine große Dunkelziffer, aber wenn es einem schlecht gehe, werde auf diese Krankheiten untersucht und beispielsweise auch eine Reiseanamnese gemacht.