Sachsenheim: Im Spagat zwischen Sparzwang und Kreativität

Alexander Sterzel blickt auf 30 Jahre als Kulturreferent zurück. Zuerst in Tamm, ist er seit 2020 in Sachsenheim tätig. Vor allem die interkommunale Zusammenarbeit liegt ihm am Herzen.
Martin KalbD
ie Förderung von Kunst und Kultur sind seine Leidenschaft. Seit nunmehr 30 Jahren engagiert sich Alexander Sterzel als kommunaler Kulturreferent, seit 2020 in Sachsenheim und zuvor in Tamm.
Als passionierter Maler und leidenschaftlicher Jazz-Musiker hat der 58-Jährige besonderes Verständnis für die Belange der Künstler, weiß aber auch mit den Budgets und Sparzwängen einer Gemeindeverwaltung umzugehen. „Kultur ist für mich nicht einfach ein Beruf. Sie begleitet mich weit über die Arbeitszeit hinaus. Persönliche Begegnungen mit bekannten Künstlern und Musikern haben mein eigenen künstlerischen Weg geprägt und ein internationales Netzwerk entstehen lassen“, macht Sterzel deutlich.
Kontakte im In- und Ausland
Von diesen Kontakten zu namhafte Künstlern aus dem In- und Ausland profitiert der gebürtige Ludwigsburger auch bei der Konzeption des jährlichen Kulturprogramms für die Stadt Sachsenheim, bei der er mit 50 Prozent Stellenumfang beschäftigt ist.
„Große Namen im Kulturprogramm sind wichtig, um das Publikum auch über die Gemeindegrenzen hinaus anzulocken. Aber auch die lokalen und regionalen Künstler dürfen nicht vergessen werden. Die Qualität der künstlerischen Darbietung ist mir dabei besonders wichtig“, betont er, denn eine schlechte Band kann schnell das Publikum auf lange Zeit vergraulen. Der Kulturchef gesteht ein, dass er kein typischer Verwaltungsfachmann sei.
„Als Quereinsteiger haben mich meine Vorgesetzten wie Roland Zeller in Tamm oder Holger Albrich in Sachsenheim immer unterstützt und mir auch die nötigen kreativen Freiheiten bei der Kulturarbeit gelassen.“. Kultur brauche neben einer soliden finanziellen Grundlage vor allem Vertrauen, Unterstützung und den nötigen Spielraum für neue Ideen. Zwar müsse kommunale Kulturarbeit auch wirtschaftlich sein, aber auch mit begrenzten finanziellen Mitteln könne hochwertige Kultur entstehen. Ihm gelingt es dabei immer wieder, kulturelle Veranstaltungen so zu kalkulieren, dass diese nahezu kostendeckend durchgeführt werden können. Doch die finanziellen Rahmenbedingungen für die Kulturarbeit werden künftig nicht einfacher.
Einsparungen befürchtet
„Es wird zu Einsparungen bei meinem jährlichen Budget von rund 35.000 Euro kommen. Zugleich werden die Gagenvorstellungen mancher Künstler immer höher. Dabei ist mein großes Netzwerk und die persönlichen Kontakte zu vielen Künstlern hilfreich“, erläutert Sterzel. Zudem sei es oftmals günstiger, Künstler gemeinsam mit anderen Kommunen zu engagieren, denn kommunale Kulturarbeit ende nicht an der Stadtgrenze.
„Die interkommunale Zusammenarbeit etwa mit Bietigheim-Bissingen oder Vaihingen ist wichtig, denn nicht jeder muss in der Kulturarbeit ‚das Rad‘ selbst neu erfinden“, unterstreicht Sterzel. Der Sachsenheimer Kulturreferent setzt auch auf die Zusammenarbeit mit den unterschiedliche Vereinen und kulturellen Akteuren in Sachsenheim. „Dabei ist es mir wichtig, die gesamte Stadt mit allen Stadtteilen einzubeziehen“, stellt Sterzel klar. So ist die Veranstaltungsreihe „Jazz & Wein“ in Hohenhaslach regelmäßig ausverkauft. In der Häfnerhalle in Häfnerhaslach oder der Kelter in Hohenhaslach finden ebenfalls Veranstaltungen des Kulturprogramms statt.
Am 30. Januar soll in der Kirbachtalhalle zudem eine neue Veranstaltung aus der Taufe gehoben werden, zu der Bürgermeister Albrich und Kulturreferent Sterzel gemeinsam die Idee hatten. „Beim ‚Schaufenster der Sachsenheimer Kultur‘ sollen sich Formationen und Künstler aus der Stadt präsentieren“, schildert Sterzel. Damit solle gezeigt werden, wie vielfältig das kulturelle Leben in Sachsenheim und seinen Stadtteilen sei. Den Möglichkeiten des Kultursponsorings will Sterzel in Zukunft gerne mehr Aufmerksamkeit schenken, obwohl diese finanzielle Unterstützung von Wirtschaft und Industrie immer schwieriger zu generieren sei. „Es braucht Persönlichkeiten wie Reinhold Würth, die den Wert von Kulturarbeit erkennen und sich dafür engagieren. Nur so lassen sich Visionen umsetzen.“
Sterzel kann sich vorstellen, bei der Stadt seine berufliche Karriere in einigen Jahren zu beenden, denn er fühlt sich, auch im Team gemeinsam mit Museumsleiterin Dr. Claudia Papp, rundum wohl. „Kultur verändert sich ständig. Es gibt immer neue Künstler und neue Ideen. Auch nach 30 Jahren wird es mir deshalb nicht langweilig“, macht Sterzel deutlich.
Konzepte, die zu Beginn seiner Karriere funktionierten, wie die Veranstaltung eines reinen Rockkonzerts für die Jugend, passten heute nicht mehr in die Zeit. Daher will sich Sterzel in Zukunft nach passenden Veranstaltungskonzepten für die jüngere Generation umsehen. „Ich habe noch lange nicht genug. Im Gegenteil: Ich habe noch viele neue Projekte im Kopf und sprudele geradezu vor Ideen.“