Sachsenheim: Mit der „zeigmal.“-App durch Großsachsenheim

Der Stadtrundgang beginnt am Schloss. Hier kann man im AR-Modus die Ansicht vor knapp 100 Jahren sehen.
Lisa LorenzSeit einigen Wochen gibt es für Sachsenheim die „zeigmal.“-App. Mit der kostenlosen und werbefreien App sollen Besucher Städte neu erleben können – inklusive Expertengespräche und Augmented Reality (AR), zu Deutsch erweiterte Realität, also die computerunterstützte visuelle Darstellung einer Realität. Laut Beschreibung soll man sich mit vordefinierten Routen durch die Stadt führen lassen können oder sich benachrichtigen lassen, sobald man an einem interessanten Ort vorbeikommt. Aktuell ist sie in acht Sprachen verfügbar und mit 4,5 von 5 Sternen bewertet. Hält die App, was sie verspricht?
Geführt oder selbstständig
Nachdem die App heruntergeladen wurde und man ihr erlaubt hat, den Standort des Smartphones zu verwenden, wird man direkt herzlich in Sachsenheim willkommen geheißen. „Schlendern Sie durch die Straßen, genießen Sie die Architektur und machen Sie sich auf, die Vielfalt der Stadtteile kennenzulernen“, fordert die App den Besucher auf. Verwiesen wird außerdem auf lokale Weingüter, Gaststätten und die Tourismusinformation.
Zwei Buttons stehen zur Auswahl: „Lerne Sachsenheim kennen“, oder „Entdeckenmodus“ für die Erkundung auf eigene Faust. Auf der Startseite wird außerdem ein Rundgang durch Großsachsenheim empfohlen. 97 Orte gibt es insgesamt in Sachsenheim zu erkunden. Diese kann man sich als Liste oder auf einer Karte anschauen. Hier sind die einzelnen Sehenswürdigkeiten eingetragen und lassen sich für mehr Informationen direkt antippen.
Mit einem Klick auf den Button „Lerne Sachsenheim kennen“ beginnt eine Einführung, in der einem das Wasserschloss, das Porsche-Zentrum, der mittelalterliche Hermann von Sachsenheim, der Mammutbaum in Ochsenbach und der Einstieg in den Naturpark Stromberg-Heuchelberg vorgestellt werden. Am Ende der Vorstellung angekommen, kann man sich für den digitalen Stadtrundgang, die selbstständige Erkundung, die Rückkehr zur Startseite oder die Suche nach einer Stadtführung entscheiden. Letzteres („Lasse dir die Stadt von lokalen Gästeführern zeigen“) führt noch ins Nichts, es erscheint die Fehlermeldung „Link konnte nicht geöffnet werden“.
Rundgang vom Schloss aus
Der Rundgang durch Großsachsenheim mit angegebener Dauer von 45 Minuten und einer Strecke von 1,2 Kilometern beinhaltet 23 Stationen. Er beginnt beim Wasserschloss, bei dem man sich verschiedene Audios anhören und einen Infotext zum Schloss lesen kann. Hier kann man auch die AR ausprobieren – dafür muss der AR-Modus gestartet und das Handy dann über Boden und Gebäude geschwenkt werden, um die historische Ansicht an den richtigen Stellen zu verorten.
Steht man noch nicht ganz richtig, wird man durch eine Markierung zum richtigen Standpunkt geleitet. Im Fall der ersten Station steht man nun vor dem Schloss, kann das Handy davorhalten und die historische Ansicht, hier eine Fotografie des Zeitraums 1930 bis 1944, wird über die Ansicht der Handykamera gelegt. Das Darüberlegen des Fotos funktioniert dabei ziemlich gut – historische und aktuelle Gebäudewände gehen beinahe nahtlos ineinander über. Nach der Sage um das Klopferle, Beiträgen zur Schlosserei, dem Zusammenschluss von Sachsenheim und den Siebenbürger Sachsen geht es weiter zur Flaschnerei Blitzer und dem Heimatfest, die sich ebenfalls mit historischen Aufnahmen betrachten lassen. Unweit der Haltestelle Bildungscampus befindet sich die Station „Sachsenheimer Wein“, an der ein Audio von dessen gutem Ruf und humanen Preisen erzählt. Warum sich diese Station gerade an diesem Ort befindet, bleibt offen, denn Weinreben sind nicht zu sehen.
Vom Rundgang wird man dann weiter zum Stadtmuseum, zur Stadtkirche, zum Wehrturm, zum Bannkeller und zur ehemaligen Vogtei geschickt. Den gesamten Rundgang über wird man von der App zwar navigiert.
Wer aber die Navigation von Google Maps gewohnt ist, stößt hier auf Minimalismus. Das Luftbild der Stadt ist keine richtige Karte oder gar ein Satellitenbild, sondern schlicht gehalten: Beziffert sind die Straßen und die Hausnummern, die gesamte Umgebung wird beigefarben angezeigt. Ein blauer Punkt zeigt den aktuellen Standort an, eine blaue Linie den Weg und eine rote Markierung das Ziel der nächsten Station. Hinfinden muss man aber mehr oder weniger selbst, denn visuelle Anweisungen wie „an der nächsten Kreuzung links“ oder einen Sprecher gibt es nicht. Auch dreht sich die Karte nicht mit, wenn man abbiegt, man muss also selbst schieben und drehen.
Verwirrungen bei Stationen
Außerdem etwas verwirrend: Zwar gibt es auf dem Rundgang 23 Stationen, beginnt man jedoch die Navigation, erscheint die Angabe „Station 1/46“. Das liegt vermutlich daran, dass jeweils der Weg zu einer Station ebenfalls als eine solche gezählt wird. Hat man also eine Station erreicht, muss man mit einem Pfeil auf „Weiter“ klicken, um die Informationen zur Station abzurufen. Aber Vorsicht: Klickt man aus Versehen einmal zu viel auf „Weiter“ und landet eine Station zu weit vorne, gibt es zwar den Button „zur aktuellen Station“ – man landet jedoch nicht bei der Station, bei der man sich gerade befindet, sondern beim Ausgangspunkt Wasserschloss, und muss sich dann durch wiederholtes Klicken auf den „Weiter“-Pfeil wieder bis zur richtigen Station vorarbeiten.
Bei der Station „Sachsenheim in der NS-Zeit“ wehen Fahnen mit Hakenkreuzen an den Gebäuden, über die Hauptstraße geht es dann zurück zum Ausgangspunkt. Wer noch Zeit hat, der kann im „Entdeckenmodus“ weiter durch die Stadt schlendern und wird benachrichtigt, sobald eine Station in der Nähe ist. Wer sich Historisches gerne auditiv erklären lässt, kommt mit „zeigmal.“ jedenfalls auf seine Kosten; und auch wenn noch nicht alles ganz rund läuft, ist besonders der AR-Modus vielversprechend.
