Sachsenheim: Große Liebe für kleine Autos

Fast dasselbe Rot wie bei der Feuerwehr, im Zweifelsfall aber deutlich schneller unterwegs: Roland Zeh und sein Autobianchi A112 Abarth 70 HS. Das Modell von Abarth ist die sportliche Variante des italienischen Kleinwagens, der bis 1986 gebaut wurde.
/Martin KalbRoland Zeh hat ein großes Herz für kleine Autos. Zumindest, wenn sie von Autobianchi stammen. Den italienischen Hersteller gibt es schon fast 30 Jahre nicht mehr. Roland Zehs Erinnerungen an die sportlichen Autos aus Mailand reichen aber noch viel weiter zurück. Zumindest, wenn es um den A112 geht. „Das war 1972 mein erstes Auto“ erinnert sich der Sachsenheimer. Und genau so eines hat er heute noch immer in seiner Garage.
Vier Personen und 45 PS
Oder besser wieder. Denn natürlich ist sein feuerroter Flitzer nicht derselbe wie damals. Das hatte 45 PS und so viel Platz, dass er seine spätere Schwiegermutter, seine heutige Frau sowie deren Freundin darin von Bad Wildungen nach Hause kutschieren konnte. Und zwar mit Reisegepäck für mehrere Wochen. „Keine Ahnung, wie das alles hinein passte“, sagt der 70-Jährige heute. „Aber damals ging das.“
Das Ein- und Aussteigen in seinen aktuellen A112 fällt heute vielleicht nicht mehr ganz so leicht. Die Leidenschaft für den Italo-Flitzer ist aber immer noch groß. „Das Motorle von dem Auto ist einfach spritzig“, sagt Zeh. Das gilt besonders für die A112-Version, die er gerade fährt. Die trägt den Zusatz Abarth 70 HP. Letzteres steht für 70 Horsepower, also Pferdestärken. Hinter Abarth verbirgt sich Carlo Abarth (1908 bis 1979), der sich als Rennfahrer und Autotuner einen Namen machte. Seine gleichnamige Firma gehört heute zu Fiat und ist die Aushängemarke für leistungsstarke Modelle des Konzerns.
Zwei Jahre habe er nach der sportlichen Version des A112 gesucht, erzählt Zeh. Über einen Kontakt zu einem Tuner habe er einen Fiat-Händler in Franken gefunden. „Der hatte in seiner privaten Sammlung 40 Modelle“, erinnert er sich. Eines davon von der A112 Abarth 70 HP, Baujahr 1978. „1994 restauriert, damals vier Jahre in der Ausstellung“, sagt Zeh und schwärmt: „Das perfekte Auto.“
Kleines Auto, großer Verbrauch
Nach heutigen Maßstäben nicht ganz so perfekt ist der Verbrauch der Kleinwagens: neun Liter auf 100 Kilometer. „Und zwar nur das beste Benzin, Super Plus.“ Nicht, dass das gute Stück viel gefahren wird. Seit er das Auto 2004 mit 82.000 Kilometern übernahm, seien nur 4000 hinzugekommen. Dass der Kleinwagen so viel schluckt, liege an der hohen Drehzahl des Motors. Die machte den Wagen für Zeh auch vorher schon interessant. In den 1970er- und 1980er-Jahren war er bei lokalen Rallyes und Slaloms im wendigen A112 unterwegs. „Ein Freund und ich haben die damals von 45 auf 55 bis 60 PS getunt“, sagt Zeh.
Der Freund war auch als Beifahrer bei den Rallyes dabei. „Um sich in den Kurven festzuhalten, musste der das Seitenfenster herunterkurbeln und mit der Hand außen an die Dachreling fassen“, erinnert sich Roland Zeh.
Heute lässt er es mit seinem A112 etwas geruhsamer angehen. Das Schmuckstück wird meistens nur für Oldtimer-Treffen oder bei gutem Wetter für kurze Ausfahrten bewegt.