Sachsenheim
: Schock nach blutiger Gewalttat

Die Ermittlungen der Polizei laufen auf Hochtouren. Die Frau, die von ihrem Ehemann niedergestochen wurde, schwebt in Lebensgefahr. Noch sind die Hintergründe des Gewaltverbrechens nicht geklärt.
Von
Martin Hein
Sachsenheim
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Beamte der Spurensicherung am Tatort. Die Polizei versucht, den Tathergang zu rekonstruieren. Das am Boden umherliegende Verbandsmaterial wurde inzwischen beiseite geräumt.

/Martin Kalb

Unfassbar, dass so etwas hier bei uns geschieht“, sagte am Mittwoch, knapp eine Stunde nachdem ein Mann am Bahnhof eine Frau niedergestochen hatte, eine geschockte Anwohnerin.

Rückblick: Am Mittwoch hat gegen 14.40 Uhr ein 52-jähriger Mann direkt vor dem Bahnhofskiosk, beim Treppenabgang zu den Gleisen, mit einem Messer auf eine 50-jährige Frau eingestochen. Augenzeugen, die gegenüber im Café saßen, berichteten, dass sie durch Schreie der Frau auf die Tat aufmerksam geworden waren.

Der Mann habe der Frau mit einem Messer mehrere Stiche in Oberschenkel- und Bauchbereich zugefügt und sie schwer verletzt. Nach Zeugenaussagen eilten sofort Passanten an den Ort des Geschehens. Ein Zeuge will den Tatverdächtigen nach eigenen Angaben weggestoßen haben, als der sich bereits selbst verletzt hatte.

Umgehend leisteten Passanten Erste Hilfe. Das blutverschmierte Messer, vermutlich ein Küchenmesser, das eine etwa 20 Zentimeter lange Klinge hatte, lag neben dem Mann auf dem Boden. Ersthelfer schoben die mutmaßliche Tatwaffe mit den Füßen vom Tatverdächtigen weg.

Rettungskräfte rasch vor Ort

Kurz darauf trafen Rettungswagen und Polizei ein. Die Ludwigsburger Kriminalpolizei nahm sofort die Ermittlungen auf. Der Tatort wurde abgesperrt. Blut markierte den Ort des Geschehens, überall lagen aufgerissene Verbandspäckchen auf dem Boden. Die lebensbedrohlich verletzte Frau wurde mit dem Rettungswagen in eine Klinik gebracht und operativ versorgt. Ebenso der Tatverdächtige, der sich, wie die Polizei später mitteilte, mit dem Messer selbst verletzt habe. Zeugen sprachen von einer Wunde am Hals des Tatverdächtigen. Erst wurde vermutet, dass es sich um eine Beziehungstat handelte, kurz darauf bestätigte die Polizei, dass es sich bei dem Tatverdächtigen um den Ehemann der 50-Jährigen handelt.

Bürgermeister Holger Albrich zeigte sich vor Ort über diese Gewalttat schockiert und tief betroffen. „Ich möchte den Menschen, die schnell und couragiert eingegriffen und geholfen haben und so möglicherweise Schlimmeres verhindert haben, danken“, sagte Albrich.

Kiosk hatte geschlossen

Einen Tag später deutet nichts darauf hin, dass sich am Großsachsenheimer Bahnhof eine schreckliche Bluttat ereignet hat, dass genau an dieser Stelle am Kiosk am Tag zuvor Ersthelfer und Rettungskräfte um das Leben der schwer verletzten Frau gekämpft haben. Der Tatort wurde gründlich gereinigt: kein Blut, keine Verbandspäckchen mehr.

Der Betreiber des Kiosks, vor dessen Tür sich die Tat abgespielt hatte, hat von alledem nichts mitbekommen. Er hatte am Mittwoch geschlossen. Erst am Donnerstag habe er von der Bluttat erfahren, sagt er.

Derweil laufen die Ermittlungen der Polizei auf Hochtouren. Nach Auskunft von Polizeisprecher Steffen Grabenstein ermittelt die Kriminalpolizei wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdeliktes gegen den 52-jährigen Tatverdächtigen. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn ist bei den Ermittlungen federführend.

Die Polizei vernimmt Zeugen, wertet die Zeugenaussagen aus, eventuell ergäben sich dadurch neue Ermittlungsansätze, erklärt Grabenstein. Auch die Vorgeschichte, die zu der Bluttat geführt habe, versuche man zu ermitteln. Man versuche, den Tathergang möglichst genau zu rekonstruieren. Ob eine Sonderkommission eingerichtet wird, sei derzeit noch unklar.

Ukrainische Staatsangehörige

Nach den bisherigen Erkenntnissen handelt es sich laut Polizei bei dem Tatverdächtigen und seiner Ehefrau um ukrainische Staatsangehörige. Wie das Polizeipräsidium Ludwigsburg mitteilt, wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heilbronn gegen den 52-jährigen Verdächtigen Haftbefehl wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung erlassen. Die richterliche Vorführung fand im Krankenhaus statt. Dort wurde auch der Haftbefehl in Vollzug gesetzt. Der Tatverdächtige wird im weiteren Verlauf in ein Justizvollzugskrankenhaus überstellt.

Die Hintergründe der Tat sind nach dem derzeitigen Kenntnisstand nach wie vor unklar. Der genaue Tathergang sei noch Gegenstand der Ermittlungen. Die Polizei bittet Zeugen, sich unter hinweise.kripo.ludwigsburg@polizei.bwl.de zu melden.