Sachsenheim: Hohenhaslacher Ortschaftsräte wollen neue Brücke

An dieser Stelle am Kirbach war bis vor Kurzem noch eine Fußgängerbrücke. Eine neue ist erst mal nicht geplant, sagt Bürgermeister Holger Albrich.
/Foto: Martin KalbEs gab eine Online-Petition mit mehr als 20 Unterstützern für ihren Erhalt, die Hohenhaslacher Ortschaftsräte haben sich unablässig für das Vorhaben eingesetzt und dennoch scheinen alle Bemühungen vergebens: Die Fußgängerbrücke in der „Unteren Au“ in Hohenhaslach ist inzwischen zurückgebaut worden. Bei einer Routineuntersuchung vor rund sechs Jahren waren Schäden am sogenannten „Lügenbrückle“ zutage getreten, sodass das Bauwerk anschließend für Fußgänger gesperrt werden musste.
Eine Sanierung der bestehenden Brücke war aufgrund der Schäden nicht möglich, und es wurde ein Ersatz-Neubau angestrebt. Allerdings hatte ein Anlieger, über dessen Privatgrundstück der Weg zur Brücke verläuft, auf Löschung des Wegerechts zunächst in einem privatrechtlichen Gerichtsverfahren vor dem Amtsgericht Vaihingen an der Enz geklagt. Das Urteil bestätigte das Wegerecht, worauf der betroffene Grundstückseigentümer Berufung vor dem Landgericht Heilbronn einlegte.
Eine Seite des Grundstücks in städtischem Besitz
„Das Wegerecht bleibt jedoch weiterhin bestehen, allerdings dürfen keine Bauaktivitäten auf dem entsprechenden Privatgrundstück durchgeführt werden. Das bedeutet, dass ein Brückenneubau nur von einer Seite gegründet und befestigt werden könnte, denn dieses Grundstück ist in städtischem Besitz“, erläuterte der Fachbereichsleiter für Infrastruktur und Umwelt bei der Stadtverwaltung Sachsenheim, Simon Michel, in der Hohenhaslacher Ortschaftsratssitzung. Michel verwies auf die Klausurtagung des Gemeinderats im Zuge der Haushaltsberatungen für dieses Jahr, bei der aufgrund der angespannten finanziellen Lage der Stadt eine Priorisierung der Vorhaben bis zum Jahr 2030 entschieden worden sei. Dort habe aber der Ersatzbau der Brücke in der „Unteren Au“ keine Rolle gespielt.
„Das Unternehmen konnte die bestehende Brücke kurzfristig zurückbauen. Ein Neubau ist vorerst nicht vorgesehen“, sagte Michel. Damit war der Hohenhaslacher Ortsvorsteher Hans-Günther Neumann allerdings überhaupt nicht einverstanden. „Der Rückbau war klar, aber die Hohenhaslacher Bürger wollen wieder eine Brücke dort. Daher ist eine einfache und kostengünstige Brücke auch weiterhin unser Ziel. Uns ist diese Brücke wichtig“, machte der Hohenhaslacher Ortsvorsteher deutlich.
Ortsvorsteher will Kosten für einfache Brücke ermitteln
Er plädierte dafür, zunächst die Kosten für ein einfaches Brückenbauwerk zu ermitteln. Daran würde sich eventuell auch der Ortschaftsrat mit einem Teil seines Stadtteil-Budgets beteiligen. Zudem seien einige Anwohner bereit, einen Beitrag zu den Kosten zu leisten. „Wir können diesen Wunsch der Hohenhaslacher Ortschaftsräte zur Kenntnis nehmen, aber mehr auch nicht. Die Priorisierung bis 2030 ist festgelegt worden“, stellte Sachsenheims Bürgermeister Holger Albrich klar.
Ortschaftsrat Lars Weydt unterstrich, dass die Klausurtagung kein beschließendes Organ sei, und im Jahr 2021 noch mittelfristig ein Ersatzneubau für die Brücke möglich schien. „Damals war von 50.000 Euro plus x die Rede“, sagte Weydt. Michel entgegnete, dass der Arbeitsauftrag der Klausurtagung für ihn bindend sei: „25.000 Euro waren einmal die veranschlagten Kosten für eine Mindeststandard-Brücke. Hinzukommen die Ausgaben für die Planung und Genehmigung sowie für die nötigen geologischen Untersuchungen. Nur von einer Seite bauen zu dürfen, macht es sehr schwierig“.
Ortschaftsrat lässt sich von Bürgermeister nicht beirren
Ortsvorsteher Neumann ließ sich davon aber nicht entmutigen. „Wir wollen diese Brücke und bleiben standhaft. Es muss eine Lösung geben. Wir brauchen die genauen Kosten für eine einfache Brücke. Notfalls starten wir eine Sammelaktion dafür“, so Neumann. Auch Ortschaftsrat Nico Mollenkopf erinnerte daran, dass jahrelang das Brücken-Vorhaben verschoben worden sei, weil der Gerichtsprozess noch im Gange gewesen sei. Das sei inzwischen geklärt. „Die Brücke ist auf unserer Prioritätenliste nicht aufgeführt. Es wird in absehbarer Zeit keinen Neubau geben“, sagte Bürgermeister Albrich nochmals.
Doch die Hohenhaslacher Ortschaftsräte ließen sich davon nicht beirren und setzten den Neubau der Brücke in der „Unteren Au“ einhellig auf ihre Liste für die Finanzanmeldungen zum Haushaltsplan 2027.