Sachsenheim
: Elvis crasht in Hämmmerles Show

Viel Applaus für „Elvis trifft Elvis“, das Musikcomedy-Programm von Bernd Kohlhepp und Nils Strassburg. 
Von
Sandra Bildmann
Sachsenheim
Jetzt in der App anhören

Herr Hämmerle (Bernd Kohlhepp) zunächst 40 Minuten als kabarettistischer Alleinunter, bevor Elvis Presley (Nils Strassburg) in die Show einstieg.

/Martin Kalb

Elvis im Schwäbischen: Nichts, was es nicht schon gegeben hätte. Damals, Ende der 1950er-Jahre, als der junge Elvis Presley als Soldat der US-Army in Hessen stationiert war und Ausflüge ins Umland unternahm. Es muss die Zeit gewesen sein, zu der er den Inbegriff des schwäbischen Volkslieds kennenlernte und ihm verfiel: „Muss i denn zum Städtele hinaus“. Eine Steilvorlage für Musikcomedy rund um Elvis in Südwestdeutschland. Doch dazu später mehr.

Es muss ein Moment der Unachtsamkeit gewesen sein, das rückwärtige Rangieren im Kreisverkehr sein Schicksalsmoment: Herr Hämmerle (Bernd Kohlhepp) war auf dem Weg nach Sachsenheim als er mit einem Wagen hinter ihm kollidierte. Und weil er so in Eile war, brachte Hämmerle den Verunfallten einfach mit. So kam es, dass Elvis Presley (Nils Strassburg) in Herrn Hämmerles Show crashte.

40 Minuten unterhielt Bernd Kohlhepp, arrivierter Kabarettist im schwäbischen Lande, das Publikum in der Manier eines Alleinunterhalters und legte dabei Grundlagen für den späteren Teil des Programms: gab Kostproben seiner überschaubaren Englischkenntnisse, übte mit Frauen im Publikum das Schmachten samt roten Plastikrosen und sang große Elvis-Hits. Nicht jedoch als plumpe Kopie des Originals: Die Themen, die Kohlhepp im authentischen Nuschel-Schwäbisch dichtete, rankten sich um nachbarschaftliche Missverständnisse und Fahrrad-Verlust-Ängste des gestandenen Mannes.

Aufs Publikum reagiert

Herausragend aber waren Kohlhepps Fähigkeiten, auf das Publikum zu reagieren und es in das Programm einzubauen. Nicht nur Traudel, Ingrid, Sepp und Uli in der ersten Reihe gehörten von nun an zu den Säulen seiner Show; am nachhaltigsten schwärmte Herr Hämmerle für Gerlinde aus Stammheim. Überhaupt kam ein Großteil der über 150 Besucherinnen und Besucher in der Mensa am Schulzentrum gar nicht aus Sachsenheim, sondern extra von außerhalb.

Ob es erklärt, dass niemand Karin Schurens kannte? Fehlanzeige: Nicht mal Elvis wusste, wen Herr Hämmerle meinte – denn ausnahmsweise suchte der Frauenschwarm nicht nach einem „beautiful girl“, sondern nach der Versicherungskarte („car insurance“) von Herrn Hämmerle. Der Crash im Kreisverkehr, man erinnerte sich.

„Tell amâl“, wandte sich Hämmerle an seine Unfallbekanntschaft. Er komme ihm irgendwie bekannt vor. Er habe so eine Ähnlichkeit. Eine auffallende Ähnlichkeit mit – Neil Diamond. Und so sang Nils Strassburg – einer der bekanntesten Elvis-Interpreten Deutschlands – Diamonds Hit „Sweet Caroline“.

Da hatten sich also zwei gefunden, deren Gegensätzlichkeit enormer nicht hätte sein können. Und so wird niemand aus den Sachsenheimer Reihen behaupten können, nicht mindestens breit geschmunzelt zu haben, als Elvis Presley ein Duett mit dem schwäbischen Elvis aus Bempflingen sang. Die meisten im Publikum lachten schallend bei der urkomischen Variante von Whitney Houstons „I will always love you“, mit der es in die Pause ging.

„Meisterdolmetscher“

„Ausgrutscht, zack! On en dr Pyjama nei“ – Herr Hämmerle wusste genau, wie er sich Priscillas Schlafgewand bemächtigt hatte. Seinen quietschgrünen Anzug muss er dabei wohl auf der Rückbank von Presleys Wagen zurückgelassen haben. So kam Elvis also zurück auf die Bühne, obwohl er – wie jeder halbwegs begehrte Promi zu betonen pflegte – leider auf der Stelle losmüsse. Die Zeit dränge. I’m sorry. Von Herrn Hämmerle ließ er sich aber doch zu einem Interview hinreißen, das der schwäbische Meisterdolmetscher findig zu übersetzen wusste: kreativ ausufernd, dem Wahrheitsgehalt nur im idealistischen Sinne verschrieben.

Erster Elvis-Hit nach zwei Stunden

Und dann war es soweit: Um 22 Uhr, zwei Stunden nach Beginn der Vorstellung, klatschte das Publikum rhythmisch: Endlich hatte Elvis Elvis-Songs gesungen! Es war der eindeutige Ausdruck von: Davon wollen wir mehr! Zu „Love me tender“ hatte er unzählige Halstücher an Damen im Publikum verteilt, es folgten „Suspiscious minds“ und „That’s when your heartaches begin“.

Zugabe endet mit Verweigerung

Die Zugabe versprach Großes, aber endete schwupps und ein bisschen so, als verweigerten sie den Höhepunkt: Elvis Presley em Schwâbaländle. Was könnte es Schillernderes geben – aufregend und heimelig zugleich –, als „Wooden heart“, die englische Version von „Muss i denn“? Strassburg und Kohlhepp stimmten das schwäbische Volkslied an, doch bevor das Publikum so richtig auf Touren kommen und mitsingen konnte, war’s auch schon wieder vorbei. Viel Applaus für eine überaus unterhaltsame Show bester schwäbischer Comedy, die hielt, was sie versprach; von der sich so mancher Zuschauer aber etwas mehr Elvis Presley im Stil des Originals erhofft hatte.