Sachsenheim: Mit dem Echometer auf Pirsch

Christine Fiedler (links) und die Leiterin der Stadtbücherei, Sarah Simon-Burger, hinter dem Fledermaus-Büchertisch.
/Oliver BürkleLautlos fliegen die Fledermäuse durch die Nacht und nur auf dem Echometer sind sie für Menschen deutlich zu hören. Wenn sich Naturparkführerin Christine Fiedler auf nächtliche Pirsch durch Sachsenheim begibt, hört sie ganz genau hin, um die Jäger der Dunkelheit zu entdecken. „Bisher gehört das Stadtgebiet zu den weißen Flecken bei der Kartierung der Fledermausvorkommen im Naturpark Stromberg-Heuchelberg. In Zusammenarbeit mit dem Ortsverband der NABU möchte ich dies ändern“, sagt Fiedler, die beruflich als Geologin bei der Stadt Heidelberg arbeitet und deren Herz für die stark bedrohte Tierart schlägt.
Die Rufe der Fledermäuse
Auf ihrem Echometer kann sie die Rufe von Fledermäusen orten, in ein interaktives Spektogramm umwandeln und mit Hilfe des Frequenzbereichs einer bestimmten Art zuordnen, die sie auf ihrer Karte verzeichnet. „Die Zwergfledermaus habe ich bisher im Stadtgebiet am häufigsten entdeckt, beispielsweise an der Metter oder am Hohenhaslacher See gibt es große Vorkommen. In der Stadtkirche Großsachsenheim fühlen sich auch ‚Graue Langohren‘ wohl, und selbst die heute sehr selten gewordene Bechsteinfledermaus haben wir schon in Sachsenheim geortet“, sagt sie.
Sie möchte in der Bevölkerung für mehr Verständnis für Fledermäuse sorgen und auf deren Bedürfnisse und auf den Schutz ihrer Lebensbedingungen aufmerksam machen. Daher hat sie in Anlehnung an die große Ausstellung „Jäger der Dunkelheit“, die ab 6. Mai im Naturparkzentrum an der Ehmetsklinge in Zaberfeld zu sehen ist, eine kleine Informationsschau in der Stadtbücherei Sachsenheim initiiert. Auf einem Büchertisch mit Empfehlungen für Erwachsene und Kinder gibt es Infos, Malbilder, Rätsel und eine Bauanleitung für Nistkästen. Auch eine Lesung für Kinder ist geplant.
„Es ist wichtig für die Fledermäuse, dass die Menschen ihre Gärten insektenfreundlich gestalten, sie vor allem nicht zu stark in der Dunkelheit beleuchten und mit Nisthilfen ausstatten, die auch für Streuobstwiesen sehr nützlich sind“, erklärt Fiedler.
„Hotspot“ für Fledermäuse
Die detaillierten Karten mit den einzelnen Fledermausarten helfen der Stadt beim Schutz und Ausbau des Biotopverbundes. Sie dienen aber auch zur Beratung der Stadt, der Kirchengemeinden, von Bauträgern oder Landwirten. Inzwischen hat der Naturpark schon sein 20. Ausbildungsprogramm für Ehrenamtlichen durchgeführt, die sich für die Ortung von Fledermäusen engagieren wollen.
Seit 2024 ist Fiedler mit ihrem Echometer im Stadtgebiet unterwegs und hat inzwischen Häfnerhaslach als einen echten „Hotspot“ für Fledermäuse ausgemacht. Von 25 Arten von Fledermäusen im Naturparkgebiet konnten in Sachsenheim 18 nachgewiesen werden. „Wir appellieren auch an die Arbeiter im Forst, Baumhöhlen mit Fledermausvorkommen gerade im Frühjahr stehen zu lassen, denn sonst droht die Gefahr, dass die Nachkommen der Fledermäuse für ein ganzes Jahr vernichtet werden. In den Baumhöhlen können die Wochenstuben der Fledermäuse sein“, sagt Fiedler, die nach ihrem jahrelangen Engagement immer noch große Begeisterung für die kleinen Tiere hegt. „Es ist spannend, auf nächtliche Entdeckungsreise zu gehen und etwas zu erforschen, das wir mit unseren Sinnesorganen so nicht wahrnehmen können“, schwärmt sie.
„Ohne Fledermaus kein Tequila“
Im Rahmen der Fledermaus-Ausstellung im Naturparkzentrum bietet sie Exkursionen unter dem Motto „Ohne Fledermaus kein Tequila“ am 18. und 31. Juli dieses Jahres in Hohenhaslach an. „Dabei will ich den globalen Bezug herstellen, denn auch in tropischen Gebieten gibt es sehr viele Fledermausarten, die zum Beispiel die Agave bestäuben, die für die Herstellung des Tequilas wichtig ist“, sagt Fiedler. Michaela Glemser