Sachsenheim: Seit 40 Jahren im Traumberuf tätig

Renate Trommer ist seit 40 Jahren Erzieherin und arbeitet seit 35 Jahren im Kindergarten „Unterm Weinberg“ in Hohenhaslach.
/Martin KalbWenn Renate Trommer am Erzähltisch Platz nimmt und den Kindern aus der Bibel vor liest, hören die Kleinen aufmerksam zu. Seit 40 Jahren ist die Hohenhaslacherin, die ursprünglich aus Herrenberg stammt, als Erzieherin tätig. Über 35 Jahre davon arbeitet die bald 60-Jährige im evangelischen Kindergarten „Unterm Weinberg“ in Hohenhaslach. „Ich habe inzwischen mehrere Generationen mit erlebt. Oftmals ist es interessant, Parallelen zwischen dem Verhalten von Eltern und Kindern festzustellen“, sagt Trommer.
„Von Anfang an wohl gefühlt“
Erzieherin war immer ihr Traumberuf, und auch der religiöse Bezug war ihr dabei sehr wichtig. „Mein Vater war Prediger in der evangelischen Kirche. Schon von Jugend an habe ich in Bibelstunden und bei der Kinderkirche mitgeholfen. Der Umgang mit Kindern hat mir schon immer große Freude bereitet“, so Trommer. Nach ihrer Ausbildung in Reutlingen und Metzingen sowie einer Zwischenstation in Rübgarten kam die erfahrene Erzieherin, die aufgrund eines nicht bestätigten Impfschadens im Babyalter eine spastische Lähmung an ihrer linken Körperseite hat, in den Kirbachtalort. „Das Leben auf dem Land hat mir gefallen. Ich fühlte mich von Anfang an im Kindergarten in Hohenhaslach gut aufgehoben“, sagt Trommer. Sie hat in dem Kindergarten unter Trägerschaft der evangelischen Kirche nicht nur mit vier Pfarrern zusammengearbeitet, sondern auch fünf unterschiedliche Leitungskräfte erlebt.
Berufsbild hat sich gewandelt
„Das Berufsbild der Erzieherin hat sich im Laufe der Jahre schon enorm gewandelt. Heute gehört viel mehr schriftliche Dokumentationsarbeit dazu. Auch die Zusammenarbeit mit Kräften außerhalb des Kindergartens wie Logopäden hat zugenommen“, erläutert Trommer. Zudem habe sich auch das Verhältnis zu den Eltern der Kleinen gewandelt, die heute deutlich mehr Wert, auf eine individuelle Förderung ihrer Töchter und Söhne legen würden, so Trommer. „Dabei gerate ich manchmal in einen Zwiespalt, denn bei bis zu 28 Kinder in einer Gruppe fehlt oft im Alltag die Zeit, jedem Kind eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken“, sagt sie. Daher ist die erfahrene Erzieherin die besinnliche und ruhige Adventszeit am liebsten im Jahresverlauf, wenn auch im Kindergarten mehr Ruhe Einzug hält.
„Wenn wir die Gruppenräume mit Kerzen und Lichterketten schmücken, die Kinder jeden Tag ihren Adventskalender öffnen dürfen und mehr Zeit für Geschichten vorhanden ist, fühle ich mich im Kindergartenjahr am wohlsten“, so Trommer. Die jährlichen Sommerfeste, die in früheren Zeiten immer mit großen Theateraufführungen verbunden waren, sind der langjährigen Erzieherin ebenfalls in guter Erinnerung geblieben. „Heute ist die Herausforderung, mit den Kindern solche großen Stücke einzustudieren, größer, da es vielen oft schwerfällt, sich über längere Zeit zu konzentrieren“, erklärt Trommer.
Gerne denkt sie zudem an die regelmäßigen Wochen im Wald zurück, die im Hohenhaslacher Kindergarten alljährlich im Frühjahr und im Herbst auf dem Programm stehen. Inzwischen ist Trommer dann aufgrund ihrer nachlassenden Sehleistung nicht mehr mit von der Partie. Auch ihr Engagement im Kindergarten hat sie inzwischen auf 60 Prozent reduziert. „Dennoch können wir uns auf Renate Trommer immer verlassen. Sie hilft auch gerne bei Krankheitsfällen im Kollegenkreis in anderen Gruppen aus“, sagt Kindergartenleiterin Marianna Hanna.
Profitieren können auch die jungen Nachwuchskräfte im Kindergarten vom Erfahrungsschatz Trommers. „Ich habe im Laufe der Jahre eine gewisse Strategie für mich entwickelt, damit ich manche Erlebnisse aus dem Kindergarten nicht so nah an mich heranlasse. Dabei helfen mir vor allem die Gespräche mit Gott und meine Gebete“, erklärt Trommer, bevor sie wieder in den Geschichtenschatz der Bibel eintaucht, denn die Kinder warten schon gespannt auf ein neues Abenteuer.