Sachsenheim: Kritische Infrastruktur: Neuer Funkmast im Wald bei Hohenhaslach

Im Spitalwald hoch über Hohenhaslach wird ein neuer Funkmast errichtet
/Martin KalbIn der Energiekrise wächst die Angst vor einem „Blackout“. Damit von diesem gefürchteten Stromausfall nicht auch Einrichtungen der kritischen Infrastruktur, besonders der Energiewirtschaft, betroffen sind, wird bis 2025 bundesweit ein Funknetz auf Basis der 450-Megahertz-Frequenz aufgebaut. „Die Netze BW plant dazu auch den Bau eines Funkmastes im Gewann ‚Spitalwald‘ auf Hohenhaslacher Gemarkung“, erklärt Dr. Pascal Kuhn, der Leiter für Strategie, Breitband- & Infrastruktur bei der Netze BW GmbH. Das Unternehmen ist Teil einer Gesellschaftergruppe, die 2021 von der Bundesnetzagentur den Zuschlag für die Frequenzen erhalten hatte.
Landesweit rund 170 Funkmasten
Bundesweit sind für den Netzausbau rund 1600 Funkmasten erforderlich, 170 davon sollen in Baden-Württemberg stehen. Dabei werden bevorzugt Standorte genutzt, an denen bereits ein Funkmast vorhanden ist. Dies ist auch im Hohenhaslacher Forst der Fall.
Dort wird das bestehende Bauwerk, das aus den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg stammt und, nach Auskunft der Fachleute der Netze BW, nicht mehr den modernen statischen Anforderungen entspricht, abgebaut und durch einen neuen Funkmast ersetzt. Der künftige Stahlgittermast wird 50 Meter hoch sein und mit einem Outdoorschrank für die Systemtechnik versehen werden.
Die Fläche um den Mast wird mit Schotterbelag ausgeführt. Bereits im Dezember vergangenen Jahres haben die Mitglieder des Technischen Ausschusses der Stadt Sachsenheim dem Bauvorhaben zugestimmt. „Wir haben allerdings noch keine Baugenehmigung vorliegen. Sobald diese eingetroffen ist, werden wir starten“, macht Pascal Kuhn deutlich.
Für die Baufahrzeuge müssen die Waldwege an manchen Stellen verbreitert und einige Kurvenbereiche erweitert werden. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden die Waldwege wieder in ihren ursprünglichen Zustand gebracht.
Im Vergleich zu anderen Mobilfunknetzen sind für das 450- Megahertz-Netz weniger Funkstandorte erforderlich. Die vergleichsweise niedrige Frequenz ist zudem gut geeignet, um auch in Tälern und Kellerräumen erreichbar zu sein. Die 450-Megahertz-Variante ist sehr ausfallsicher und garantiert einen hochverfügbaren Sprach- und Datenaustausch zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit und zum Schutz kritischer Infrastrukturen, beispielsweise in Strom-, Gas- und Wassernetzen.
72 Stunden Notstromversorgung
Für den Fall von Naturkatastrophen oder großflächigen Stromausfällen verfügen alle Funkstandorte auch über eine Notstromversorgung für 72 Stunden mit Hilfe von Batterien. Bis zu drei Sektorenantennen am jeweiligen Funkmast stellen die flächendeckende Funkversorgung sicher. Weitere bis zu vier Richtfunkantennen sind unter anderem für die Kommunikation zwischen den Funkstandorten erforderlich.
Ein zuverlässiges und krisensicheres Kommunikationsnetz ist auch für die Anbindung der dezentralen erneuerbaren Energieanlagen wie Freiflächen-Fotovoltaikanlagen oder Windkraftanlagen an das Stromverteilnetz notwendig. Damit leistet das neue Netz einen Beitrag zum Fortschritt der Energiewende. Bevor der neue Funkmast im Hohenhaslacher Forst jedoch errichtet werden kann, muss der bestehende zunächst mit all seinen Kabelwegen, seinem Fundament und Container demontiert und zurückgebaut werden. Der Planungsverantwortliche Dr. Kuhn setzt darauf, dass dies zeitnah geschehen wird.