Sachsenheim
: Ein echter Ami im Kirbachtal

Viele Traumautos werden behandelt wie Ausstellungsstücke. Wolfgang Möbus transportiert mit seinem Grünschnitt und Holz. Dazu ist sein Ford F250 schließlich gemacht.
Von
John Patrick Mikisch
Sachsenheim
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Andere stellen sich ihr Traumauto in die Garage: Wolfgang Möbus fährt damit Gartenabfälle zum Häckselplatz. Denn für solche Aufgaben ist der Ford Pick-up F250 schließlich gebaut worden.

/liver Bürkle

Buddubuddubuddu: Wer den charakteristischen Sound eines V8-Motors einmal im Ohr hatte, vergisst ihn so schnell nicht mehr. Sonor dröhnt die 7,5 Liter-Maschine des Ford F250 unter der Motorhaube – eine leise Ahnung, was der der 230-PS-Motor leisten kann. Wenn der Fahrer will. Momentan gondelt Wolfgang Möbus aber nur gemütlich durch die Weinberge bei Häfnerhaslach und genießt den schönen Ausblick aus seinem Pick-up.

Ein echtes Arbeitstier

Der ist rund 35 Jahre alt und ein echter Fahrzeugklassiker, zumindest in den USA. Kein Auto verkaufte sich in Nordamerika öfter als die Typen der F-Serie von Ford: 32 Millionen Stück. Pick-ups sind mit ihrer großen Ladefläche, ordentlich Zuladung und vielen PS die Arbeitstiere unter den US-Autos. Rancher transportieren damit Heurollen, Handwerker ihr Equipment und Vorstadtbewohner den Wocheneinkauf.

Letzteren würde Wolfgang Möbus auf der komfortablen Sitzbank seines F250 verstauen. „Auf der Ladefläche fliegt das nur von links nach rechts“, sagt er. Auf der transportiert er sonst Holz für die Heizung und Gartenabfälle zum Häckselplatz.

Entsprechend verschrammt ist die Ladefläche an dem sonst top gepflegten Wagen Baujahr 1989. „Der ist aus erster Hand aus Kalifornien“, sagt Möbus. „Und komplett rostfrei.“ Damit das so bleibt, wird das gute Stück nur bei trocknem Wetter bewegt.

Ursprünglich hatte Möbus einen Chevrolet C/10 als Transporter gesucht. „Der gefällt mir optisch besser“, sagt er. Der F250 hat aber das größere Ladegewicht: 1750 statt 800 Kilo.

Groß ist auch der Durst des 7,5-Liter-V8-Motors. Der benötigt zwischen 20 und 30 Liter, so Wolfgang Möbus. Damit der Wagen nicht mitten in der Prärie ohne Sprit stehen bleibt, hat ihn Ford gleich mit zwei Tanks ausgestattet, die zusammen 140 Liter fassen. Tanken müsse er das Auto aber nur alle zwei, drei Monate. Abgesehen von den Fahrten zum Häckselplatz oder Holzholen geht es gelegentlich auf ein Autotreffen für Young- und Oldtimer oder auf eine Ausfahrt mit den „Kirbachtal Cruisers“, eine Gruppe von Autoenthusiasten, deren Gründung Möbus 2021 angestoßen hat (www.kirbachtal-cruisers.de).

Schon als Kind habe er in Ludwigsburg die Autos der dort stationierten US-Soldaten bewundert, erinnert sich Möbus. Mit 13 verdiente er bei einem Autohändler sein erstes Geld bei der Wagenpflege. „Ich durfte sogar Autos aus der Tiefgarage vorfahren.“ Das ginge heute nicht mehr ohne Weiteres. Allein schon wegen der Maße des F250: Mit Außenspiegeln ist der Wagen fast 2,5 Meter breit. Nicht gerade ein Stadtautochen. Und vielleicht deswegen genau richtig fürs Kirbachtal.